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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-06-01 · 11 (1.6.1933) · p. Seite 169

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
11 (1.6.1933)
Date
1933-06-01
Page
Seite 169 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 11 Bayerische Israelitische Gemeindezeitun^ 169 Als Sie selbst nock ein Kind waren ... da gingen wohl schon Ihre Eltern zur „Goldenen 19" einkaufen. Seit bald 40 Jahren steht Kalter im Tal und bediente tausende und abertausende Käufer reell und preiswert. Wollen auch Sie gut kaufen, wollen Sie eine moderne Huswahl sehen, zuverlässige und sympathische Bedienung haben, dann kommen Sie gerade jetzt zu GOLDENE 19" MÜNCHEN TAL19 HERREN- UND KNABENBEKLEIDUNG Gegr.isss auch ein Kochkalender: Was koche ich heute? zu Mk. 1.80 für den Jahrgang, in dem täglich Anregungen nebst Rezenten für den fleischlosen Speisezettel gegeben werden, natürlich unter Berücksichtigung der zur jeweiligen Jahreszeit am besten erhältlichen und preiswertesten Gemüse. Diese Werke sind in jeder besseren Buchhandlung erhältlich. Der Schreiber dieser Zeilen ist bereit, auf Wunsch aus dem Leserkreis geeignete Speisezettel mit Rezepten mitzuteilen, besonders über Speisen, die nach Zubereitung am Freitag am Sabbat ohne Beeinträchtigung ihrer Schmackhaftigkeit genossen werden können. S. E. Rieser. In Anlehnung an die obigen Ausführungen machen wir darauf aufmerksam, daß sich im Rahmen der gemeindlichen Ausschüsse für Hilfe und Aufbauauch ein solcher für haus wirtschaftliche Beratung gebildet hat, der seine Sprechtsunden, Dienstag von 9 bis 10 Uhr vormittags, Herzog- Max-Straße 3/1, abhält. Hausfrauen, die im praktischen Leben stehen, sind hier gern bereit, nach bestem Wissen und Können unsere jüdische Frauen in Küche, Haus, Einkauf usw. zu beraten. Aus der Gemeinde München Ausschuß für Hilfe und Aufbau Es finden folgende Sprechstunden statt: Für Auswanderung: Montag 18—19 Uhr und Mittwoch 8—9 Uhr. Wirtschaftsberatung: Dienstag 18—19 Uhr und Donnerstag 8—9 Uhr (für Personen, die ihre Ausbildung bereits abgeschlossen haben). Berufsberatung und Berufsumberatung: Montag 19—20 Uhr und Freitag 15—16 Uhr (für diejenigen, die vor der Ausbildung stehen oder bereits begonnene Ausbildung abbrechen wollen). Hauswirtschaftliche Beratung: Dienstag 9—10 Uhr. Beratung in Schulangelegenheiten: Montag 15—16 Uhr. Beratung für Juristen: (Änderung) Mittwoch von 14—15 Uhr. Sämtliche Sprechstunden werden in den Räumen Herzog- Max-Straße 3/1 abgehalten. Telephon 93 7 71. Zur Beratung in ärztlichen Berufsangelegenheiten steht der Ärzteausschuß zur Verfügung. Näheres durch die Gemeindekanzlei. Alle in der Gemeinde ansässigen. Handwerker werden gebeten, ihre Adresse dem Ausschuß für Hilfe und Aufbau, Herzog- Max-Straße 5, mitzuteilen. Die Aufforderung ergeht auch an diejenigen, die zurzeit eine solche Tätigkeit nicht ausüben, insbesondere Schneiderinnen (Störnäherinnen). 70. Geburtstag. Herr Leopold Bach, Mitbegründer der Firma Gebr. Bach in München, Goethestraße 10, feierte am 30. Mai 1933 seinen 70. Geburtstag. Mit unermüdlichem Fleiße und in vorbildlicher Rührigkeit hat der Jubilar ein Werk geschaffen, welches das hohe Ansehen, dessen er sich heute in allen Kreisen erfreut, mit hat begründen helfen. Die Firma besteht seit dem Jahr 1879. Bücherschau Bultmann, D. Br. Rudolf, Professor in Marburg a. d. L., Glaubsn und Verstehen. Gesammelte Aufsätze. 1933. V, 336 Seiten. Mk. 12.60, in Ganzleinen geb. Mk. 15.—. Verlag J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen. Im Blickfeld dieser Aufsätze aus den Jahren 1924 bis 1932 — fünf von ihnen sind bisher noch nicht veröffentlicht worden — teils exegetischen, teils systematischen Inhalts, steht, wie bereits der Titel des Buches andeutet, das Verstehen des christlichen Glaubens. In seinen Untersuchungen distanziert Bultmann sehr merklich den Glauben des Neuen Testaments von der jüdischen Bibel; er versucht die Superiorität der Lehre Jesu gegenüber dem Judentum nachzuweisen, obwohl er ausdrücklich von Jesus in dem Autsatz „Die Christologie des Neuen Testaments" sagt: „Seine Lehre ist nicht neu durch ihren Gehalt an Gedanken, denn in ihrem Gehalt ist sie nichts anderes als reines Judentum, reiner Prophetismus'* (Seite 265). Aber dessen ungeachtet lassen Bultmanns Darlegungen oft eine Würdigung der jüdischen Bibel erkennen, der wir von unserer jüdischen Haltung aus durchaus zustimmen können. Der Schöpfungsglaube der jüdischen Bibel wird in dem Aufsatz „Die Bedeutung des Alten Testaments für den christlichen Glauben" anschaulich ins Licht gestellt. Bultmann weist darauf hin, wie das alttestamentliche Verständnis des Menschen im Schöpfungsglauben seinen Ausdruck findet. „Denn dieser besagt, daß der Mensch auch nicht im Denken über die Welt verfügen kann, sondern in seiner Geschöpflichkeit ganz dem Herrn der Welt ausgeliefert ist. Und da der Mensch sein Schicksal vorzüglich in der Geschichte hat, versteht das Alte Testament die Geschichte nicht als die gesetzmäßige Bewegung menschlichen Leistens und Denkens, als die Bewegung der Menschheit, der Kultur, des Geistes, sondern als Gottes Wirken, das dem Menschen sein Schicksal gibt und ihm seine Aufgaben stellt. Und zwar erfaßt der Mensch in der Geschichte Gott nicht in der verstehenden Betrachtung ewiger Ordnungen, sondern in dem Anspruch, der aus den konkreten Ereignissen erwächst. Im Alten Testament hat sich — im Unterschied vom Griechentum — ein eigentümliches Geschichtsbewußtsein ausgebildet als das Bewußtsein, daß dem Menschen jeweils aus seiner konkreten. Geschichte seine konkrete Antwort auf die Frage der Zukunft erwächst. Gerade in der Zeit „im konkreten Augenblick gewinnt der Mensch seine Eigentlichkeit und nicht in der Flucht in die Zeitlosigkeit, für die die konkrete Geschichte zum Schein wird" (Seite 323). Bultmann bemerkt hier, daß aus diesem Grunde in Israel nicht das. Idealbild menschlicher Persönlichkeit entstehen konnte. Israel kennt nicht Heroen und Heilige im griechischen Sinne. „Die Propheten haben ihre Bedeutung nicht darin, daß sie eine Höhe edlen Menschentums verkörpern oder homnies religiosi repräsentieren, sondern darin, daß sie das Volk ihrer Gegenwart anreden und zu einem konkreten von Gott geforderten Verhalten rufen, in dem sich die Treue zu seiner gottgeschenkten Geschichte bewährt" (S. 323). Auch jene Ausführungen seien hervorgehoben, welche die Frage erörtern, ob es wohl und wieweit es richtig wäre, das

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