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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-07-15 · 14 (15.7.1933) · p. Seite 210

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
14 (15.7.1933)
Date
1933-07-15
Page
Seite 210 (sequence 2)
Language
German
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tage zusammenkommen, so geht das regelmäßige voran, oder die Zartheit gegen Dinge, die zur Zartheit gegen Menschen erzieht, wenn auf die Thora kein anderes Buch gelegt werden darf, wenn die Berches oder die Tefiiiin bedeckt bleiben, solange die Reihe noch "nicht an sie gekommen ist. Es ist sehr begrüßenswert, daß der Ansbacher Rabbiner Eli e Münk den Versuch einer Einführung in diesen unseren Erbbesitz gemacht hat mit seinem schönen Werke „Die Welt der Gebete, Kommentar zu den Werktags- und Sabbat-Gebeten nebst Übersetzung" (Hermon-Verlag, Frankfurt am Main, 5693/1933; Preis in gediegenem Leinenband 6.50 RM.). Er hat damit einen Anfang gemacht zur Lösung einer Aufgabe, die unendlichen Ertrag für die Vertiefung unseres religiösen Lebens bringen kann. Der Verfasser hat dieses Buch so geschrieben, wie es allein geschrieben werden konnte. Mit dem Tone eines gläubigen Beters. Er gibt uns reiche Belehrung, geschöpft aus den alten hebräischen Kommentaren, auch aus der Kabbala, und gleichzeitig verliert er nie aus dem Auge, daß er ein Buch der Seele auslegt, und nicht ein Buch des Verstandes. So erklärt er in freier Deutung die Haltung beim Gebet: „Die metaphysische Abgeschiedenheit wird dem Beter durch die fast übersinnliche Haltung, die er im Sinne des Talmuds bei der Tefilla einnehmen soll, schon äußerlich zum Bewußtsein gebracht. Wie es in jener Welt des rein Geistigen keine Bewegung gibt, denn solche erfordert Raum und Zeit, und auch keine Müdigkeit, die eine Folge zeitlicher Aktionen ist, so soll auch der Beter nicht ruhend sitzen, sondern aufrecht stehen und sich nicht fortbewegen. Mit geschlossenen Füßen soll er sein Gebet verrichten, um den Engeln zu gleichen, die in der höheren Welt Gottes Thron umrahmen. Keinen lauten Ton darf seine Stimme vernehmen lassen, denn nur der Gedanke herrscht hier noch, und kein Schall verbreitet sich mehr in der raumlosen Welt. Und wie endlich Moses, um an die Stelle zu gelangen „wo Gott war", drei Schichten durchschreiten mußte, Finsternis, Wolken und Nebel, so muß auch der Mensch erst durch drei Schritte sich an diese Stelle begeben. Zum Adon Olam, mit dem das Morgengebet anhebt, schreibt der Verfasser: „Gott ist der Höchste und Gott ist der Nächste. Je erhebender sich das eine dartut, desto inniger wird das andere von uns erfaßt und erlebt." „Gott ist mein", — das ist der lebendige Ausdruck der Herzlichkeit und Zuversicht, der innigste seelische Laut, der jenes einzigartige Verhältnis des Menschen zu Gott bezeichnet. Der Gott, zu dem sich unser Gebet, unsere Zuversicht erhebt, kann nur der persönliche Gott sein, der Gott, allmächtig in seinem Können, der uns liebt und unser Vater ist. Denn in Begriffen kann man nicht beten, in Definitionen und im Abstrakten kann man nicht hoffen. Das Buch ist lobenswert praktisch angelegt. Doch sind dazu einige Einschränkungen zu machen. Der Verfasser bringt viele hebräische Worte mit unvokalisiertem Texte, ohne sie zu umschreiben oder immer zu übersetzen. Dadurch wird das Buch leider für den des Hebräischen unkundigen Leser unbrauchbar, obwohl es seinem Inhalt und seiner Sprache nach gerade diesem viel geben könnte. Die Psalmen und andere Bibelstücke des Gebetbuches sind nicht erklärt; dadurch fehlt vieles vom Besten, was zu sagen gewesen wäre. Auch der Verzicht auf Worterklärung erscheint mir bedauerlich. Das Versprechen des Verfassers, sich nicht in homiletische Auslegungen zu verlieren, wird nicht ganz eingehalten, z. B. gleich in den einleitenden Ausführungen über die Gebetszeiten. Bei manchen Stellen, die in ihrem Inhalt angegriffen worden sind, ist die Verteidigung durch den Verfasser schwach, z. B. zu dem Segensspruch „Gelobt seist du, Gott, daß du mich nicht als Frau geschaffen hast", oder ausweichend z. B. zu dem Segensspruch, „Gelobt seist du, Gott, der dem Hahn Einsicht gab, zu unterscheiden zwischen Tag und Nacht". Diese Sätze lassen sich vollkommen befriedigend rechtfertigen, wie wir vielleicht ein andermal zeigen können. Ganz ungenügend ist die Bedeutung der „Väter" für unsere Religion zu dem ersten Segensspruch der Tefilla gewürdigt. Warum werden liberale Gelehrte, die so vieles gerade zur Geschichte unserer Gebete geleistet haben, nicht einmal genannt wie Zunz, Joel und Elbogen? Und noch eine letzte prinzipielle Bemerkung. Der Midrasch und auch die Kabbala haben fast immer recht mit ihren Erklärungen und Bemerkungen. Nur muß das, was sie eigentlich sagen wollen, ganz anders aus dem Gewand der Zeit, in das sie ihre Ideen kleideten, herausgelöst werden, um dem heutigen Menschen einzugehen. Hier liegt noch eine große Aufgabe gerade für unsere orthodoxen Autoren, die den Wert der Alten mit Recht so stark hervorheben. Das Werk wird dazu beitragen, wieder bekannter zu machen das unvergängliche Element alles jüdischen Seins: Israel betet. Die Existenz der Juden nach christlicher Glaubenslehre Erik Peterson, Die Kirche aus Juden und Heiden. Bücherei der Salzburger Hochschulwochen Bd. II. Salzburg (Verlag von Anton Pustet) 1933. Brosch. 2.20. Die Kapitel 9—11 des Römerbriefes des Apostels Paulus enthalten die dogmatischen, also unabänderlichen christlichen Anschauungen über die Stellung der Juden in der Welt im göttlichen Heilsplan, über die Frage: Wie konnte das Volk, das Gott wahrhaft auserwahlt hatte, nicht mehr das auserwählte Volk sein? Diese großartigen Dokumente des Römerbriefes und der Glaube daran haben unser jüdisches Geschick im Abendland fast anderthalb Jahrtausende entscheidend mitbestimmt. Die drei Kapitel des Römerbriefes und die dazu gehörige authentische Interpretation sollte jeder Jude genau kennen; sie sollten auch in unseren historischen Quellenbüchern Aufnahme finden. Erik Peterson bietet die Exegese der weltgeschichtlichen Texte m einer Weise, daß Text und Kommentar zu einer voll-

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