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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-08-15 · 16 (15.8.1933) · p. Seite 247

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
16 (15.8.1933)
Date
1933-08-15
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 247 Arbeit der Hand' der Arbeit des Kopfes nicht 'gleichwertig sei, und wir müsseh unsere besten Jugendlichen dazu verwenden, damit sie in der Lage sind, als Pioniere unseres Nachwuchses voranzugehen... Die wirtschaftliche Entwicklung wird den Reichtum, den man uns nachgesagt hat, und der nur auf eine ganz dünne Schicht zutraf, immer mehr verschwinden lassen. Die große Masse wird wieder, zum Handwerk, zum Kleinhandel und zu all den Berufsgruppen zurückgreifen müssen, die wir durch die Zeit für überholt gehalten haben. Für den jüdischen Handwerker haben wir durch unsere Organisation die Grundlage dafür geschaffen. Aber darüber hinaus ist in den letzten Tagen noch ein Zusammenschluß des jüdischen Mittelstandes. erfolgt, der seine Hauptaufgabe darin sehen miuß, das Schicksal seiner Existenz in eigene Hand zu nehmen---- Wir müssen uns frei machen von dem Gedanken, daß der Großkaufmann, der Bankbeamte, der Akademiker eine (bevorzugte Stellung im Berufsleben einnehmen, und wir müssen auch hier — es sei einmal gesagt — gleichschalten die gesellschaftliche Achtung vor allen Berufen. Wird dieses Ziel erreicht werden, dann wird auch die ganze Berufsumschichtung in ihrem Endergebnis zu dem gelangen, wozu sie vorgenommen wurde: Änderung der wirtschaftlichen Struktur der deutschen-Juden und freudiges Bejahen aller Berufe von Kopf und Hand." II. Eine ähnliche Entfremdung wie. vom Handwerk ist auch von der h a u s w i r t s c h a f 11 i c h e n T ä t i g - keit im fremden Haushalt festzustellen. Dabei ist es auffallend, daß trotz größter Arbeitslosigkeit in allen Ländern der Beruf der Hausgehilfin der . einzige ist, in dem nicht nur offene Stellen im Ausland zu haben sind, sondern für den trotz strengster Sperre für alle anderen Arbeitsgelegenheiten, Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis anstandslos erteilt wird. Wir entnehmen den sachverständigen Ausführungen über „Jüdische Hausangestellte" (ebenfalls aus der letzten Nummer des Berliner Gemeindeblattes, Juli 1933; Seite 218) folgendes: Bei allen Arbeitsuchenden, die jetzt den Versuch machen, den Beruf der Hausgehilfin zu ergreifen, bestehen zunächst einmal phantastische Vorstellungen von. dem, was von ihnen im Haushalt verlangt werden könnte. Die Arbeitsleistungen, denen sie sich nicht gewachsen fühlen, oder von denen sie glauben, daß sie sie körperlich nicht bewältigen können, sind: große Wäsche, Fensterputzen, Teppichklopfen und häufig auch Kochen. Beim Arbeitsnachweis bemüht man sich zunächst, diese Vorstellungen auf ein gebührendes Maß zurückzuschrauben, klärt durch Vorträge über gute Waschmittel, Staubsauger, über die Einfachheit der modernen Lebensweise und die damitzusammenhängende Küche auf. Besonders schmerzlich und schwierig ist es für die anderweitig vorgebildeten und tätig gewesenen Mädchen, durch Annahme einer Stellung im Haushalt auf die ihnen als Angestellte und Arbeiterinnen in stärkerem Maße feststehende Arbeitszeit und die damit verbundene tägliche Freizeit zu verzichten. Aus diesem Grunde bemühen sich die meisten von ihnen um Tagesstellen. Dieser Entschluß ist von vornherein völlig verfehlt, denn Tagesstellen werden erfahrungsgemäß nicht besser entlohnt als Vollstellen, und der Bewerberin erwachsen dadurch Ausgaben (Fahrgeld, Wäsche, eventuell Zimmer), die bei einer Vollstellung in Wegfall kommen. Hier könnte die Hausfrau helfend eingreifen, indem sie der Hausangestellten von vornherein mehrere Abende in der Woche zur freien Verfügung überläßt. Die Kategorie von Mädchen, die, früher in guter wirtschaftlicher Lage, zwar ihrer Situation und ihren Kenntnissen nach im Haushalt unterzubringen wären, auch unterkommen möchten, aber nur einen bestimmten Zweig des Haushalts übernehmen wollen — meistens interessieren sie sich nur für alleinstehende Leute oder kleine selbständige Haushaltungen —, werden durch diese starke Einschränkung ihres Wirkungskreises kaum noch vermittlungsfähig. Die meisten Mädchen fürchten zunächst, im Haushalt eine untergeordnete Stellung im Kreise der Familie einzunehmen. Sie legen daher größten Wert auf Familienanschluß. Hier wäre es Sache der Hausfrau, dem Mädchen eine gewisse jnoralische Sicherheit zu geben. Auch hier sind die Vorstellungen unangenehmer, als die Praxis zeigt, denn auch das Mädchen wird meist glücklich sein, nach der Arbeit einige Stunden für sich zu haben und von dem eventuellen gebotenen Familienanschluß nur wenig Gebrauch machen. Gegen ältere Mädchen herrscht oft ein unberechtigtes Vorurteil. Es ist zu überlegen, ob es . nicht vielleicht sogar vorteilhaft wäre, einen älteren Menscheneinzustellen. Der ältere oder alternde Mensch, der die Welt nicht mehr so offen sieht, ist meistens bescheidener und beständiger. Welche Aufstiegsmöglichkeiten existieren für die Mädclien/ die einen Beruf im Haushalt ergreifen? Einmal kann das Mädchen eine solche Stellung als nicht immerwährende gesunde und normale Vorstufe für den eigenen Haushalt betrachten. Das, was sie wirklich im Haushalte lernt, kann sie jederzeit verwerten. Zweitens kann sich ein fähiges, gewandtes und fleißiges Mädchen so heraufarbeiten, daß es in irgendeiner jüdischen Institution — Krankenhaus, Altersheim, Waisenhaus — einen gehobenen Küchenposten bekleiden kann. Gutes Hauspersonal findet immer sein Auskommen. Lehrjahre sind aber keine Herrenjahre, und alle, die heute derartige Posten bekleiden, haben auch ganz klein anfangen müssen. Viele Mädchen bemühen sich nun, in Schnellkursen hauswirtschaftliche Kenntnisse zu erwerben, weil sie annehmen, dann bald einen gehobeneren Posten bei höherem Gehalt bekleiden zu können. All denen sei gesagt, daß diese Kurse nur Anfangsgründe lehren können, daß sich aber wirkliche hauswirtschaftliche Tüchtigkeit nur durch regelmäßige Übung in täglicher Praxis erreichen läßt, die man sich am besten im normalen Familienhaushalt an- Berücksichtigen &i ^ie die Inserenten unseres Blattes!

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