Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 19 (1.10.1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 296 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2727810-2727975-2727994--09153-2742416- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
296 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 19 im neuen Rathaus Eingang Landschaftstraße Feine Pelzwaren und Kulturphilosophie, in Verbindung mit dem Oberschulrat Fr. Hilger und dem Professor Dr. F. Schneersohn, begründet, wo schon im ersten Bande (1925, 1926) von ihm selber zwei große Abhandlungen enthalten sind: „1. der historische Vorgang im allgemeinen; 2. der Kulturakt und seine vierfache Wurzel." Schon früher hatte er die Schrift: „Ideen zur Philosophie der Kultur" mit dem Untertitel „Der Kulturakt" versehen und darin seine früheren Gedanken in neuer Gestalt wiederholt und weiter ausgeführt. Diese Gedanken erfahren eine neue Gestaltung in der Abhandlung des „Ethos". Sie handelt hauptsächlich über den Begriff des Kulturakts, den Koigen gebildet hat Er identifiziert ihn fast mit dem Urteilsakt, der die Urzelle und das Vorbild jedes Kulturaktes darstelle oder das Ei sei, dem die Kultur sich entwinde. Die Kultur an sich stelle ein fortwährendes Urteilen vor, nicht nur im Bewußtsein der Menschheit, sondern gegenständlich durch ihr Wollen und Tun/Dies zu verstehen, muß man bei Koigen die Wurzeln des Willens kennengelernt haben, der stets in vier Grundformen erscheine: zunächst als heteronomer Wille, dessen objektives Resultat die verschiedenartig symbolische Herrschaftsgewalt sei, und der die aristokratische Position des Menschen im handgreiflichen Sinne dieses Begriffes ausdrücke. Von der Heteronomie wird nun die Sozionomie, Autonomie und Anomie unterschieden, die das menschliche Wirken beschreiten müsse,. um zu einem Kulturakt, zur Kulturverfassung, zu einer produktiven Parteiung innerhalb dieser zu gelangen. Nur die vielen Ausführungen, in denen diese Gedanken variiert werden, machen sie einigermaßen verständlich. Daß Koigen etwas Ungeheures, unendlich Tiefes, Überwältigendes erstrebte, tritt auch in seinem letzten Werke hervor, das er den „Aufbau der sozialen Welt im Zeitalter der Wissenschaft" und zugleich „Umrisse einer soziologischen Strukturlehre" nennt. Es ist sehr schwer, dem Gedankengange dieses Werkes, das nicht groß im Umfange ist, zu folgen, und im Rahmen dieses Nekrologs kann ich nicht daran denken, es zu erläutern oder auch nur dem Verständnisse näher zu bringen. Offenbar sollte die eigentliche Darstellung der sozialen Welt noch folgen, und es ist diesem ernsten Denker nicht vergönnt gewesen, sie zu vollenden. Ich muß aber einem Zweifel Raum geben, ob der Verlust, aus dem wissenschaftlich - philosophischen Gesichtspunkt betrachtet, schwer ist. Denn wenn wir durch E. Bernstein erfahren, daß Koigen als Sohn eines Gutspächters in einem kleinrussischen Dorfe sehr nachhaltige Jugendeindrücke empfing; „dehn der Vater war ein bis zur Extase frommer Mystiker und prägte den Kindern mit Inbrunst das Andenken eines Vorfahren ein, der als gelehrter Rabbiner einen Ruf weit über die Grenzen Rußlands genossen und in den Kämpfen, die im 17. Jahrhundert zwischen Mystikern und Rationalisten im russischen Judentum ausgefochten wurden, eine hervorragende Rolle gespielt hat", so muß ich sagen, daß ich fürchte, der Hang zum Mystizismus, der besonders in dem letzten Büchlein stark hervortritt, hätte endlich die Oberhand gewonnen und das Schrifttum Koigens schlechthin unverständlich gemacht. Denn schon hier spricht er im Vorwort vom Mysterium der Urteilsvernunft, in dessen Bahnen das soziale Geschehen, wie wir von ihm erfaßt werden, uns zwinge und uns verleite es ferner zu gestalten, zu erdulden und es jedesmal überwindend als Ganzes zu erleben. Alles dies Leben und Wirken... dies Abschreiten von Evolutions-, Devolutions-, Revolutions- und Involutionsbahnen gleiche dem Gehorchen eines einheitlichen, aber vielgestaltigen und vielfach deutbaren synoptischen Entfaltungsgesetzes, und dies Gesetz erinnere lebhaft an die Gestaltung uralter Mysterien, die... das Entstehen, Verkümmern, Sich-Auflehnen und Wiedererwachen, inbereicherter Form, in ihren Kulten zur Darstellung brachten. Für jüngere Menschen lohnt es sich vielleicht, diesem geheimnisvollen Denken nachzugehen. Ich fühle mich außerstande dazu. Es leommt mir vor, daß Koigen. wie mancher vor ihm, Unmögliches erstrebt und gesucht hat. Man hat es wohl öfter in den Gestaltungen des orientalischen und auf besonderer Art des jüdischen Denkens gefunden: ein emsiges unablässiges Sichversenken in die eigenen Gedanken und Visionen, das vielleicht einzelne Jünger begeistern und zur Nachfolge reizen kann, aber doch nicht eigentlich fruchtbar wird. Koigen war ohne Zweifel ein sehr ernster, forschender und bedeutender Geist. Seine Leistungen sind danach angetan, hohe Achtung zu erwecken. Er war persönlich ein Mann von heiterer, liebenswürdiger und freundlicher Art, der mir noch, als ich ihn zuletzt zufällig am Kurfürstendamm begegnete (im Februar d. J.) durch seine Jugendlichkeit auffiel. Aus seinem ganzen Wesen sprach Herzensgüte und Redlichkeit Sein Andenken wird mir geweiht sein. Das Fesf des Wasserschöpfens am ersten Tag Sukkoth in alter Zeit m*wn mn nnoff Von Rabb. Dr. Dienemann -Offenbach a.M. Die Mischnah berichtet uns (Sukkah 5): „Wer nicht die Freude des Hauses der Wasserschöpfung miterlebt hat hat sein Lebtag keine volle Freude erlebt. Am Ausgang des ersten Festtages vom Hüttenfest ging man hinunter in die Halle der Frauen und machte dort große Herrichtungen (man ordnete Bänke und Galerien so, daß Frauen und Männer getrennt saßen). Goldene Leuchter waren da, sie trugen jeder vier goldene Schalen; zu jedem stieg man auf vier Stufen empor; und vier aus der Priesterjugend gössen aus ölkrügen von 120 Lug in jede Schale. Aus alten Priesterkleidern wurden Dochte gedreht, und dank ihnen gaben all die ölkrüge Licht. Jeder Hof in Jerusalem strahlte wider vom Licht „des Hauses der Wasserschöpfung". Fromme und im Tun bemühte Männer tanzten einher mit brennenden Fackeln in der Hand. (Wie Rabbi Simon ben Gamliel erzählt die Tosefta, daß er gleichzeitig mit acht brennenden Fackeln Fangball spielte und daß er sie so auffing, daß keine die andere berührte. Von Hillel berichtet die Tosefta, daß er an diesem Feste sagte: wenn ich da bin, kommt jeder, wenn ich nicht komme, wer wird dann kommen?) Sie sangen Lieder und Huldigungen. Die Leviten spielten auf Harfen und zahllosen Saiten- und Blasinstrumenten. Sie standen auf den fünfzehn Stufen, die von der Halle der Israeliten zur Halle der Frauen führte, entsprechend den 15 „Stufenliedern" der Psalmen, auf jeder Stufe erklang eines dieser Lieder. Zwei Priester standen am obersten Tor, das von der Halle der Israeliten zur Halle der Frauen ging und hatten Trompeten in der Hand. Sobald der Hahn krähte, ließen sie Tekioh, Teruoh, Tekioh erklingen, ebenso wenn sie auf der zehnten Stufe angelangt waren, ebenso wenn sie in der Halle angelangt waren. Sie bliesen, bis sie zu dem Tore kamen, das von Osten her herausführte. Hier wandten sie ihr Antlitz um nach Westen und sprachen: Herren-und Knaben-Kleidung jetzt nur von RR ROSGflf GlClOf Das Fachgeschäft mit der eigenen QroB-Schnelderel BAYERSTRASSE 5 nächst dem Stachus