Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 9 (1.5.1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 131 einem gewonnenen Krieg, im Gefühl des Übermuts, sie Tatsache, daß der Jude der Mensch der Gewaltlosigkeit wird erhoben bei einem verlorenen Krieg, denn einer ist; das Unvermögen schließlich, sich in einer größeren muß die Schuld tragen, und wer sollte sie tragen, wenn Gemeinschaft aufzulösen, als ob dies jemals offen, ohne nicht der Jude; sie brandmarkt die Vergehungen ein- Demütigungsabsicht und schmähliche Verklausulierung zelner als Entartung der Gesamtheit; ihre anarchische angeboten worden wäre (sogar bei den Verhandlungen Haltung, verständlich durch die Ausschaltung aus dem Napoleons mit dem französischen Synhedriosa. waren nur Gesetz; ihre Vervetterung und Solidarität noch, ver- Machtgier und schlecht verbrämter Eigennuntz die ständlich durch den sozialen Stacheldrathverhau, der Triebfedern des widerwilligen Befreiungsaktes). 'Da sie umgibt; ihre überwiegend wirtschaftlichen und merwird keine Ausnahme statuiert; bei allen Völkern des kantilen Interessen, verständlich durch jahrhunderte- Erdballs gelten die wehigen Edlen und Vorzüglichen als lange Verbote und Sondermaßnahmen, die sie nur als Gradmesser für die Würdigkeit und Bildung der Ge- Geldverleiher und fürstliche Bankiers zuließen; ihren samtheit, bei den Juden allein weist man auf die Nieintellektualismus, der nicht minder die Frucht tausenddrigsten hin, um das Urteil über alle zu fällen. Und der jährigen Drucks und gänzlicher geistiger Vereinsamung Herd der Infektion ist nach wie vor Deutschland! Das unter den Nationen ist, wobei ihre einzige Rettung darin schmerzt. Dieses wunderbare Land, dieses unvergleichbestand, im Angesicht des Todes der Nichtswürdigkeit liehe Volk! Es ließe mich nicht ruhen, auch wenn ich des Lebens nachzugrübeln; ihre Bemerkbarkeit, ihre kein Jude wäre; den Stachel würde ich nicht los, ich bin Betriebsamkeit und Geriebenheit und jene aus uralter dessen sicher, den Vorwurf, den Gewissensruf, das Ge- Angst und Verzweiflung in die Aktion umgeschlagene fühl einer brandigen Wunde am Körper der Nation. Radikalität, die alle Grade von der kleinen Frechheit Nun hat mich aber doch das Schicksal zum Juden ge- und Aufsässigkeit bis zur Zerstörung des Bestehenden macht, das heißt zu einem Menschen, der sein Alles durchläuft; die angebliche physische Feigheit, die, sodransetzt, Blut und Seele, Leben und Nachleben, um zur weit sie nicht wirklich Furcht und Zittern ist, ihnen Gleichgewichtslage zu gelangen; wundert es durch die Jahrhunderterfahrung ins Herz gepreßt, dich da noch, daß die Idee der Gerechtigkeit über ihm nichts anderes ist als der verleumdete Ausdruck für die hängt wie eine azurne Flamme? .. . Die Ergebnisse der im Jahre 1931 durchgeführten Palästina ist zum wahren „Schmelztopf" für die Ju- Volkszählung in Palästina liegen in einem soeben verden aus aller Welt geworden. Die heute in Palästina öffentlichten, annähernd 950 Seiten in zwei Bänden lebenden Juden sind aus nicht weniger als 50 verschieumfassenden statistischen Werk vor. Das Werk gibt denen Ländern eingewandert. Als „aus keinem Lande vielseitigen Aufschluß über Entwicklung und gegenstammend" werden in den Tabellen 9 Juden angegeben, wärtige Zusammensetzung der palästinensischen Bevöl- Diese wurden nämlich auf hoher See geboren. Unter ankerung. Die Gesamtbevölkerung Palästinas im Jahre deren gibt es jetzt in Palästina Juden, die in China, in 1931 wird mit 1 035 821 Seelen gegenüber 757 182, die Abessynien, im Hedschas, in Cypern, Indien, Afrika, bei der vorangegangenen Volkszählung des Jahres 1922. Algerien, Marokko, Tripolis, Tunis und im Irak, auf gezählt wurden ,angegeben. Die Zahl der Mohammedaverschiedenen griechischen Inseln, in Persien, Syrien, ner beträgt 759 712, die der Juden 174 610, die der Chri- Ägypten, im Yemen, in der Türkei, in Buchara und in sten 91 389, ferner gab es 182 Samariter, der Rest ver- Transjordanien geboren wurden. Die von gewissen arateilt sich auf Drusen und verschiedene Sekten. Von der bischen Kreisen immer wieder aufgestellte Behautupg, Gesamtbevölkerung waren 526 680 Männer und 509 141 in Transjordanien hätten niemals Juden gelebt, hat sich Frauen. Die jüdische Bevölkerung ist von 83 794 Seelen somit als unrichtig erwiesen. Die europäischen Länder, im Jahre. 1922 auf 174 610 Seelen im Jahre 1931 geaus denen Juden nach Palästina eingewandert sind, sind stiegen, was einer Zunahme von über 108 Prozent ent- Österreich, Belgien, Bulgarien, die Tschechoslowakei, spricht. In Tel-Awiw betrug die Zunahme 203 Prozent, Danzig, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, in Haifa 104 Prozent, in Jerusalem 45 Prozent. Die pro- Deutschland, Gibraltar, Griechenland, Holland, Italien, zentuale Zunahme der arabischen Bevölkerung beträgt Lettland, Litauen, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, 28 Prozent. Der auf je 10 000 Personen entfallende Be- Schweden, die Schweiz, Ungarn, Großbritannien, Sowvölkerungszuwachs wird bei den Christen mit 251 pro jetrußland und Jugoslawien, somit fast alle europäischen Jahr angegeben. In Tel-Awiw entfallen auf je 1000 Ein- Länder. Auch aus Australien sind einige Dutzend Juden, wohner 709 Personen, die im Ausland geboren sind. Die aus den Vereinigten Staaten 672, aus Kanada 58 und überwiegende Zahl der Juden hat Hebräisch als Mutteraus Südamerika 101 Juden nach Palästina gekommen, spräche angegeben. Außerdem bekannten sich 2216 Ju- Die stärkste jüdische Einwanderung erfolgte aus Poden zur arabischen, 4694 zur jiddischen Muttersprache, len. Die Volkszählung stellt 35 776 in Palästina lebende 5305 Personen haben englisch, 2492 deutsch als Mutter- Juden, die aus Polen gebürtig sind, fest. Das zweitsprache angegeben. Interessant ist, daß auch 21 Araber stärkste Auswanderungsland ist Sowjetrußland mit Hebräisch als Muttersprache angegeben haben. 27 354 Juden, dann folgen Rumänien mit 5011, Litauen