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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-10-01 · 19 (1.10.1933) · p. Seite 297

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
19 (1.10.1933)
Date
1933-10-01
Page
Seite 297 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 297 --^ v - sS, V f ' \ ir,-*'. S.. %\^>S^ DAS PREISWÜRDICE MÜNCHNER TUCHHAUS SONNENSTRASSE 8 IM PHÖBUSPALAST „Unsere Väter, die hier einst gelebt, hatten ihren Rücken dem Heiligtum zugekehrt und ihr Antlitz war nach Osten gerichtet, um sich vor der aufgehenden Sonne anbetend zu bücken, wir aber — wir gehören Gott an und unsere Augen sind nur auf Gott gerichtet." So der Bericht der Mischnah von jenem Fest, mit dem man das Schöpfen des Wassers begleitete, das man — einziges Mal im Jahr! — am Hüttenfest auf dem Altar als Trankopfer ausgoß, wo man sonst nur Wein opferte. Es war das ein alter Volksbrauch, von dem in der Thora nichts stand, und das Volk hing mit heißer Inbrunst an der Erfüllung des Brauches, duldete kein Abweichen davon, auch von dem Höchstgestellten nicht. Und weil es mit solcher Liebe an dem Brauch des Wasseropfers am Hüttenfest hing, darum eben begleitete es das Einholen des Wassers mit einem großen Fest. Der Bericht ist schon darum so interessant, weil wir aus ihm ersehen können, wie die Religionsübung des alten Israel nicht nur eine von tiefem und schwerem Ernst getragene war, sondern mit wieviel Heiterkeit und Freude sie verbunden war, und wie mit ihr ursprüngliches Volksleben in seiner Farbigkeit und Buntheit verbunden war, wie überschäumend man Volksfeste zu feiern imstande war. Den Bericht der Mischnah ergänzt die Gemara (Sukkah 53a) noch, indem sie angibt, was das denn für Lobgesänge und Huldigungen waren, die die Frauen, die Männer bewährten Tuns in ihrer Begeisterung anstimmten. Die einen, so wird erzählt, riefen aus: „Heil dem, der nicht gesündigt, und wer gesündigt, möge er umkehren und dann wird er Vergebung finden." Andere riefen: „Heil unserem Alter, daß es Sühne gebracht hat für unsere Jugendzeit." Wieder andere sollen ausgerufen haben: „Heil unserer Jugendzeit, daß sie nicht unser Alter beschämt" Diesen letzten Ruf für uns aufzunehmen, verlohnt sich mehr denn je. Möge es uns gelingen, die Spannkraft und Tatkraft und Begeisterung der Jugend zu erhalten und neu anzufachen, damit es gelinge, standzuhalten in den gehäuften Nöten und Sorgen der Gegenwart, in die wir hineingestellt sind. Möge es gelingen, den Eifer und die Hingabe, deren der Mensch in der Jugend fähig ist, zu erhalten und nicht erkalten zu lassen, damit wir für Juden und Judentum in ungebrochener Kraft wirken. Mögen unsere reifen Jahre so sein, daß sie nicht Abstieg bedeuten gegenüber den Jugendjahren, mögen die Tage der Reife und des Alters so vor Gott gelebt werden, auch in den Verstrickungen dieser Zeit, daß wir uns unserer eigenen Jugend nicht zu schämen haben. Zwei jüdische Arbeiter heiraten Jüdische Hochzeit in einem süddeutschen Dorf August 1933 Der letzten Nummer des „Israelit" entn eh men wir folgende Schilderung: Ein strahlend schöner Tag, gegeben von Oben, ein wahrhaftes Geschenk in der Enge und Gedrücktheit unserer Tage. Das ganze Dorf in lebhafter, freudigbewegter Erregung. Das Rathaus geschmückt mit den Fahnen des neuen Reiches. Immer mehr Leute strömen herbei und mitten und zwischendurch Männer in feierlichem Schwarz mit Zylinder, feiertäglich gekleidete Frauen. Es flutet aneinander vorbei. Sie stören einander nicht — aber sie beachten sich auch nicht. Unsichtbare Scheidewände trennen. Die einen streben dem Rathaus zu, wo unbeteiligt durch die anderen der neue Bürgermeister gekürt wird, der dann später unter Musik im Triumph durch die Straßen geführt werden wird. Die andern, die Männer in Schwarz, die Frauen im Feststaat eilen an den Ausgang des Dorfes. Ein großer Garten im prangenden Grün. Zwischen alten Bäumen zwei schlanke Säulen. Darüber gespannt ein Dach. Eine Chuppo, eine richtige Ghuppo. Und während von ferne die Lieder des neuen Reiches herantönen, treten unter freiem Himmel zwei junge Menschen zusammen. Ein Chaluz und eine Chaluzah, die mit der ganzen Kraft, der Unbekümmertheit und der Sorglosigkeit ihrer frischen Jugend, sich zusammenfinden, um ein jüdisches Haus zu gründen, das sie errichten wollen, drüben auf dem durch den Atem der langen Zeit gesegneten Boden, dem Lande der Väter, der Zukunft, der vielleicht einzigen Zukunft der Jugend. Der Bräutigam in der Tracht des Arbeiters. Der einzige fast, der keinen Zylinder aufhat. Diese dringlichen Etikettensorgen — August 1933!! — ob ja Zylinder, oder kein Zylinder, war übrigens für die Männer, die Bal-Battim, Anlaß zu hitzigen und stundenlangen Debatten, die S. Orljansky & Co. MÜNCHEN . NEUHAUSER STRASSE 29 das führende Spezialhaus für ElGC)clIlfQ PqIzHIOCIQII Größte Auswahl . Erstklassige Qualitäten . Bekannt billige Preise . Umarbeitung nach den neuesten Modellen

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