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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-08-01 · 15 (1.8.1933) · p. Seite 232

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
15 (1.8.1933)
Date
1933-08-01
Page
Seite 232 (sequence 8)
Language
German
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232 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 15 mals üblich, nackt getrieben. Um 31 v; Chr. gründete Herodes in allen Städten Palästinas Stadien. Als in der spätrömischen Zeit in den Theatern und im Zirkus die „römischen Spiele" auch in Palästina Einzug hielten, verboten die Priester die Teilnahme daran und später wurde auch deren Besuch untersagt. Trotz dieser Verbote konnte sich das jüdische Volk auf die Dauer dem Einfluß der Umwelt nicht entziehen und Josephus Flavius überlieferte zum ersten Male einen Namen, den „Juda ben Jehonsadab", der nach der Uberlieferung der hervorragendste Springer seiner Zeit gewesen sein muß. In Alexandrien befand sich nach den Berichten der Quellen ein Gymnasium, und die jüdische, Körperertüchtigung treibende Jugend schloß sich dort dem Weltsportverband „Herakles" an. Daß die erwähnten Verbote nicht rigoros durchgeführt oder überhaupt als sportfeindlich zu betrachten waren, geht schon daraus hervor, daß der Talmud von den Eltern fordert, ihre Kinder zu körperlicher Ertüchtigung zu erziehen. Ja selbst unter den Gelehrten der Talmudzeit findet, sich ein ehemaliger Gladiator: Simon ben Lakisch. Durch gesetzgeberische Maßnahmen wurde dem Schwimmsport ganz besondere Pflege zuteil. War doch dem jüdischen Vater auferlegt, seinen Sohn das Schwimmen zu lehren und wiederum berichtet Flavius von seinem Schiffbruch im Adriatischen Meere, nach dem sich die Besatzung von 600 Mann, größtenteils Juden, die ganze Nacht schwimmend über Wasser gehalten haben, bis am anderen Morgen Hilfe kam. Also eine ganz respektable Leistung! „Wer gesund sein will und frei von inneren Krankheiten, der gewöhne sich daran, regelmäßig Sommer wie Winter ein Schwimmbad zu nehmen." Diesen Grundsatz vertraten die Lehrer des Gesetzes. Der Kirchenvater Hieronymus berichtet, daß in allen palästinensischen Dörfern und Städten schwere runde Steine niedergelegt waren, an welchen sich die Jugend versuchen sollte. In späterer Zeit, als Wettkämpfe zwischen den Juden und Samaritern aufgenommen wurden, soll es Juden gegeben haben, die mit den übrigen Sportenthusiasten den Sport als Allheilmittel betrachtet haben. Auf die außerordentliche Beliebtheit der Leibesübungen ist zu schließen aus einem im Talmud ausgesprochenen Verbote der Leibesübungen am Sabbath „wegen drohender Sabbathentheiligung". In der Diaspora, also nach dem Verluste der staatlichen Selbständigkeit, wurde im Judentum der Sinn für Körperkultur und Heldenhaftigkeit erhalten; reich ist die Geschichte in Persien an Episoden von körperlicher Kraft und Mut jüdischer Helden. So wird besonders von den beiden früheren Webergesellen ..Anilay und Asinay" berichtet die mit eigenem Heere einen kleinen Staat am Oberlauf des Euphrat gründeten und von König Artaban III. sehr begünstigt wurden. Nicht mehr vorhanden sind Zeugnisse körperlicher Ertüchtigung bei den Juden in Spanien, aber die Tatsache, daß bei der Eroberung Spaniens durch die Araber Juden in deren Heere dienten, läßt doch darauf schließen, daß auch die Juden in Soanie.n die Erziehung ihres Körpers nicht ganz außer acht ließen. Hier war es der große „Maimonides", der sich zum entschiedenen Anwalt für Leibesübungen bekannte. Salomo ibn Vergas macht in seinen bekannten ..Schebet Tehuda" die Bemerkung, daß durch die Ausbildung der iüdischen Jugend in Palma befürchtet wurde, „sie könne die Ermordung der Christen zum Ziele haben"! In Deutschland hatte die DOÜtische Stellung der Tnden ihre vollkommene Teilnahmslosigkeit für irgendwelchen Snort nach sich gezogen. Die Responsen der mittelalterlichen Rabbiner haben sich gegen jede solche Betätigung ausgesprochen, wenn sie auch nicht schlechthin als sportfeindlich oder als Verdikt gegen jede körperliche Betätigung betrachtet werden können. Wir hören bereits im Jahre 1470 aus Augsburg, daß an den deutschen Sportkämpfen jüdische Sportler teilgenommen haben. 1509 tut sich der getaufte Jude Ott, der Verfasser eines bekannten Ringerbuches, als Ringer ganz besonders hervor. Jedoch erst in der Neuzeit setzt eine planmäßige Beteiligung der Juden am Sportleben ein. Das moderne „Muskeljudentum" macht sich zuerst im „Boxe n" bemerkbar, in jenem Sportzweige, wo es am allerwenigsten für den Außenstehenden zu erwarten war und gerade in diesem Sport haben bis zur allerneuesten Zeit die Juden oft den Siegeslorbeer an sich reißen können. 1769 wird ein jüdischer Boxer Lyon in England genannt. Es war dies in den Anfangszeiten des sportlichen Faustkampfes, als er noch der Kampf der Kämpfe war. Der Kampf der Fäuste, der bloßen Fäuste. Ein Kampf ohne viel Regeln bis zum Niederschlag, unbegrenzt in seiner Rundenzahl. Nur der Mann allein galt zwischen den Seilen. Paraden und Stöße mußte er beherrschen, doch auch in allen Ringgriffen mußte er bewandert sein, denn diese waren ebenfalls erlaubt. Kraft, Mut und Ausdauer, gepaart mit Können und Geschicklichkeit, waren ebenso notwendig wie Zähigkeit und Abwägungsvermögen, den Gegner zu fassen und richtig beizukommen. Ein Kampf der Kämpfe! Da trat im Jahre 1784 Daniel M e n d o z a zum ersten Male in den Ring und zwar im Mutterlande des Boxsports, in England. Schon einige Jahre später ist der Jude englischer Champion und kurz darauf Weltmeister, übrigens der einzige jüdische Schwergewichtsmeister bis heute. Noch mit 43 Jahren, also in einem Alter, das im modernen Sport als längst „Zeit vorbei" betrachtet wird, gelang es Mendoza nach 53 (!) Runden seinen jungen Herausforderer Lee in einem „come back" zu besiegen. War der Boxkampf bis zur Zeit Mendozas ein Kampf der unbegrenzten Rundenzahl, so wurden unter Mendozas Führung Regeln und Vorschriften festgelegt und eben diese von ihm herausgegebenen „Boxregeln" bilden den Grundstock für den modernen Faustkampf. Mit 57 Jahren ging Mendoza nochmals in den Ring, mußte aber erkennen, daß es auch für ihn ein „Zeit vorbei" gab und daß er jüngeren Talenten das Feld räumen mußte. England gedenkt seiner in der Chronik mit den Worten: „Daniel Mendoza one of the most elegant and scientific boxers recorded in the annals of pugilism". Samuel Elias, genannt „Dutsch Sam", war als leichter Mittelgewichtler fast ebenso bekannt wie Mendoza. In den Jahren 1801—1814 schlug er alle Schwergewichtler, welche sich mit ihm messen wollten. Von jüdischen Schwergewichtlern sind noch besonders zu nennen: Joe Chovnski, der als Einziger Jack Johnson, den riesigen späteren Weltmeister „knock out" schlagen konnte. Die leichteren Klassen sind noch recht gut mit Weltmeistern jüdischen Blutes .besetzt. In den letzten Jahrzehnten war der Leichtgewichtsmeister Benny Leonhardt bekannt und wegen siner Ausdauer und Schlagkraft gefürchtet. Den Halbschwergewichtstitel hält im Augenblick Maxie Rosenbloom. Isaak belegte im Tahre 1928 in Amsterdam den 3. Platz im Federgewicht. Francis Charles, eigentlich Manasse, war französischer Meister im Halbschwergewicht. Schluß folgt. Modellhaus Adolf Rothschild Mein Som mer-Saisonschluß-Verkauf bietet außergewöhnlich billige Gelegenheitskäufe, — Kostüme, Kleider, Mäntel, Pelze MÜnCnGn Samstag29.Ju!i bis einschließl. Freitag 4. August BfiGfUIGrSff. 52

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