Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 15 (1.8.1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 230 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 15 >i M ii m ii—W—ii=8«—i * i 1*1 M Ii M " Mt8 IDatnfc flagt um Jonathan von WTanfreb 0t«rmÄnn tDa8 ift mein ileben no4>, ba jener ftel! Hun mag es VTa^t fein, ba mein 3onatI>an, Xtlit bem id> teilte ttTannerfampf unb Spiel, ©efaüen ifi, unb bem vfy jugetan XOie einem annUingsbruber. %d>, er glict> Sem ttTorgenvmnb, ber von ben bergen **>el>r, Sem jungen Slovoen, ber jur Quelle £el>t, Sen Surft ju frillen, ru^n unb föniglic^. ÜDu i£rbe, bie fein 23lut tranf, fpenbe (Eau £7td>t mel>r, ba feine Cfugenb ftarb! Su <Cag, t>erge|> in 5infternt8, bu Xeben^ag, Wirf beine (Crauben ab, fei fa|>l unb grau! Von tym gefegnet war mir Cat unb Craum, £u jung btft bu, mein trüber, auesurulm. Ser ©türm rifj nieber einen jungen 23aum, fiarb ein l&bniQQUnb, bee weinet nun! #i—Mt ii Mt ii——* n=i * i=i * i—m—"—SB—ii—Ht ii W—1 son übersetzt. Es handelt sich zwar um ein ausgezeichnetes, modernes, auch weitgehend unparteiisches Werk, aber doch eben um das Buch eines christlichen Angelsachsen, für den z. B. die Kreuzzüge ein beinahe ausschließlich europäischchristliches und nur sehr nebenbei auch ein Ereignis der vorderasiatischen Geschichte sind. Ein auch nur halbwegs brauchbares Lehrbuch der jüdischen bis zur Gegenwart gibt es überhaupt nicht; ebensowenig bisher Geschichte von der Zeit der Geonim, also etwa 1000 n. Chr. einen Abriß der für Palästina so außerordentlich wichtigen orientalischen Geschichte. Diese letzte Lücke wird nun wohl bald, dank der Bemühungen der Hebräischen Realschule in Haifa, ausgefüllt werden; auf das Lehrbuch der jüdischen Geschichte aber werden wir wohl noch lange warten müssen. Eine paradoxe Situation! Und sie spiegelt sich auch in den Wertungsfragen wider, die beim Geschichtsunterricht eine so gewichtige Rolle spielen.1 In einer Aussprache über diese Dinge mit meinen Schülern wurde z. B. die Mitteilung gemacht, daß bei der Durchnahme der Perserkriege die unwillkürliche Sympathie der Klasse auf Seiten der Griechen gewesen sei, obwohl doch bei diesem universal-historisch entscheidenden Zusammenstoß zwischen Okzident und Orient (freilich nicht: zwischen Arier und Semiten, denn beide Partner sind ja Arier) das Umr gekehrte für einen Palästinenser natürlicher erschienen wäre. In demselben Gespräch kam ein zweites Wertungsproblem zur Sprache, das gegenüber dem europäischen Normalzustand seltsam vertauschte Fronten zeigte. Während in Europa die Schule, trotz aller Reformen, immer wieder den mehr oder minder autoritativen Versuch macht, die Schüler für eine bestimmte nationale, religiöse oder Klassenhaltung zu gewinnen, ein Versuch, der von den Schülern meist nicht ohne Opposition aufgenommen wird, war es in unserem Falle umgekehrt: eine Gruppe von Schülern verlangte dringend stärkere Beeinflussung 1 Ich habe ihre prinzipielle Klärung versucht in meinem Buche „Das Werturteil im Geschichtsunterricht", Teubner 1931. und Führung, bewußte Herausarbeitung der jüdischen Kulturwerte unter Zurückstellung der europäischen usw. Man klagte darüber, daß die Schule zwar Wissen, aber weder Zionismus noch Judentum vermittele, daß z. B. die geistige Beziehung zu Faust, die gefühlsmäßige etwa zu Nelson weitaus lebendiger seien, als die zu entsprechenden Männern der jüdischen Vergangenheit, etwa zum Baal Schern. Eine Ausnahme machten lediglich die Helden der ersten biblischen Periode. Das hier vorliegende Problem ist natürlich nicht durch die Erfüllung jener primitiven Schülerforderung nach „Tendenzunterricht" oder ,&esinnungsunterricht" zu lösen. Seine Wurzeln liegen darin, daß die geistigen Führer des jüdischen Mittelalters, das ja erst in der Degeneration des Chassidismus sein Ende fand, dem palästinensischen Schüler eben tatsächlich fremder sind, als Josua und Nelson einerseits, und Faust ande- ' rerseits. Der Fortschritt liegt im erwachten Gefühl für das Unbefriedigende dieses Zustandes, nicht in der angebotenen Lösung. Die wahre Lösung kann vielmehr nur in eben jener tiefen inneren Wandlung gesucht werden, von der wir am Ende des vorigen Abschnittes sprachen. III. Religion Eigentlichen „Religionsunterricht" in europäischem Sinne gibt es in Palästina nicht, auch nicht an den Schulen des Misrachi, die im übrigen, wenn auch mehr stofflich als geistig, das mittelalterliche Judentum deutlich ins Zentrum rücken. Die Situation für ernste religiöse Tradierung, Belehrung und Aussprache ist im heutigen Palästina denkbar ungünstig, und zwar noch mehr durch Schuld der Orthodoxie als durch die ihrer Gegner. Das unheilvolle Bündnis der politischen Orthodoxie mit der sozialen Reaktion, das sich gerade in .letzter Zeit wieder in den Beschlüssen des Jerusalemer „Schomrei-Schabbath-Kongresses" manifestiert hat, bringt die Vertreter des traditionellen Judentums in einen immer unheilbarer werdenden Gegensatz mit der legitimerweise (noch!) im Lande führenden Schicht, mit der jüdischen Arbeiterschaft. Das wirkt natürlich auch auf die