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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-08-01 · 15 (1.8.1933) · p. Seite 231

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
15 (1.8.1933)
Date
1933-08-01
Page
Seite 231 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15 Bayerische Israelitische Gemeindezeirung 231, Vorzügliche Betten und freudigen fÜAItof am Poof in seltener Vollkommenheit UIBIISI all! baSl finden Sie im ■►Hotel Bayerischer Hof Augsburg Schulen zurück, selbst auf die städtisch-bürgerlichen, für die im übrigen die (z. T. mangelnde) Verbindung mit dem arbeitenden Palästina ein schweres (im Rahmen dieses Aufsatzes nicht darstellbares) Lebens- und Berufsproblem ist. Es kommt hinzu, daß die vielfach gezüchtete Primitivität des neuen palästinensischen Typs, seine angeblich gesunde Unproblematik, die nicht einmal immer von der Not des jüdischen Volkes in der Diaspora wirklich innerlich weiß, für religiöse Erschütterung oder auch nur Interessiertheit kein sehr geeigneter seelischer Boden ist. Eines der Grundmotive der religiösen Haltung, wie es, gegen Epikur und Spinoza, von Kjerkegard und Heidegger wieder neu herausgestellt worden ist, ist die Angst, nicht: die Furcht vor etwas, sondern die Angst in etwas, die Ehrfurcht, Goethes „Schaudern". Dieses Grundgefühl fehlt dem palästinensischen Jugendlichen aller Gruppen in den meisten Fällen. Und wenn es neben diesem Allgemeinen ein besonderes Motiv jüdischer Religiosität gibt, das immer wieder die Existenzberechtigung des eigenen Volkes nicht fraglos als gegeben hinnimmt, sondern an einem überseinsmäßigen Maßstab mißt — so fehlt auch dieses urjüdische Grundgefühl fast immer. Man fragt gerade nicht, warum und wozu man Jude ist, sondern man geht vom Judesein als einer selbstverständlichen und selbstgenügsamen Naturtatsache aus. Was nun das engere Gebiet des eigentlich Traditionellen anlangt, das potentiell sicher die Kraft hätte, jene allgemein religiöse und spezfisch jüdische Haltung immer wieder aufzurufen, so muß die heutige Empirie als dieser Möglichkeit beinahe entgegengesetzt bezeichnet werden. Wenn ich wieder eine persönliche Erfahrung erwähnen darf: einen nicht gesuchten aber faktischen Einfluß meiner persönlichen traditionellen Haltung konnte ich bisher im wesentlichen nur bei solchen Schülern beobachten, die politisch zugleich zum Revisionismus neigen. Hier vollzieht sich eine vorschnelle Amalgamierung zwischen den an der Oberfläche liegenden partikularistischen und einer chauvinistischen Deutung fähigen Schichten der Thora einerseit und dem Vulgärnationalismus andererseits, während ihr tiefster menschlicher und menschheitlicher Herzton noch unhörbar bleibt, freilich auch auf dem Umweg dieser direkten Annäherung einmal erlauscht werden mag. IV. Ergebnisse und Ausblicke Die letzten Darlegungen haben uns den Zusammenhang mit den Problemen des Unterrichtes zwar nicht verlieren lassen, uns aber doch weit ins Erzieherische und Weltanschauliche hineingeführt. Die hier nicht ausdrücklich erörterten Unterrichtsfragen, die der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer einerseits, des Arabischen und der europäischen Fremdsprache(n) andererseits stehen zu dem gesamten, hier nur andeutbaren System von Prinzipien in mehr oder minder direktem Bezug. Es ließe sich eine Schule der Zukunft denken, die aus den hier geschilderten Gefahren und Schwierigkeiten ihren Weg in folgender Richtung sucht: Die naturwissenschaftlichen Fächer werden um das Zentrum der palästinensischen Landeskunde herumgelagert; Geschichte mit Gegenwartskunde und palästinensischer Staatsbürgerkunde abgeschlossen; Arabisch als lebende Umgangssprache (also nicht als Schrift- und Literatursprache) gelehrt; Englisch als einzige europäische Fremdsprache zum Fenster nach Europa ausgebaut, und all dies um einen jüdischen Humanismus herumgeordnet, der, bewußt undogmatisch und unorthodox, wenn auch eben so bewußt traditionell den Talmud und die Welt des jüdischen Mittelalters wieder in ihren natürlichen Rang hebt und dadurch auch der Sprache ihr Gewicht, der Literatur ihren Inhalt zurückgibt. Die Durchführung eines solchen Planes, der in klarer Beschränkung auf wenige Hauptpunkte und mit Hilfe der modernsten Methoden zur Rationalisierung des Lehrens und Lernens, Zeit und Kraft für gleichzeitige handwerkliche Ausbildung oder landwirtschaftliche Ferienarbeit lassen müßte, mag utopisch anmuten und liegt gewiß noch in weiter Zukunft. Seine selbst schrittweise Verwirklichung aber könnte berufen sein, über das Gesicht des neuen jüdischen Palästinas mitzuentscheiden. Körpericulfur und Sport bei den Juden Zusammengestellt von Sieg Einstein,Sport wart in München Es wäre ein Mißverständnis, wenn jemand annähme, hier sei aus den alten Aufklärungs- und Abwehrmotiven der Anteil der Juden an großen Sportleistungen aufgezählt. Diese Motive der Apologie und Aufklärung waren auch früher nicht sehr glücklich und sind jetzt vollends sinn- und. zwecklos geworden. Früher entsprangen sie dem gut gemeinten Willen, der Umwelt das jüdische Wohlverhalten zu beweisen. Man wollte zeigen, man habe dem Vaterland, der Öffentlichkeit gegenüber dasselbe Maß von nützlichen Diensten und Kulturleistungen aufzuweisen wie die nicht-jüdischen Volksteile. Der persönlichen Unangefochtenheit unter einer guten gesetzmäßig regierenden Obrigkeit mögen in der Tat derartige Nachweise gute Dienste getan haben. Heute ist die Aufzählung der jüdischen Nobelpreisträger oder Frontkämpfer genau so gegenstandslos, ja wohl auch nicht ganz würdig, so wenig wie sonstige statistische Nachweise über unseren deutschen Kulturanteil. Anders verhält es sich mit unserer innerjüdischen Selbstbestätigung und mit der Aufgabe, unserer Jugend zu zeigen, daß die gegenwärtige Diffamierung und Disqualfizierung der Juden sachlich unbegründet ist. — Die nachstehende Zusammenstellung unseres Münchener jüdischen Sportwarts wendet sich also ausschließlich an unsere jüdische Jugend, sie hat weder kulturhistorische Ambitionen noch Abwehr- und Aufklärungstendenzen. Red. Das Volk der Juden, das sich erst nach langen und schweren Kämpfen in Palästina festsetzen konnte, benötigte, um. sich auch später gegenüber seinen Nachbarvölkern erfolgreich zu behaupten ,eine Jugend, welche kampfgeübt und körperlich, gestählt war. Ebenso wie bei den anderen Völkern, lebten in seiner Erinnerung die Helden fort, welche durch Mut und Kraft Feinde abgewehrt hatten. Gideon, David, Simson. und vieler anderer gedenkt die Bibel und ihre Taten ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Juden, wo immer von Erziehung und Wehrhaftmachung gesprochen wird. In vielen Kämpfen der Richterzeit und der Zeit der Könige bis zu den Kriegen der Makkabäer hat die jüdische Jugend den Beweis ihrer Tapferkeit unabstreitbar erbracht. Nach Josephus Flavius war im Heere Alexanders d. Gr. ein Jude der beste Bogenschütze und es geht ferner aus noch früheren Papyrusrollen des vorchristlichen 5. Jahrhunderts hervor, daß eine jüdische Militärkolonie in Elephantine bestand, welcher der Schutz der ägyptischen Grenze des Perserreiches oblag. Auch wird von der Geschicklichkeit jüdischer Bogenschützen berichtet, die den Vogel im Fluge derart abschoßen, daß der Flügler „koscher" ward. Die jüdische Sportgeschichte beginnt bereits im Jahre 174 v. Chr., als unter dem Hohepriester Jason, allerdings unter dem Widerstande großer Teile des Volkes, das erste Gymnasium in Jerusalem erstand. In allernächster Nähe des Tempels befand sich die Körperschule und die Übungen wurden, wie da-

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