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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-05-01 · 9 (1.5.1933) · p. Seite 132

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
9 (1.5.1933)
Date
1933-05-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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132 ' Bayerische Israelitische -Gemeindezeitung mit 3861, Lettland mit 1289, Bulgarien mit 1268, Griechenland mit 1233 und Deutschland mit 1181 Juden. Von den außereuropäischen Ländern steht Yemen mit 5085 Juden an erster Stelle, dann folgten Irak mit 4028, Persien mit 2238 und Marokko mit 1283 Juden. Nicht weniger als 60 verschiedene Sprachen und Mundarten werden gegenwärtig in Palästina gesprochen, davon 33 Sprachen von Juden. Besonders bemerkenswert ist, daß 35 Juden Altaramäisch, die „Targum"- Sprache, als Muttersprache angegeben haben. Ein Jude bezeichnete einen alten finnischen Dialekt als seine Sprache. Zwei Juden haben sich zur hindustanischen Muttersprache bekannt. Die Volkszählung hat auch der vielfach verbreiteten Legende, in Palästina kämen 7 Frauen auf je einen Mann, ein Ende gemacht. Die Geburten- und Ehestatistik zeigt, daß es in Palästina ungefähr eben so viele Frauen wie Männer unter den Juden gibt. Von der in der Volkszählung festgestellten Zahl von 175 000 Juden entfallen 88 000 auf Männer und über 86 000 auf Frauen. In Tel-Awiw kamen auf je 1000 Männer 1055, in Jerusalem 977 und in Haifa 864 Frauen. Vier Juden Im 56. Jahr seines reichen Lebens ist in diesen Tagen-Friedrich M. Kircheisen gestorben, der sich als Napoleon-Forscher einen weit über die deutschen Grenzen hinausgehenden Namen geschaffen hat. Der 9.(letzte)Band seiner mächtigen Napoleon- Biographie erscheint nach dem Tode des Verfassers bei Georg Müller in München noch im Frühjahr dieses Jahres. Kircheisen hat der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung noch kurz vor seinem Tode die folgende wissenschaftliche Abhandlung zum alleinigen Abdrucksrecht übergeben. Aus dem reichen Lebenswerk des Verfassers möchten wir an dieser Stelle vor allem hinweisen auf die von ihm glänzend herausgegebene Briefsammlung „Fürsteribriefe an Napoleon" (Stuttgart, Cotta, 1930), ein erschütterndes Dokumentenbündel menschlicher Wandelbarkeit, auf seine Nelson-Biographie (Stuttgart, Jul. Hoffmann), welche ein fesselndes Bild von der Begründung der englischen Weltmachtstellung gibt, endlich auf die sachkundige, in ihrer gedrungenen Form mustergiltige Darstellung der Französischen Revolution (mit 29 Bildern; Volksverband der Bücherfreunde). Wir freuen uns, unseren Lesern die nachstehende sorgfältige Originalarbeit dss eben entschlafenen bekannten Historikers bieten zu können. Während sich der „Große Sanhedrin" (Synedrion) in Paris vereinigte, plauderte Napoleon während des. Essens mit einem Vertrauten über verschiedene, auch religiöse Dinge in der lustigsten Weise. Plötzlich wurde Kardinal Fesch, sein Onkel, sehr ernst, so daß der Kaiser, neugierig geworden, ihn fragte, was er hätte. „Was ich habe, ist leicht zu verstehen," sagte der Kardinal. „Es scheint aber, daß Sie das Ende der Welt wünschen!" — „Warum denn," fragte erstaunt der Kaiser. — „Wissen Sie nicht, daß die Heilige Schrift das Ende der Welt prophezeit, sobald die Juden als Nation anerkannt werden?" Nr.. 9 und neun Jüdinnen hatten im Alter von unter 13 Jahren geheiratet, die Zahl geschiedener Frauen betrug 582, die geschiedener Männer 322. Die meisten Ehescheidungen wurden in Tel-Awiw vorgenommen. Auffallend ist die große Zahl von Witwen gegenüber verwitweten Männern. Es gibt unter den palästinensischen Juden etwa fünfmal mehr Witwen als Witwer. So standen in Tel-Awiw 2676 Witwen nur 501 Witwern gegenüber. Noch größer ist der zahlenmäßige Unterschied in Jerusalem, wo es laut der Volkszählung von 1931 501 Witwer und 3080 Witwen gab. Ein Kuriosum bildet die Bevölkerungszunahme der Juden in einzelnen Städten. Während der durchschnittliche Bevölkerungszuwachs der Juden gegenüber dem Bevölkerungszustand bei der vorletzten im Jahre 1922 durchgeführten Volkszählung 108 Prozent beträgt, ist die Zahl der dortigen Juden von 6 im Jahre 1922 auf 243 im Jahre 1931 gestiegen. In Bethlehem lebten 42 Juden im Jahre 1922 gegen 42 im Jahre 1931. Andererseits* hat die jüdische Bevölkerung in Hebron seit den Unruhen des Jahres 1929 und ebenso in Nablus (Sichern) beträchtlich abgenommen. die Juden Kircheisen Jeder andere, meint Chaptal, der das Gespräch wiedergibt, würde über den Eifer des Kardinals gelacht haben, nicht, aber der Kaiser, der sogleich eine nachdenkliche Miene annahm. Er hob ohne Verzug die Tafel auf und zog sich mit seinem Onkel in sein Arbeitszimmer zurück. Einen Tag darauf wurde der „Große Sanhedrin" aufgelöst. Jedesmal, wenn Napoleon aus einem Feldzug nach Paris zurückkehrte, fand er irgendeine unliebsame Sache vor. Im Jahre 1806, nach dein Feldzug von Austerlitz, waren es die Finanzkrise, die Frankreichs Wirtschaft arg gefährdete, und die Judenfrage. Aus dem Elsaß waren Klagen über Klagen ergangen, daß die dortigen Juden einen außerordentlichen Wucher trieben, so daß stets große Zwangsversteigerungen bei dortigen Einwohnern vorgenommen werden mußten. Auf Befragen meldete der in Straßburg befehligende Marschall Kellermann am 23. Juli 1806, daß die elsässischen Juden 75 Prozent Zinsen berechneten, und daß ihre Hypothekenforderungen seit dem Jahre VII (1799) bis zum 1. Januar 1806 sich auf nicht weniger als 21 Millionen beliefen, zu denen noch 10 Millionen Schuldforderungen hinzukämen. Napoleon beschloß sogleich, die überaus wichtige Judenfrage endgültig zu lösen, mit der sich schon die revolutionären Regierungen vor ihm befaßt hatten. Im Mittelalter durften die Israeliten zwar ihre religiösen Gebräuche ausüben, doch war ihnen nicht erlaubt, in nähere Beziehungen mit den Christen zu treten, sich mit ihnen ehelich zu verbinden oder irgendein Handwerk auszuüben. Da sie als Fremde, als "Ausländer, rechtlos waren, konnte der Lehnsherr ihnen ihren Besitz wegnehmen, sie aus ihren Wohnsitzen verjagen, ver- Napoleon und Von Friedrich M.

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