Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 14 (15.7.1933)
- Date
- 1933-07-15
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr.14 Dom. Längst ist das Gespräch zwischen Synagoge und Ekklesia zu Stein geworden. Die Bewahrung eines gotterwählten Restes Israels deuten wir anders als der gläubige Christ; gewiß versagen hier „historische" oder ..soziologische" Erklärungen. Wir wissen es nicht, wozu wir aufbewahrt sind. Vielleicht eine gemeinsame, unmißverständliche Überzeugung zwischen Juden und Christen läßt sich doch auch in dem Glaubensstück von der „Kirche aus Juden und Heiden" entdecken: Zu XI. 20 sagt Peterson (S. 61 f.): „Verlierst du (der Christ) Jüdische Zu der neuen Sammlung In einer noch gar nicht weit zurückliegenden Vergangenheit durchflutete eine auf religiöser Grundlage ruhende jüdische Hausmusik das tägliche Leben ebenso des Ghettojuden, wie noch heute die Familie des frommen Juden in Ost und West. Welch seelische Wirkungskraft schon von-altersher dem Gesänge zuerkannt wurde, dem Gesänge sowohl in der Synagoge wie im Hause, das mögen, statt vieler anderer Literaturnachweise, folgende eindringlichen Worte aus dem Sefer chassidim des Juda hachasid (Regensburg, 13. Jahrhundert) bezeugen: „Wenn du dich nicht zum Gebete sammeln kannst, so suche nach Melodien und wenn du betest, so bete in einer dir angenehmen Melodie. Dann wird dein Herz fühlen, was dein Mund spricht; denn der Gesang ist es, der das Herz empfänglich macht, der das Herz erfreut, auf daß dein Mund sich fülle mit Liebe und Freude zu dem, der in dein Herz sieht und du ihn lobest mit Inbrunst und Ehrfurcht." Diese vom Schimmer der Heiligkeit umworbene synagogale Musik und jüdische Hausmusik hegt und pflegt der gläubige Jude mit leidenschaftlicher Glut, denn er liebt sie mit allen Fasern seines empfindungstiefen Gemüts. Diese Liebe vergilt sie ihm aber auch tausendfach schon dadurch, daß sie ihn weit, weit über die jämmerliche Alltäglichkeit erhebt, daß sie seine Zuversicht, seine Widerstandskraft stählt, wenn schwere Heimsuchungen, wenn Kummer und Sorge das Leben umdüstern und bedrohen. Da erschien denn kürzlich, gerade zu rechter Zeit, im Verlage von M. Leßmann, Hamburg, unter dem Titel „Jüdische Klänge" eine Sammlung von 83 Liedern, wie sie soeben als synagogale — und jüdische Hausmusik charakterisiert worden sind. Leon Kornitzer, der bekannte Hamburger Oberkantor und erfolgreiche Komponist, der seit sechs Jahren die im „Israelitischen Familienblatt" erscheinende Musikbeilage redigiert, hat aus dem angesammelten reichen Material eine zweckmäßioe Auswahl getroffen und diese in einem schön ausgestatteten Bande zusammengefaßt, um' „jüdischen Menschen in jüdischer Art, in jüdischem Gefühlsausdruck" jüdische Musik darzubieten. deinen Glauben, dann bist du weniger als ein Jude. Verlierst du deinen Glauben, dann sinkst du wieder in die Verwilderung deines Heidentums zurück .... Der Jude, der nicht an Christus glaubt, gehört doch immerhin noch zu dem edlen Ölbaum Gottes. Die Worte des heiligen Paulus erfahren eine furchtbare Bestätigung in der Gegenwart. Die christlichen Völker, die ihren Glauben verlieren, verfallen in der Tat in einem Maße der Verwilderung und der Substanzlosigkeit, wie sie den Juden unzugänglich ist." Klänge von Leon Kornitzer Diese überaus begrüßenswerte, sorgsam! ausgewählte Sammlung enthält in vier Gruppen Gesänge: I. „aus dem öffentlichen Gottesdienst". Repräsentative Beispiele aus der Sabbath- und Festtagsliturgie, vom Autor teils selbst komponiert, zu anderem Teile in geschmackvoller, leicht ausführbarer Weise bearbeitet, bieten insbesondere kleineren Gemeinden schätzbares Material zur Verwendung im öffentlichen Gottesdienst. Teil II bringt Gesänge „für das jüdische Hau s", darunter 14 Vertonungen der Semiroß, 7 Melodien aus der Haggadah und 5 Versionen der Mooszur- Melodie. Im III. Teil: „Das jüdische Volkslied", das in unserer Zeit zu neuem, blühendem, Leben wiedererwacht ist, werden 14 besonders charakteristische Beispiele dargeboten, in denen die Empfindungen der ostjüdisohen Volksseele, ihre Leiden und Freuden zu ergreifendem Ausdruck gelangen. Der IV. Teil endlich enthält 17 „freie Kömpositionen", volkstümliche Gesänge zumeist im Charakter des ostjüdischen Volksliedes, denen teils hebräische, teils deutsche Texte unterlegt sind. Von der stattlichen Zahl der angeführten, mit leichter Klavierbegleitung versehenen Nummern sind 31 vom Herausgeber komponiert oder bearbeitet. Wie in diesen, so ist auch zumeist in den anderen Darbietungen das löbliche Streben deutlich wahrnehmbar, durch praktische Beispiele, durch ihre stilgemäße Bearbeitung den Beweis für das häufig umstrittene Vorhandensein eigenartiger, jüdischer Musik zu erbringen. Aber nicht nur aus diesem Grunde sei den interessierten Kreisen die Anschaffung der „Jüdischen Klänge'1 aufs wärmste empfohlen, sondern auch um deswillen, weil sie für den Musikunterricht an jüdischen Schulen, für den Gesangsunterricht an Religionsschueln, sowie für jüdische Veranstaltungen wertvolles und brauchbares Material in selten reicher Auswahl zur Verfügung stellen. München. E. Kirschner.