Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 13 (1.7.1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 13 Pnot : Lili Heymann Justizrat Elias Straus s. A. gest. 16. Juni 1933 Bei der Trauerfeier auf dem Neuen Israelitischen Friedhof entwarf Rabbiner Dr. Ernst Ehrentreu ein Bild des Toten, der in jedem Juden seinen Bruder sah, der jedem wissender und hebender Brüderlich-Helfender war. Der Vorsitzende der Kultusgemeinde München und des Bayerischen Landesverbandes, Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, widmete im Namen dieser Körperschaften Worte wehmütigen und dankbaren Gedenkens dem großen Toten. Den letzten Gruß und Dank der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Wanderfürsorge, die in Elias Straus einen ihrer unermüdlichsten und fähigsten Förderer verlor, fügte Dr. Neumeyer seiner Ansprache an. Rabbiner Dr. Leo Baerwald feierte Elias Straus als schöpferischen und genialen Sozialpolitiker, der die altjüdische Zedokoh den Bedürfnissen des Tages anzupassen und sie zur Sozialpolitik großen Stils zu machen wußte. Justizrat Dr. Emil Fraenkel überbrachte warme Dankesworte im Namen der Zionistischen Ortsgruppe München und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, die in Elias Straus einen glühenden Vorkämpfer und großzügigen Führer verloren. Rabbiner Samuel Wiesner dankte im Namen der Münchener Ostjuden für die Hilfe, die sie bei Dr. Straus stets gefunden haben. Jakob Rosenheim (Frankfurt a. M.) schloß die Trauerfeier mit heißen Worten der Liebe und des Gedenkens im Namen der Familie. Nach der Trauerfeier fügte sich die unübersehbare Schar von Leidtragenden zu einem Zug in die erste Reihe des Friedhofs, wo Elias Straus' sterbliche Überreste in einem von der Gemeinde gestifteten Ehrengrab zur Ruhe gebettet wurden. In Elias Straus hat mit der am schwersten betroffenen Gemeinde München die gesamte deutsche Judenheit einen Führer verloren, der von einem kraftvollen Geist und warmer Liebe für die Gemeinschaft erfüllt, sein Bestes gegeben hat, und dessen Tod gerade heute eine schwere Lücke reißt." (Israel. Familienblatt vom 22. Juni 1933.) Kurt Blumenfeld zeichnete in der „Jüdischen Rundschau" ein Bild des Verewigten: Zu den besten Zionisten gehörte unser lieber, unvergeßlicher Freund Eli Straus, dessen Tod wir heute beklagen. Als Sproß eines alten Rabbinergeschlechtes, — Raschi gehörte zu seinen Vorfahren -—, wurde er zu einem ganzen Juden erzogen, und wurde ein Mensch, dem Judentum den eigentlichen Inhalt des Lebens bedeutete. Er kannte Bibel und Talmud, beherrschte und liebte die hebräische Sprache, und die Kenntnis der Vergangenheit wurde für ihn zur Grundlage für eine klare zionistische Entscheidung. Er durchschaute die Zusammenhänge des jüdischen Lebens und ging den zionistischen Weg mit der schönen, ruhigen Kraft, in der unübertriebenen Art, die seinem großherzigen und gütigen Wesen entsprach. Er wurde niemals irre an seiner inneren Haltung; der Kenner der langen Geschichte seines Volkes wußte zwischen Unbedeutendem und Wesentlichem zu unterscheiden und sah wie ein staatsmännischer Politiker das Kleine klein und das Große groß, was ihm nicht immer den Beifall der Freunde eintrug, die den Bedürfnissen des Augenblicks eine größere Bedeutung zuschrieben. Er glaubte nicht an plötzliche revolutionäre Veränderungen im jüdischen Leben, sondern er dachte sich, daß alles Neue, auch das gewaltige neue Leben in Erez Israel, ganz allmählich durch die unermüdliche, pflichttreue Arbeit der treuen Diener der Idee hervorgebracht werde. Es war bei ihm kein wortloses Tun; er verstand es durchaus in bescheidener, aber eindringlicher und überzeugender Form das wirksam zu sagen, was getan werden sollte. Aber den Schwerpunkt legte er immer auf die Arbeit, die er selbst leistete, und bei der es ihm am liebsten war, wenn er mit seiner Person im Hintergrund bleiben konnte. Der Zusammenhang mit dem vergangenen und dem gegenwärtigen Leben unseres Volkes gaben ihm echte Stärke und wahre Unüberwindlichkeit, die Stärke der Menschen, die auch imstande sind, eine wohltuende, unpersönliche, große Güte jedem zu zeigen, der in ihre Nähe kommt. Das stille Leuchten seiner reinen und edlen Persönlichkeit wurde weithin wahrgenommen. Er war lange Zeit der Vorsitzende unserer Münchener Ortsgruppe, er hat noch manche andere Ämter be-