Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-07-01 · 13 (1.7.1933) · p. Seite 193

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
13 (1.7.1933)
Date
1933-07-01
Page
Seite 193 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2727810-2727975-2727988--09044-2742301
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

$ayenfctye Jfroditijdje <Bcmcmuc3cttung flatfjrirf)ten&Iatt öet Jftodttijtfjen &uttu*gtmtinden in Wünd)m/%UQ4buiQ/&ambtiQ unö de* Öerfranöe* #0getifdfct Jftoefitffrfjet (Bememöen Erscheint am 1.u. 15. Jeden Monats. — Verlas: B.Heller, München, Plinganserstr.64, Tel.73664 o. 73665, Postscheck München 3987, Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für dai Jahr. Anzeigenpreis: Geschaftsanzelgen nach aufliegendem Tarif. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. IX. Jahrgang München, 1. Juli 1933 Nummer 13 Inhalt: Zum Heimgang von Elias Straus — Das Staatsvolk und die Ausscheidung der Juden in der künftigen deutschen Reichsverfassung nach der Denkschrift von Nicolai — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg — Aus der Gemeinde Bamberg — Aus bayerischen Gemeinden — Bücherschau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: 6. Bekanntmachung über Kürzung der Beamten- und Angestelltenbezüge vom 15. Juni 1933; Bekanntmachung über Ersatzwahl — Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über Ersatzwahl; Bekanntmachung über die Einzahlung der Mieten für Betstühle in der Hauptsynagoge für das Mietjahr 1933/34 — Personalia. Zum Heimgang von Elias Sfraus Mit Elias Straus sank der treue Eckhard der Münchener und bayerischen Juden ins Grab. Gleich seinem hochberühmten Ahnen Joselmann von Rosheim, dem Lehrer Reuchlins und Fürsprech der Juden bei Kaiser Maximilian und Kaiser Karl V. zu Luthers Zeiten, war. Elias Straus ein echter- „Schetadlan", das ist ein Betreuer und Abgesandter der jüdischen Gemeinde aus Neigung und innerer Berufung. In diesen beispiellos dunklen Zeiten, in denen wir uns enger um die Führer scharen, stirbt uns der Getreueste und Beste weg! — Wer sich in München, in;Bayern um die jüdische Sache kümmerte, den ließ seit vielen Wochen die bange Sorge um den schwer Erkrankten nicht los. Wenn uns das jüdische Geschick in den letzten Monaten die Kehle zuschnürte, so mußten wir dabei ohne Unterlaß an den Kranken denken, an sein Siechtum, das er so adelig trug, an die Todesverflochtenheit des Lebens, an die Überwindung des Todes durch diesen beseelten, nicht vom Tag und vom Stoff abhängigen gütigen und wxisen Menschen. Der Verlust der Münchener Gemeinde, des Landesverbandes, ist niederdrückend. Was Straus diesen Körperschaften bedeutet, führen hier an anderer Stelle Berufene näher aus. Uns war er der weit über die .Parteizugehörigkeit hinaus an die Sache hingegebene, rastlos für die jüdische Gemeinschaft tätige Helfer und Führer der Gemeinde. Sinn und Aufgabe der Einheitsgemeinde sind von niemand schärfer erkannt und. tiefer gefühlt worden als von ihm. Er war in allen Handlungen nur von Sorge für das Gemeinwohl ohne Rücksicht auf die Partei durchdrungen in der Einsicht, daß von einer jüdischen Gemeinde Parteien im gewöhnlichen Sirin mit ihren trüben Begleiterscheinungen unbedingt fern zu halten seien; an ihre Stelle hat nach seiner Auffassung ein offener edler Wettstreit der entgegengesetzten Meinungen zu treten; er pflegte in öffentlicher Sitzung bei Erörterung der Schulfragen — in ruhigeren normalen Zeiten — die Talmudstelle (Traktat Baba bathra 21a und 22 a) zu zitieren: Quinath sophrim tharbe hochma — „Die Eifersucht der Schulen kommt der Weisheit zugute". Wir geben zunächst über das Leben und Streben des teueren Verblichenen zwei ihm nahe stehenden Berichterstattern aus dem „Israelit. Familienblatt" und aus der „Jüdischen Rundschau" das Wort: „Einem langwierigen Leiden erlag am 16. Juni Justizrat Dr. Elias Straus in München, im Alter von 54 Jahren. Elias Straus, einer altangesehenen Familie entstammend, wurde zu Karlsruhe geboren. In frühen Jahren errichtete er sein Heim in München, wo er bis zu seinem Tode als Rechtsanwalt wirkte. 1919 erfolgte seine Wahl in die Gemeindevertretung, seit 1921 wirkte er als zweiter Vorsitzender des Vorstandes der Kultusgemeinde. Im Landesverband Bayerischer Gemeinden, zu dessen Führern J.-R. Straus seit Anbeginn gehörte, versah er das Amt des Schriftführers. Um den nach dem Krieg stetig anwachsenden Aufgaben der Wohlfahrt in der Gemeinde gerecht werden zu können, schuf Elias Straus das Wohlfahrtsamt der Kultusgemeinde, dessen vorbildliche Führung und Arbeit ihm zu danken ist. Dem Finanz- und Stiftungsausschuß, sowie dem Sozialen Ausschuß der Gemeinde stand J.-R. Straus als Vorsitzender vor. Besonders verdient hat sich Straus auch um die zionistische Arbeit in München gemacht, der Ortsgruppe war er jahrelang Leiter und Führer; die Darlehenskasse „Iwria" war seine Schöpfung, dem Gesamtausschuß der Ostjuden war Dr. Straus stets Berater.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.