Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 19 (1.10.1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 300 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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300 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. lft Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig w Utflfclder Caife£ Wüntfym. im^omikü „Ein Jude bürgt für den andern." Dieses Wort unserer jüdischen Weisen soll und muß in diesen schweren Tagen neu erstehen, zur Losung für uns alle werden. Heute heißt es für uns Juden: Treu zusammenstehen wie ein Mann, einer für den andern, jeder für die Gesamtheit. Einer nehme Teil an den spärlichen Freuden, an den schweren Sorgen und Leiden des andern; als ob es seine eigene Freude, sein eigenes Leid sei. Können wir Juden in diesen Tagen schwerster Heimsuchung noch von „Glückwünschen" sprechen? Wo ist das altjüdische Wunschwort: „Masal tof" („Viel Glück") hingekommen? Wenige Tage trennen uns noch vom Rosch Haschono und Jörn Hakippurim, den Jomim noroi'm. Aber solche Rosch-Haschono-Tage wie die bevorstehenden hat das deutsche Judentum noch nicht erlebt Unter Tränen werden Tausende unserer Glaubensbrüder und Glaubensschwestern am diesjährigen Neujahrs-Gottesdienste im Owinu-Malkenu-Gebete die Worte sprechen: „Unser Vater, unser König, schreibe uns ein in das Buch der Nahrung (Parnoso) und Erhaltung!" Unter heißen Tränen werden sich diesmal Tausende deutscher Juden und Jüdinnen in dem Gebete vereinigen: „W'sen lonu Oscher W'kowod" — Gib uns Reichtum, gib uns Ehre!" Eine Bar-Mizwoh-Feier ist eine Feier, ein Fest der Jugend. Aber das Herz möchte uns bluten, wenn wir an das Zukunftsdunkel unserer jüdischen Jugend denken. Was soll, was wird aus ihr werden? Und doch, wir wollen nicht verzagen, uns nicht der Verzweiflung hingeben. Wahren wir unsere Würde, auch wenn Verarmung und Verelendung unser Los sein sollte. Seien wir uns selbst genug! Schauen wir nicht verlangend nach Anteilnahme und Mitleid aus! Gehen wir aufrecht unsere Straße! Unser reines Gewissen wird uns Stab und Stütze sein. Und noch eines: Noch lebt der Gott unserer Väter. Klammern wir uns an das Thora-Gotteswort: „In deiner Bedrängnis wird dein Gott dich nicht von sich lassen und dich nicht der Vernichtung preisgeben." Ergreifen wir mit unserm ganzen Sein den Zuspruch des Propheten Jesaja: „O, fürchte nichts, du Wurm Jakob, du kleines Häuflein Israel! Ich stehe dir bei, der Heilige Israels." So wird diese Bar-Mizwoh-Feier, wenn auch keine freudige, so doch eine Stunde der Tröstung, der Aufrichtung für uns sein und wir alle werden nachher, innerlich gestärkt und gekräftigt, diese Synagoge wieder verlassen. Amen. Aus der Gemeinde München Lehrkurse der Kultusgemeinde Die Bekanntgabe des Stundenplanes und Programms erfolgt in der nächsten Nummer vom 15. Oktober. Hebräische Sprachkurse München Wir geben den Lehrplan wie folgt bekannt: 6 Grundkurse, 4 Schnellkurse, 2 Kinderkurse, 1 Kurs im Lehrlingsheim. Stundenplan: Montag 7.30—9 Uhr Kurs 3 9—10.30 Uhr Schnellkurs A Dienstag 5-6 Uhr Kinderkurs 2 8-9 Uhr Schnellkurs B ■ 9-10.30 Uhr Kurs 5 Mittwoch 3-4 Uhr Kinderkurs 1 8-9 Uhr Schnell kurs C 9 -10.30 Uhr Kurs 1 Donnerstag 8-9 Uhr Schnellkurs B 9-10.30 Uhr Kurs 6 Samstag 8-9 Uhr Scl.nellkurs C 9-10.30 Uhr Schnellkurs D Sonntag 11-12 Uhr Lehrlingsheim Die Grundkurse 2 und 4 werden demnächst noch eingefügt und die Lehrzeit bekanntgegeben. Außerdem beginnen demnächst spezielle Kurse für Jugendliche. In sämtlichen bestehenden Kursen werden neue Schüler aufgenommen. Telephonische Anmeldung unter Ruf-Nr. 90207 täglich außer Samstag und Sonntag von 8—12 Uhr und 3—6 Uhri Der Unterricht findet in den Räumen der Kurse Herzog- Rudolf-Straße 1 Rgb. 1. Stock statt Adolf Rothschild Das führende Haus für vornehmste Maßanfertigung Brienner Straffe 52 Kostüme, Kleider, Mäntel, Pelze