Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 9 (1.5.1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 135 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. <) Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 135 sich im Innern Frankreichs ansiedeln. Ein jeder von ihnen mußte, falls er die erforderlichen Eigenschaften besaß, Militärdienst leisten, ohne befugt zu sein, einen Stellvertreter zu stellen. Auf die Israeliten von Paris und Bordeaux fand das Gesetz, das zehn Jahre Geltung haben sollte, jedoch keine Anwendung. Da das Gesetz nach zehn Jahren — also unter der Regierung Ludwigs XVIII. — nicht verlängert wurde, wurden die Juden nunmehr dem allgemein gültigen Gesetz unterstellt. Das Gesetz vom 17. März 1808 war außerordentlich hart für die Israeliten, doch erreichte Napoleon, was er bezweckte: die allmähliche Verschmelzung der Juden mit den Franzosen, so daß er mit der Zeit Zugeständnisse machen konnte, und die Juden nach und nach derselben Rechte teilhaftig wurden wie die Franzosen. In den von Frankreich abhängigen Staaten in Italien und Deutschland wurde ebenfalls die Emanzipation der Juden eingeleitet. Preußen folgte am 11. März 1812 nach. Nach dem Friedensschluß 1814/15 fand in den meisten deutschen Ländern eine Beschränkung der Rechte der Juden statt, die erst 1869 völlig gehoben wurde. Der erwähnte französische Erlaß vom 17. März 1808, sowie weitere Verfügungen vom 17. Juli, 19. Oktober und 11. Dezember 1808 regelten den jüdischen Kultus in Frankreich und Italien in ähnlicher Weise wie unter dem Konsulat den katholischen Kultus. In jedem Departement, das mehr als 200 Anhänger jüdischen Glaubens zählte, sollte es fortan eine jüdische Synagoge und ein jüdisches Konsistorium geben. An der Spitze der Synagogen standen Großrabbiner oder Rabbiner. Ein von drei Rabbinern und einigen jüdischen Notabein gebildetes Zentralkonsistorium befand sich in Paris. Großrabbiner, Rabbiner und Notabein mußten vom Kaiser bestätigt werden, ehe sie ihre Ämter antraten. Napoleon setzte zwar die Gehälter für die jüdischen Geistlichen fest, doch überließ er ihre Bezahlung den Juden selbst, ebenso wie die Sorge für ihre Gotteshäuser. Erst nach der Julirevolution (1831) übernahm der Staat diese Aufgabe. Im Laufe des ersten Kaiserreichs land fand ich eine Originalhandschrift der Juden von Josephus, auf der man sehen konnte, daß man zwischen den Zeilen vier oder fünf Worte hinzugefügt hatte, um AUFRUF! Jüdische Eltern! Die Spannung unserer Zeit, die Not unserer Tage macht auch vor unseren Kindern nicht halt. Mehr denn je ist es darum nötig, daß unsere Jugend in ihrem Judentum gestärkt wird. Die „Vereinigte jüdische Jugendbewegung" Münchens ist bestrebt, an der Lösung dieser Aufgabe für ihr Teil mitzuwirken. In unseren Gruppen wollen wir den Zusammenhalt unter der Jugend schaffen, den sie sonst entbehren müßte. In unseren Heimen wollen wir jüdische Werte lebendig gestalten, auf Wanderungen und beim Sport zu gesunden Menschen erziehen. Auch Dein Kind bedarf einer Stütze! Schicke es uns. Vereinigte Jüdische Jugendbewegung München Anschrift für 10—25jährige: Rabbiner Dr. Geis, Tengstraße 36 x Tel. 3 72 1 52. Sprechstunde; täglich 9—10 Uhr. H^HHBBBHHEBi^HHHMMnHHaiKQ von Jesus zu sprechen, denn Josephus erwähnt ihn nicht. Der Papst hat mich tüchtig gequält, das Manuskript zu bekommen. Soviel steht fest, daß die öffentliche Meinung damals für einen einzigen Gott geneigt war, und daß diejenigen, die davon zuerst gesprochen haben, ausgezeichnet aufgenommen wurden, denn die Umstände waren ihnen günstig." sind viele Juden zu hervorragenden Stellungen gelangt. Zum Schluß sei noch eine sehr wichtige Äußerung Napoleons über die Nichtexistenz Jesu Christi wiedergegeben, die von einem seiner Gefährten im Exil auf Sankt Helena, dem General Gourgaud, unter dem 28. August 1818 aufgezeichnet wurde. „Was mich anlangt," sagte der Kaiser, „so steht meine Ansicht fest. Ich glaube nicht, daß Jesus jemals gelebt hat. Ich würde an die christliche Religion glauben, wenn sie von Anfang an bestanden hätte. Denn sonst würde Sokrates, Plato, die Mohammedaner und Engländer verdammt sein. Das wäre doch zu albern. Jesus wird gehangen worden sein wie viele Fanatiker, die den Propheten, den Messias spielten wollten. Jedes Jahr gab es solche Leüte. In Mai- Der Schweiger Zum 400. Geburtstag Wilhelms von Oranien am 24. April. In diesen Tagen feierten Holländer und Flamen, die nördlichen und die südlichen Niederlande gemeinsam den 400. Geburtstag des „Vaters des Vaterlandes", des Prinzen Wilhelm von Oranien, und mit gutem Recht feiert ihn auch Deutschland mit. Denn dieser edelste und genialste Niederländer war ein Deutscher van Geburt und deutscher Patriot: „Wilhelmus von Nassauen bin ich von deutschem Blut —" heißt es im niederländischen Nationallied. Es besteht Anlaß, daß auch die deutschen Juden wie ihre niederländischen Brüder an diesen Gedenktag erinnert werden. Denn Wilhelm von Oranien war der erste Vorkämpfer religiöser Toleranz und nationaler Freiheit zugleich. Als unter seiner Führung die holländischen Staaten sich von der Tyrannei des spanischen Königs Philipps II. (befreit hatten, würde im Jahr 1579 durch die Utrechter Union die Gewissensfreiheit proklamiert; das befreite Land wurde das Ziel der portugiesischen Schein- Christen (Mariannen) und anderer Juden aus den verschiedensten Ländern. In Europa gab es zum ersten Mal für jeden von Glaubensverfolgung Bedrängten, ein sicheres Asyl. Wie der friedliche Zweig des Täufertums, die Mennoniten. waren auch die neu einwandernden Juden „ein sehr gefügiges Volk, einfach und friedlich, gute Händler, meistens wohlhabend, immer ruhig" (wie der modernste Schilderer der Epoche, Huizinga, in seiner holländischen Kulturgeschichte mit sprechenden Belegen im einzelnen ausführt.) Wilhelm von Oranien war der älteste Sohn des^ Grafen von Nassau und wurde protestantisch erzogen. Als er elf Jahre alt war, erbte er die riesigen niederländisch-burgundischen und