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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-06-01 · 11 (1.6.1933) · p. Seite 168

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
11 (1.6.1933)
Date
1933-06-01
Page
Seite 168 (sequence 8)
Language
German
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168 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig #UtflfeMer Cmbff Wündjeti. bnXonatdl mmmwmaammasmsm^wmä aus Roschhaschanah Bl. 6 b, daß nur der 50. Tag des Omer als der richtige Schwuothtag gefeiert werden durfte und daß es, solange der Kalender nicht feststand, daher vorkommen konnte. daß die Fixierung des Schwuothfestes zwischen 5. bis 7. Siwan schwankte, je nachdem die beiden vorhergehenden Monate 29 oder 30 Tage zählten. Wenn nun der Schwuothtag in der Provinz immer auf den 50. Tag des Omers, wie dieser in Jerusalem fiel, gelegt wurde, so erhebt sich die Frage, warum man außerhalb des Landes doch auch einen zweiten Festtag gefeiert hat. Die übliche, aber unbefriedigende Antwort geht dahin, daß man von dem Brauch bei allen anderen Festen nicht abweichen wollte. Es gäbe wenigstens für die spätere Zeit der Annahme des festen Kalenders eine andere Erklärung in der Tatsache, daß sich im Talmud eine unentschiedene Kontroverse darüber findet, ob die Gesetzgebung am Sinai am 6. oder 7. Siwan stattgefunden hat. Bei solchem Zweifel allerdings müßte die Feier des zweiten Tags auch für Jerusalem verbindlich gewesen sein, was aber bestimmt nicht der Fall war. Eine andere, natürlichere Erklärung scheint aber zu sein, daß man überall das Schriftgebot des Zählens der 49 Tage als unantastbar betrachtete. Wo daher der in Wirklichkeit zweite Pesachtag als erster, zweifelshalber, gefeiert wurde, hat man mit dem Zählen erst am wirklich dritten Pesachtag begonnen. Dadurch verschiebt sich der letzte Omertag auf den Tag, an welchem in Jerusalem das Schwuothfest gefeiert wurde. Infolgedessen mußte in der Provinz der folgende Tag als der 50. des Omers als Festtag gefeiert werden. Der erste Tag war daher der allgemeine Festtag nach der Berechnung des Sanhedrin, der zweite Tag in der Provinz der 50. Tag des Omers, auf welchen nach der Bibel das Schwuothfest zu fallen hat. E. Fr. Die fleischlose Küche Es mag manchem rituell lebenden Leser dieser Zeitung heute, nachdem das Schächtverbot durchgeführt ist, von Interesse sein, einiges über das obengenannte Thema zu erfahren und Hinweise auf geeignete Kochbücher zu erhalten. Die meisten Juden der letzten Jahrzehnte waren ausgesprochene Fleischesser, aber es gab immer auch unter den Juden Vegetarier, bei denen, sei es aus Gesundheitsrücksichten oder ethischen Gründen, der Fleischgenuß verpönt gewesen ist. Nun hört man immer wieder: Ja, ohne Fleisch läßt sich leben im Sommer bei genügend frischen Gemüsen und Salaten und falls frische Fische in ausreichender, preiswürdiger Menge zu erhalten sind. Letzteres ist natürlich in den Großstätdten leichter wie auf dem Lande und an kleinen Plätzen, da die direkte Zufuhr von Seefischen in die großen Verbrauchszentren sich täglich ermöglichen läßt. Andererseits ist an kleinen Plätzen die Beschaffung von Fluß- und Teichfischen heute meist mit keinen großen Schwierigkeiten verbunden. Dazu kommen noch immer wieder die bei den süddeutschen Juden stets beliebten Mehlspeisen. Bei Betrachtung der fleischlosen Ernährung muß man natürlich davon ausgehen, daß man die Nährstoffe des Fleisches richtig ersetzt, das ist in der Hauptsache Eiweiß und Fett. Letzteres ist ja leicht durch Butter, Öl, Milch und Käse in genügender Menge dem Körper zuzuführen und Eiweiß steht auch in Milch, Eiern und Käse in reichlichen Mengen zur Verfügung, so daß, wer fleischlos lebt, diese wichtigen Nahrungsstoffe in keiner Weise entbehren muß. Vitamine und Salze sind ja sowieso hauptsächlich in den Vegetabilien enthalten. Kohlehydrate im Mehl und der Kartoffel. Die Pflanzenfette Palmin, Tomor usw., sind als Fette gleichwertig und wesentlich ausgiebiger als die tierischen Fette, doch soll die Butter nicht ganz entbehrt werden infolge ihrer wichtigen Vitamine. Dann sei besonders hier auf das sparsame und ausgiebige Backen und Braten mit Öl hingewiesen. Die pflanzlichen Fette sind auch heute, trotz des Aufschlages, immer noch wesentlich billiger, da ergiebiger als Butter. Es sei nicht an das Ei vergessen als Spender wichtiger Nährstoffe: neben dem Eiweiß und Fett enthält es Lecithin usw.; doch ist die Verdaulichkeit des Eies in gekochtem Zustand sehr schwer. Und mehr als zwei Eier im Tage pro Person sollte man nicht verwenden, schon deshalb, weil mehr als dieses Ouantum des in dieser Form zugeführten Eiweißes vom erwachsenen menschlichen Körper nicht ausgenützt wird. Nun zu einer der wichtigsten Fragen bei der fleischlosen Küche für die rituell lebenden Leser der B. I. G.: Was kann man am Sabbat von fleischlosen Speisen essen, ohne das Gesetz der Sabbatheiligung zu verletzen? Das bedeutet, welche vegetarischen und sonstigen Speisen ohne Fleisch lassen sich schon am Freitag zubereiten und bleiben schmackhaft und genußfähig über den Samstag. Im Sommer ist das ohne weiteres sehr viel leichter als im Winter, wenn auch mit Kochkiste und Grude keine besonderen Schwierigkeiten für den Winter bestehen. Kalte Fische, Mayonnaisen-Salate, Puddings, Mehlspeisen aller Art in kalter Form, Strudel, Aufläufe. Fruchtsalate usw., lassen sich ohne weiteres am Freitag bereiten und sind amSchabbos ohne jede Wärmezufuhr genauso genießbar. Aber auch warme Speisen, wie Reis- und Grünkernsuppen sowie Hülsenfrüchtesuppen (auch ohne Fleisch) Tassen sich schmackhaft zubereiten durch Beifügung von Wurzelwerk und Grünzeug, das vorher in Öl gedünstet wurde (Gesetzes), wie zur vegetarischen Kraftbrühe (Boullion). Ferner alle Schaletarten (Nudel-, Kartoffel-, Bohnen-, Äpfel-, Mischobst-Schalet usw.) können am Freitag hergestellt werden und in der Kochkiste oder Grude warmgehalten werden und gewinnen an Schmackhaftigkeit durch das längere Kochen bzw. Schmoren in der Kochkiste oder in dem Grudeherd. Kalte gebackene Fische sind genau so gut wie kalter Hecht in Eiersoße oder polnischer Karpfen oder gefüllter Hecht kalt. Alles Dinge, die in jedem guten jüdischen Kochbuch (Elsäßer oder vom Frauenbund) mit verschiedenen Rezepten aufgeführt sind. Als rein vegetarisches Kochbuch ist zu empfehlen das bereits im 30. Tausend vorliegende praktische Kochbuch ..Die fleischlose Küche" von Dr. Julius Marcuse, Bernardine Woerner und Eugenie Erlewein, mit einem Anhang über Rohkost. Über 1200 Rezepte auf 338 Seiten, in Leinen Mk. 4.95 (E. Reinhardt Verlag, München). Das Werk bringt reichhaltige Abwechslung und Auswahl nicht nur in Rezepten für vegetarische Speisen, sondern auch für Mehlspeisen, hauptsächlich nach der süddeutschen und Wiener Küche. Im selben Verlag erscheint

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