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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-05-15 · 10 (15.5.1933) · p. Seite 150

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
10 (15.5.1933)
Date
1933-05-15
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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150 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 10 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig Ufflfctder CmMf. Ittündjen, in Warenteil retto3 ist eine Wahrscheinlichkeit für „jene". Die Orientalen 3 Geburtshaus der Maria in Nazareth, wurde nach der Legende, um es der Gefahr der Zerstörung durch die Türken zu entziehen, von Engeln durch die Lüfte entführt und zunächst in Dalmatien, später bei Ancona in Italien niedergesetzt. glauben eben alles, überrascht über die Vielfalt dessen, was in Jerusalem erhalten ist, obgleich nichts älter als Herodes. Die Gräber der Könige sehr schön. Wetter eine Wonne, milde sommerliche Wärme. Machte ungeheures Aufsehen, erhielt Besuche vom Generalvikar des Papstes, dem Spanischen Priester usw. Niemals je begeisterter gewesen... Disraeli hat oben von Notizen gesprochen, die er sich noch gemacht habe. Sie erscheinen sechzehn Jahre später in dem Roman „Tancred" verarbeitet, der 1847 geschrieben ist. Auch die Erinnerung an Athen, das im Briefe mit Jerusalem vergleichen wurde, war unmittelbar zuvor, 1844, in seinem Roman „Coningsby" wieder emporgetaucht. Es ist reizvoll zu sehen, wie verschieden stark die Nachwirkung dieser Eindrücke in Disraelis Gemüt war. „Was würde ich nicht geben, um Athen zu sehen", läßt er den jungen Coningsby seufzen. „Ich habe es gesehen", antwortet ihm achselzuckend Sidonia, der Sprecher Disraelis, „und mehr wundervolle Sachen. Phantome und Gespenster! Das Zeitalter der Ruinen ist vorbei". Das Bild von Jerusalem jedoch wirkt in der Erinnerung bei Disraeli womöglich noch lebendiger als der erste Eindruck gewesen war. Alle liebgewordenen Züge der Heiligen Stadt erscheinen im „Tancred" wieder, der Blick vom Ölberg und die Atmosphäre der Klöster, aber auch die Sternennächte und die abendlichen Mahlzeiten auf. dem Dach des Hauses. In dem Maße, wie Athen verblaßt, gewinnt Jerusalem an geistiger Macht über ihn: „Der Anblick von Jerusalem", heißt es im Tancred, „ist die Geschichte der Welt; er ist mehr, er ist die Geschichte der Erde und des Himmels". Die Odyssee eines exofischen Juden Ein tragikomischer Ab e n t e u r e r- R o m an Albert Cohen, Solal. Roman. Ins Deutsche übertragen von Franz Hessel und Hans Kanders (Original-Verlag Gallimard, Paris). Berlin, Dreimasken-Verlag 1932; 382 Seiten, geb. RM. 4.50. Dieser Roman sollte in dem Tumult der Ereignisse nicht verloren gehen, wegen seines Stoffes und wegen seiner Form. Das Ghetto der sephardischen Juden auf der griechischen Insel Kephalonia um das Jahr 19.00 mit seinen Don-Quichote-Gestalten und schlimm-heiligen Glaubensgenossen (corruptio optimorum pessima) ist von überwältigender Komik; zum Schluß bleibt ein bitterer Rest trostloser Trauer. Denn auf dem Grund der Seelen dieser großsprecherischen lächerlichen Bettler und aufdringlichen, schmutzigen Levantiner erblickt man noch den Abglanz unseres alten heiligen Volkes in seiner Würde, Güte und Klugheit, verderbt und verfärbt in dem Geschiebe unwahrscheinlicher Schicksale von Generationen. Der abenteuerreiche Onkel Saltiel — ein hilfloses Kind und ein gerissener Gauner in Einem — durchreist die zivilisierte Welt wie eine Wildnis und sehnt sich zurück zu seinen Landsleuten im jonischen Meer; er fällt schließlich fast 70jährig im Kampf gegen die Araber in Palästina, wo er eine Siedelung — Kfar-Saltiel — zwischen Jaffa und Gaza gegründet hat. Wie es in dieser Kolonie zugeht, muß man selbst nachlesen. Saltiel läßt auch seinen Vater, den 105jährigen Rabbiner (Chacham) von Kephalonia, den ehrwürdigen Kabbalisten Maimon ins Land der Väter nachkommen. „Sein Sohn vertraute ihm ehrerbietig einige Ziegen an, damit er sie hüte. Beim Eukalyptus-Wäldchen konnte man die alte klapprige Gestalt, den wehenden Kinnbart und die Baskenmütze des greisen Kabbalisten sehen, der seinen vier Ziegen zuschrie: „Beim feurigen Namen! Warum hüpft ihr denn immerzu hin und her? Wär's nicht besser, friedlich um mich im Kreise meinen belehrenden Fabeln zu lauschen?" Dann kommt der Araber-Überfall: Rabelais und Cervantes haben bei der Schilderung dieser Razzia Pate gestanden. Onkel Saltiel fällt im Kampf, er erfährt noch die Nachricht, auf die er sein Leben lang gehofft hatte, daß sein Türkenlos den Haupttreffer gemacht hat, und schließt in einer Szene, die dem Dichter nicht so> leicht einer nachmacht, für immer die Augen. „Seine Lippen, auf die "Blut trat, riefen den einigen Gott an. Der liebenswerte, kindliche Kopf, in dem so viele Erfindungen gebrodelt hatten, sank zurück, für die Ewigkeit beruhigt. Die Augen waren verwundert über das, was sie sahen und lächelten unsagbar traurig." Onkel Saltiel ist nur einer in der Unzahl grotesker Figuren. Mit Recht hat man den Helden des Romans, Solal, mit Julien Sorel, Stendhals unsterblichem Karriere- Macher, verglichen. Solal wächst im Schutze seiner weitverzweigten Familie auf der griechischen Insel auf. Er hat tiefschwarze Haare und ist ein Wunder an Schönheit. Im Alter von 16 Jahren verläßt er das Ghettomilieu der sephardischen Juden, um mit der Frau des französischen Konsuls, die von so viel Schönheit nicht unberührt geblieben ist, nach Florenz zu entfliehen. Nun beginnt eine Laufbahn, deren verwegene Kurven nur vom Stil dieses prächtigen tragikomischen Schelmenrömanes aus zu verstehen sind. Die Episoden aus dem Leben des Helden sind

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