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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-07-01 · 13 (1.7.1933) · p. Seite 199

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
13 (1.7.1933)
Date
1933-07-01
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 199 Vorzugliche Betten ^i», ,^.^ fHotel Bayerischer Hoff Dienst am Gast i-ns-'ten-erVoilkommenheit 1 Augsburg jüdischen Kurbetriebe weiter bestehen können. Um einen Beweggrund für das Fernbleiben von deutschen Badeplätzen zu beseitigen, sei betont, daß jüdische Kurgäste an deutschen Badeorten ungestört und in völliger Ruhe ihre Kur gebrauchen können, so ist z. B. in Bad Kissingen nach dem Urteil der hier weilenden Kurgäste der Aufenthalt in jeder Beziehung angenehm und ungestört. Würzburg. Im Dienste der Israelitischen Volksschule Würzburg stand der infolge Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand versetzte Diektor, Schulleiter und Oberlehrer Mandelbaum vom 1. November 1886 bis zum 1. Juni 1933. In dieser fast 47 jährigen Amtszeit entfaltete er eine überaus segensreiche Tätigkeit bei seltenem Pflichteifer und vorbildlicher Berufsfreüde. Durch seine ihm eigenen besonderen Geistesfähigkeiten und seine Erfolge im Unterrichte galt er seinen Berufskollegen als Autorität in pädagogischer Hinsicht. Dem Kinde war er nicht nur Lehrer, er war ihm weit mehr — väterlicher Freund und Berater. Die Israelische Kultusgemeinde ließ es sich daher nicht nehmen, ihrem verdienstvollen Lehrer einen weihe- und würdevollen Abschied zu veranstalten. In ihrem Sitzungssaal versammelten sich am letzten Maitag Vorstand und Verwaltung der Kultusgemeinde, Rabbiner. Direktorat der Isr. Lehrerbildungsanstalt hier, Schulvereinsvorstand, Schulpflege, Lehrerpersonal und Schülerschaft der Isr. Volksschule. Alle — Justizrat Dr. Haas, Rabbiner Dr. Hanover, Oberlehrer und jetziger Schulleiter Hellmann, Studiendirektor Stoll, Theo Adler entboten herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung und wünschten dem scheidenden Schulmann einen langen, glücklichen Ruhestand. Tief gerührt dankte Herr Direktor Mandelbaum und beteuerte nur seine Pflicht getan zu haben, was ihn befriedige und wofür ihm Anerkennung nicht zukomme. Es war eine einfache aber eindrucksvolle Feier, die den Beweis erbrachte, wie das Verdienst in Würzburg geehrt wird. — Bücherschau Paul Simon, o. Prof. der Theologie an der Universität Tübingen, Sein und Wirklichkeit. Grundfragen einer Metaphysik. VIII, 179 Seiten. München (Max Hueber Verlag) 1933. Geb. Mk. 5.50; brosch. Mk. 4.50. Der gegenwärtige Rektor der Universität Tübingen, der katholische Theologe Paul Simon, verehrenswert in gleichem Maße als Persönlichkeit von unbestechlicher Lauterkeit des Charakters wie als philosophischer Forscher legt ein didaktisches Meisterwerk von klarster, eigener Gedankenführung vor. Es ist nicht zuviel gesagt: Die aufmerksame an keinem Wort vorübergehende Lektüre dieser feinen und kristallenen Arbeit in der Verwirrung der Zeit, in der vielen von uns Ruhe, Fassung und Konzentrationsfähigkeit für ungewohntes, geklärtes, nicht ohne „Anstrengung des Begriffs" vollziehbares Nachdenken begreiflicher Weise abhanden kommen mußten, ist Heil- und Erkenntnismittel in Einem, von der erheblichen wissenschaftlichen und pädagogischen Leistung ganz abgesehen. Der Hinweis auf ein solches Buch wäre nur zwecklos in den Fällen und bei den „Stellen", wo ein Geöffnetsem für die Wertbereiche Wahrheit und Güte nicht mehr zu finden ist. Und warum nicht zugeben, daß das Tor in beängstigend vielen Fällen (unter allen erdenklichen Vorwänden) heute verschlossen ist. Wir schöpfen aus Büchern wie aus dem von Simon die größte Zuversicht, daß wieder Gerechtigkeit und Vernunft. Bescheidenheit und Hochachtung der menschlichen Würde in jeder Kreatur über Gewalt und Unrecht siegen werden. Wir schöpfen diese Zuversicht nicht aus den Resultaten dieses Buches, sondern aus seiner Haltung und dem strengen Prozeß seines Gedanken-Ordnens, seines Zeigens und Schließens. Hier gibt es keine bestechenden, eitlen Formulierungen; in ruhigem Fortschreiten werden in 9 Kapiteln die Voraussetzungen des wissenschaftlichen Denkens gezeigt. Zuerst wird sehr eindringlich und sehr klar besprochen, daß die Lehren oder die Sätze einer Weltanschauung nicht reine Erkenntnisse sind, sondern daß das Wort Anschauung, das so theoretisch kühl klingt und so zurückhaltend erscheint, immer eine Welt von Wünschen, Sehnsüchten und Wertungen verdeckt Ebenso anziehend und tief ist die darauf folgende Erörterung „Möglichkeit und Notwendigkeit der Metaphysik", also die Beantwortung der Frage, wie und warum das Suchen nach den letzten Prinzipien des Seins möglich und notwendig ist. Psychologisch gesprochen ist nach Paul Simon die Metaphysik die existenzielle Unruhe des Menschen. Er begnügt sich nicht mit der „Uberwindung" der Metaphysik durch Kant, für den Gegenstand der Erkenntnis nur der Gegenstand möglicher „Erfahrung" ist, also der aus der materialen Gegebenheit der Sinne und der formalen Ordnung des Verstandes gebildete Gegenstand, während die Beantwortung von metaphysischen Fragen nach Kant der menschlichen Natur zwar aufgegeben ist, aber ihr Vermögen schlechthin übersteigt. Indem Simon nach dem Vorgang der klassischen Kritiker Kants fragt, was denn eigentlich „Erkenntnis" und was „Gegenstand" ist, bringt er die Erfahrung als letzte Erkenntnisinstanz ins Wanken. Die Methode der Metaphysik, also nicht daß man aus wenigen Begriffen oder Sätzen Erkenntnisse ableitet, sondern daß man durch eindringliche Analyse auf die letzten Sinngegebenheiten stößt und sie bloßlegt, ist von Wichtigkeit. Selten ist über das Wesen und die Grenzen der Wissenschaft, namentlich über den rationalen Charakter des Seins, so Grundlegendes gesagt worden, wie in den beiden großen Kapiteln „Sein und Nichtsein" und „Idee und Wirklichkeit". Die metaphysische Wesenserkenntnis bezieht sich auf die Sinnhaftigkeit der Gegenstände. Es ist uns aufgegeben, das übergreifende Sinnge'füge in allen Einzelerkenntnissen immerfort neu zu suchen. Ist vielleicht doch das Wesen der Wirklichkeit Wille oder Drang? Dann wäre die Rationalität des Seins zu verneinen, und wir befinden uns als Blinde unentrinnbar mitten in einem wahrhaft tragischen Weltablauf, der einen unentwirrbaren Knäuel aus Naturentwicklung und Geschichte bildet. Die Antwort gibt die neuere Wert-Philosophie, der das Mittelstück des Buches gewidmet ist. Es wird darin nichts Geringeres unternommen, als das metaphysische Gute und Böse zu erklären. Die Seinsfrage stößt bald (im 6. Kapitel) auf das Problem von Bad Nauheim Mit Unterstützung aus Mitteln der Professor D. Simonsen Stiftung kann jüdischen Kranken, die einer Kur in Bad Nauheim bedürfen, die Durchführung dieser Kur zu besonders ermäßigten Gebühren ermöglicht werden. Die Gäste der Professor D. Simonsen Gesellschaft e.V. erhalten Unterkunft und Verpflegung in erstklassig geleiteten jüdischen Kurheimen. (Einzelzimmer mit fließendem warmen und und kalten Wasser, Dampfheizung, Veranden und Gartenbenutzung und ritueller Verpflegung.) Gesuche sind an den Syndikus der Professor D. Simonsen Gesellschaft e. V., Herrn Rechtsanwalt Dr. Selmar Spier, Frankfurt am Main, Taunusstraße 1, zu richten. „Das Kindererholungsheim der Zionloge U. O. B. B. auf Norderney teilt mit: Im Ferienmonat Juli ist das Heim vollkommen besetzt. Anmeldungen für den Monat August — namentlich der Kinder unserer Logenangehörigen aus Rheinland, Westfalen und Süddeutschland — bitten wir sofort vorzunehmen. Die für Monat August auf Rm. 4.— ermäßigten Pflegesätze verstehen sich einschließlich regelmäßigen gymnastischen Unterricht. Alle Anfragen sind zu richten an die .Verwaltung des Kinderheims der Zionloge', Hannover, Körnerstr. 5."

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