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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-09-01 · 17 (1.9.1933) · p. Seite 261

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
17 (1.9.1933)
Date
1933-09-01
Page
Seite 261 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 261 schaft schaffe einen vergrößerten innern Markt für die Produkte der Industrie. Für jeden landwirtschaftlichen Siedler könnten etwa drei Einwanderer zusätzlich Nahrung finden. Natürlich sei Palästina nicht nur für die deutschen Juden da, sondern müsse seine Tore auch für die Juden anderer Länder offenhalten. Im ganzen schätzt Dr. Ruppin die Zahl der deutschen Juden, die Palästina im Laufe der nächsten 5 Jahre werde aufnehmen können, auf ungefähr 100 000. Man werde die Auswanderung nach Palästina denjenigen erleichtern, die von selbst dorthin gehen wollen. Für die Aufnahme der gesamten 200 000 würden außerdem auch andere Länder in Betracht kommen; in erster Linie sei an die Vereinigten Staaten zu denken. Es scheine nicht ausgeschlossen, daß sich dort unter dem Eindruck der Lage der deutschen Juden die Einwanderungspraxis liberaler gestalten werde. Auch die im Völkerbund vereinigten europäischen und überseeischen Staaten würden eine beschränkte Zahl von Juden aufnehmen können. Die Judenheit der Welt solle durch den Völkerbund einen Appell an seine Mitgliedstaaten richten. Es sei zu hoffen, daß man dadurch etwa 50 000 Juden Zuflucht schaffen könne. Auf dem Kongreß waren deutsche Zionisten nicht vertreten. Mit Recht vermißt die „Jüdische Rundschau" ein eigentliches Verständnis für die deutschen Juden auf dem 18. Zionistenkongreß und bemerkt: „Dies ist leicht erklärlich, wenn man bedenkt, daß Delegierte aus allen Ländern hier zusammentreffen, die vielfach die Art und Weise der Betrachtung der Judenfrage in ihrem eigenen Land auch auf die Betrachtung der deutschen Judenfrage übertragen. Wer die deutsche Entwicklung nicht von innen beobachtet hat, kann offenbar nicht ermessen, welchen Umfangs die Revolution ist, die sich in Deutschland vollzogen hat und auf welchen neuen Grundlagen der deutsche Staat aufgebaut wird. Dann verkennt man leicht das Problem, vor dem das deutsche Judentum steht. Die meisten führenden Delegierten kommen aus Ländern, wo entweder das Prinzip der liberalen Gleichberechtigung gilt oder die Eigentümlichkeiten eines Nationalitäten-Staates auch die Rechte der Juden bestimmen. In Deutschland liegen die Dinge ganz anders. Der Liberalismus ist hier endgültig erledigt, der Parlamentarismus wird nicht wiederkehren, der nationalsozialistische Staat erstrebt einen organischen Aufbau nach berufsständischer Struktur, und darüber hinaus wurde der völkische Gedanke und das Rassenprinzip zur Grundlage des deutschen Staates gemacht. Man kann diese gewaltige Veränderung nicht ignorieren. Es wäre unsinnig, für die Juden in Deutschland heute etwa eine Politik zu empfehlen, die auf eine Wiederherstellung der Weimarer Verfassung hinausliefe. Gerade die deutschen Zionisten werden sich von solchen Irrtümern freihalten, weil wir die Tiefe des geschichtlichen Geschehens in Deutschland empfinden. Wenn man zur deutschen Judenfrage Stellung nehmen will, so muß man diese besonderen Verhältnisse würdigen. Auch wir — und alle deutschen Juden — glauben, daß der gegenwärtige Zustand, der noch eine unmittelbare Nachwirkung der eben erst abgeschlossenen Revolution ist, nicht endgültig sein kann. Wir glauben, daß auch die deutschen Juden ihren Platz und ihre Eingliederung in diesem Staate finden müssen, und wir hoffen, daß sich die Form hierfür, die mit den Grundsätzen des neuen Staates in Einklang steht, wird finden lassen. Wenn aber der Kongreß in seiner Resolution, offenbar ohne tiefere Kenntnis der deutschen Entwicklung zu haben, an die zivilisierte Welt und den Völkerbund appeliert, um den Juden in Deutschland bei der „Wiedererlangung ihrer Rechte" zu helfen, so ist dies eine Verkennung der Aufgabe. Es gilt nicht eine „Wiedererlangung", sondern eine Neugestaltung. Alte Formeln werden hinfällig, wenn man es mit einer einzigartigen Situation zu tun hat, die eine ganz neuartige Lösung verlangt. Gerade ein zionistisches Gremium hätte dies nicht übersehen sollen." Aus der Gemeinde München Verbot der städtischen Badeanstalten in München Der Städtische Nachrichtendienst teilt mit: Durch Verfügung nach Art. 17 der Gemeindeordnung ist mit sofortiger Wirksamkeit Personen nichtarischer Abstammung der Besuch der städtischen Badeanstalten mit Ausnahme Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig Umfelder Cm.hfj. fflündjai. im ftorantal der Brause-, Wannen- und medizinischen Einzelbäder untersagt (Mitteilung der Münchener Neuesten Nachrichten vom 18. August 1933). Zum Tode von Professor Bergsträsser Mit dem am 16. August am Watzmann verunglückten Gelehrten verliert die Universität München ihren hervorragenden Vertreter der semitischen Philologie und der Islam-Wissenschaft. Professor Bergsträsser nahm seit 1296 den Lehrstuhl Hommels in München ein. Seine Neuherausgabe von Gesenius' Hebräischer Grammatik von der 29. Auflage an, die unter seinen Händen ein völlig neues Werk wurde, seine „Einführung in die semitischen Sprachen" (München, Hueber 1928), seine Epoche machenden Werke zur aramäischen Sprache sind jedem Fachkenner wohlbekannt. Der Verstorbene war einer der besten Kenner der Sprache und Kultur der Juden aller Epochen. Wer an seinen Vorlesungen und Seminarübunger aktiv teilnahm, lernte Präzisionsarbeit in der Lektüre und im Verständnis schwerer orientalischer Texte. Für Professor Bergsträsser galt nur sachliche unermüdliche, streng wissenschaftliche Arbeit, fern von jeder Unklarheit und modischen Phraseologie. Als bester europäischer Kenner des Islam genoß Bergsträsser Weltruf. Zu seinen großen Jahr für Jahr bewundernswert reifenden Plänen gehört ein vollständiger moderner Apparates criticus zum Koran. Die Vorarbeiten waren bei größter Akribie schon weit gediehen. Als letzte Frucht dieser Arbeiten veröffentlichte er in den . @SSfe<^ÄÄbl-v>r^ PREIS WÜRDICE MÜNCHNER TUCHHAUS ISONNENSTRASSE 8 IM PHÖBUSPALAST DAS

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