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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-08-15 · 16 (15.8.1933) · p. Seite 246

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
16 (15.8.1933)
Date
1933-08-15
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 16 noß — nicht nur beim Publikum, sondern auch bei Behörden, Richtern und Kollegen — entsprach solcher Gesinnung und Betätigung. Hätte er die in seinen beruflichen Fähigkeiten und in seinem Ruf liegenden Erwerbsmöglichkeiten eigennützig ausgeschöpft, so wäre seine Praxis leicht um ein Vielfaches größer gewesen, als sie es gewesen ist. Aber er hat bewußt darauf verzichtet, weil er sich verpflichtet fühlte dem Gebot der „G'milLuth chesed", der edlen hilfreichen Güte. Bescheiden und schlicht, wie er war, hätte er sich bestimmt verbeten, als Zeuge für wahrhaft tüchtiges Sachwaltertum der Öffentlichkeit präsentiert zu werden. Sein Tod aber gibt uns die Berechtigung, auf dieses Anwaltsleben, das noch nach seinem Ende durch seine vorbildliche Kraft sich nützlich erweist, hinzuweisen. Hinzu- Prakfische Wirfschaffs- und i. Die deutschen Juden der Gegenwart, von dem Zugang zu den freien Berufen plötzlich abgedrängt, sehen sich unvermittelt in die Zwangslage versetzt mehr wie bisher sich mit den Aussichten des Handwerks berufs zu beschäftigen. Die Tragik 'besteht nur darin, daß die Notwendigkeit zu dieser Umstellung in einer im allgemeinen für das Handwerk denkbar ungünstigen Situation entstanden ist. Es zeigt sich jedoch bei näherer Überlegung, daß diesen Widerständen zum Trotz die Beherrschung eines Handwerks über den augenblicklichen Nutzeffekt hinaus zu einem persönlichen Sicherheitsgefühl verhilft ähnlich wie der sichere Gebrauch fremder Sprachen. Wie es zu der großen Vernachlässigung des Handwerkes durch die deutschen Juden in den letzten Jahrzehnten gekommen ist, weiß jeder. Als die Juden in Deutschland noch in bescheidenen Verhältnissen lebten, waren in allen Gemeinden Handwerksmeister vorhanden, die in Stadt und Gemeinde Achtung und Ansehen genossen. Mit dem allgemeinen Aufstieg der Wirtschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als Industrie und Handel einen ungeahnten raschen Aufschwung nahmen, wurde es besonders auch bei den Juden üblich die kleinen Gemeinden zu verlassen, die Kinder „höheren" Berufen zuzuführen und sie für die akademische und kaufmännische Laufbahn vorzubereiten. Hand in Hand damit 'ging eine zunehmende Minderbewertung des Handwerksberufes. Wir alle sind schuldig an diesem Dünkel, der sich jetzt so bitter rächt. Der Vorsitzende des Zentralverbands der jüdischen Handwerker Wilhelm Marcus nimmt in einer der letzten Nummern des Berliner Gemeindeblattes (Nr. 7, Juli 1933) zu diesen Fragen ausführlich Stellung und erörtert im besonderen die Frage: „Sind wir zur Berufsumschichtung innerlich reif?" Er führt zum Schluß folgendes aus: Weisen in einer Zeit, die ganz besonders eines solchen Zeugnisses bedarf. Denn das deutsche Judenproblem, im besonderen das Anwaltsproblem, kann nicht gelöst werden solange ein von Affekt getrübtes Bild des Juden, des jüdischen Anwalts der Öffentlichkeit vor Augen steht. Dieser nsieh'tarische Anwalt war kein gewöhnlicher Anwalt. Sein Bild ist nichtsdestoweniger repräsentativ. Denn Elias Straus' Wesen war beste deutsch-jüdische Mischung und legt Zeugnis ab mindestens dafür, daß die Mischung deutsch-jüdisch nicht schon . als solche und schlechthin schädlich und verdammenswert ist. Wer den deutschen Anwaltsstand wohl will, vermag wahrlich nicht, ihm besseres zu wünschen, als daß recht viele seiner Angehörigen an sittlicher und geistiger Tüchtigkeit dem nichtarischen Rechtsanwalt Elias Straus gleichkämen. S; F. Berufsfragen der Gegenwarf „Ich glaube, daß das innerliche Verhältnis zu dieser Umstellung noch nicht gefunden worden ist, ich glaube, daß viele nur zu uns kommen, um die Not des Augenblicks zu bannen und ihre Kinder beruflich unterzubringen in der stillen Hoffnung, daß über kurz oder lang doch Ereignisse eintreten könnten, die es den jungen Menschen möglich machen, sich wieder dem Studium oder ähnlichen Berufen ziü widmen. Ich glaube, dieses muß offen ausgesprochen werden, denn es wäre ein Unrecht, unserer Jugend einzureden, daß diese Berufsumschichtung 1 nur eine vorübergehende sein würde. Mögen die Verhältnisse der deutschen Juden sich in der Zukunft auch noch so günstig gestalten, daß die bisherige' Beruf Schichtung nicht mehr erträglich ist, dürfte allen klar sein, und daher muß auch die Wandlung von innen heraus geschehen. Ich möchte in dieser Frage nicht mißverstanden werden und will mich nicht etwa auf den Standpiuiikt stellen, daß nur eine Volkssehulbildüng notwendig sei, und daß der Besuch der höheren Schule für'unsere Jugend nicht mehr angebracht wäre. Im Gegenteil, wer einen Begriff von der Vielseitigkeit des Händwerks hat, wird wissen, daß sowohl in der heutigen als auch in späterer Zeit sich nur derjenige in seinem Handwerkertoeruf bewähren wird, der durch gute SchulundLehfausibildung das Beste zu leisten vermag. Wir sehen in nichtjüdischen Kreisen,' wie sehr der Nachwuchs des Handwerks gepflegt wird, wir sehen in diesen Kreisen, ziu welchem hohen Ansehen und zu welcher Anerkennung die Menschen gekommen sind, die verstanden haben, gerade das Handwerk in so vollendeter Weise zu vertreten, und daß in diesen Kreisen die Hemmungen, die bei uns vorhanden waren und wohl auch noch vorhanden sind, niemals eine Rolle gespielt haben. Wollen wir also eine gesunde und vernünftige Beroifsümischichtung erreichen, so wird außer der manuellen Handfertigkeit' des Betreffenden immer die innere Einstellung eine große Rolle spielen. Wir müssen uns frei machen von dem Glauben, daß die Weiße Zähne Reiner Atem: Bi ZAHNPASTA mit biologischer Sauerstoff' Wirkung

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