Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 8 (15.4.1933)
- Date
- 1933-04-15
- Page
- Seite 122 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Ö Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Nr. .4 Maße erkennen. Und mit dieser Erkenntnis wuchs auch der Kampf um Besitz und Einfluß auf Erziehung und Bildung des Volkes. Vor allem erkannte «las Christentum und die es verkünden/den Klöster die Bedeutung der Erziehung und strebte sie mit christlichem Geiste zu erfüllen. — Erst der starke -Arm des Staates konnte der eigentlichen Pflicht- und - Volksschule zu ihrem Rechte verhelfen. — Und indem beide Mächte — Staat und Kirche — zusammenwirkten und um ihren größeren Einfluß zeitweise stritten, entstand die deutsche Volksschule, die für sich den Ruhm in Anspruch nehmen darf, zu den besten und fortschrittlichsten Schulen der Welt zu zählen! Nach dem Kriege war es eine der ersten Sorgen des neuen Deutschland sein Schulwesen wieder in Ordnung zu bringen. Aber seit dieser Zeit ist die Schule, ,die außerhalb des politischen Kampfes gestellt sein sollte, auch in diesen Kampf hineingezogen worden. Das Reichsschulgesetz, welches die Gemeinschaftsschule des deutschen Volkes in eine gesetzliche Norm bringen sollte, ist infolge des politischen Kampfes nicht zustande gekommen. — Das Schulwesen hat sich angesichts dieser Kämpfe noch mehr als vor dem Kriege in den Schutz der verschiedenen Konfessionen begeben — die Konfessionsschule ist Regelschule geworden! — auch da, wo noch sogenannte Simultanschulen bestehen, sind dieselben, wie Dr. Stiefelzieher ausdrücklich feststellt, nach Reichs- und Ländergesetzen als ausdrücklich christliche Schulen oder als Gemeinschaftsschulen der beiden christlichen Hauptreligionen zu werten, ari denen jüdische Schüler Gastschüler sind und jüdische Lehrer keine Verwendung finden können! — Als einzige gesetzlich gleichwertige Schulen für jüdische Staatsbürger haben unter diesen Verhältnissen die jüdischen Konfessions-(Bekenntnis-)Schulen zu gelten. Nicht einer Rückkehr in das Ghetto reden wir das Wort, wenn wir die Erhaltung und Neueinrichtung dieser gesetzlich anerkannten jüdischen Schulen das Wort reden, davon kann keine Rede sein. Nehmen wir uns ein Beispiel an den katholischen und protestantischen Volksgenossen, die trotz oft liberaler, religiöser Einstellung an ihrer Konfessionsschule unentwegt festhalten. Leidet doch das Judentum noch mehr als andere Religionsgemeinschaften unter den Folgen der Nachkriegszeit nicht nur wirtschaftlich und politisch, sondern auch besonders infolge des religiösen Indifferentismus, Gleichgültigkeit, Mischehen und Fahnenflucht Wohl entfaltet der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden und viele andere Organisationen eine segensreiche und segenbringende Tätigkeit. Aber alle diese Vereinigungn, welche Namen sie auch tragen mögen, sie können von außen her nicht die religiösen Zersetzungserscheinungen und ihre Folgen bannen, wenn nicht die dringend nötige Erfüllung der jüdischen Jugend mit jüdisch-sittlichen Werten, wie in alten Zeiten vom Elternhaus über die Grund schule in systematischer Weise erfolgt und ständig gepflegt wird. Fortsetzung folgt. Vereinsmitteilungen Augsburg. Am 15. Januar hielt die „Schwäbische Bezirkskonferenz" in Anwesenheit des Vereinsvorstandes eine Versammlung ab. Gegenstand der Tagesordnung war: 1. Neuwahl eines „Obmanns" für den nach Regensburg versetzten Kollegen Sonn. Als solcher wurde einstimmig Kollege Dr. Ernst Fränkl -Augsburg gewählt. Der neue Vorsitzende dankt dem bisherigen für.die ausgezeichnete Leitung der Konferenzen, ebenso dem Kollegen Rosenfeld für das Opfer des persönlichen Erscheinens. 2. Der hierauf erstattete Bericht des Vereinsvorstandes über die Würzburger Tagung, über die Beratungen im Preußen- und Reichsverbänd konnte viel Interessantes melden. 3. Das Fortbildungsprogramm pro 1933 sieht neben den Vorschlägen der Vereinsverwaltung (Psalmen-Studium) vor: Vertiefung in die Frage: „Ist die Tiefenpsychologie im Religionsunterricht verwertbar? Geplant ist, daß jedes Mitglied sich zu einem Vortrag beliebiger Art verpflichtet. An dessen Stelle kann auch eine Lehrprobe treten. Es ist ferner ein Austausch mit den Münchner Kollegen vorgesehen und ein Ersuchen an den Kollegen Berlinger (München), in Ichenhausen in der Schule des Koll. Hammelburger eine Lehrprobeüber seine neue Methode über den Anfangsunterricht;im Hebräischen zu halten. 4. Bei dem Punkte „.Anregungen und Anträge an die Vereinsleitung" wurde auf die angenehme Wirkung des Besuchesvdes Vereinsvorsitzenden hingewiesen, und die Anregung gegeben, die Vereinsleitung solle in alle bayerischen Konferenzen wenigstens einmal im Jahre einen Delegierten entsenden, im gegenseitigen Interesse. ' " " Behufs vollzähligen Besuches der Konferenzen wird die Bitte um einen entsprechenden Zuschuß aus Vereinsmitteln erneuert. 5. Am Nachmittag hielt der Berichterstatter und' neue Obmann einen Vortrag. Thema: „Der Midrasch im Lichte des Feststraußes." Er weiß aus den einschlägigen Stellen eingehend nach, daß nicht nur der Feststrauß vom CJH"Ü sinnvoll gedeutet wird, sondern daß auch dieser selbst unter dem Feststraußbild betrachtet werden kann. Die Fragen: Inwiefern gleicht die Haggada den einzelnen Teilen des Feststraußes? wurde durch entsprechende Gleichnisse und sonstige Belege des Näheren beleuchtet. Hauptzweck sollte sein, das Material zu neuer L e h r p r o b e für die Oberstufe zu verwerten. Der Vortrag wurde mit großem Danke entgegengenommen. 6. Die nächste Sitzung wird, s. G. w., in Ichenhausen abge- halten werden. Genauer Termin wird rechtzeitig mitgeteilt. Bericht der Bezirkskonferenz Fürth für das Jahr 1932 A) Im abgelaufenen Jahre wurden zehn Konferenzen abgehalten, was in Anbetracht der jetzigen Wirtschaftslage und des Ausfalles des Gemeindeverbandszuschusses als bemerkenswerte Leistung zu betrachten ist, um so mehr als seitens verschiedener Teilnehmer verhältnismäßig große finanzielle Opfer gebracht werden mußten. B) Die Arbeit der Fortbildungskurse: 1. Auch im verflossenen Jahre war ständiger Punkt der Tagesordnung der Konferenzen das Studium der Mischna, Traktat i"Qt£> unter der kundigen Leitung des Kollegen B. Ellinger. 2. Soweit es jeweilig die Zeit ermöglichte, wurden auch wieder Religionsvorschriften (Thoravorlesung, Beschaffenheit der Thorarollen) unter Zugrundelegung des D"N "Fl und anderer Quellen behandelt. 3. Besondere Referate wurden gehalten: a) Über den Pait-Dichter Kalir und dessen Pintim. (Referent Ellinger.) b) Kollege Kohn referierte nach seiner Palästinareise über das dortige Schulwesen und über die Arten der Gottesdienste der verschiedenen Gemeinden Jerusalems. 3. Über die verschiedenen Methoden des Hebräisch-Lesens und Übersetzens in den unteren Stufen fand eine freie Aussprache nebst Austausch der persönlichen Erfahrungen zwischen den Konferenzteilnehmern statt. 4. Schwierige Stellen des Pentateuch wurden nach Raschi, Hirsch, Midrasch u. a. erklärt. 5. In Durchführung des von der letzten Generalversammlung des Jüdischen Lehrervereins aufgestellten Arbeitsplans wurde beschlossen, zunächst die Psalmen des Hallelgebetes zu behandeln. Kollege Oppenheimer übernahm das Referat und behandelte das Thema in den beiden letzten Konferenzen. Einführend besprach der Referent das Hallelgebet als solches nach den entsprechenden Quellen des Talmud und späteren Gelehrten in einem äußerst fesselnden, tiefschürfenden Vortrag. In einem weiteren Referat behandelte derselbe den Psalm 113 nach Inhalt und Sprache unter Anführung der Kommentare von Hirsch, Malbim. R'dak, Raschi, Nobel und anderer Erklärer. Sämtliche Referate wurden in eifriger Diskussion vertieft. 6. Die Vereins- und Standesangelegenheiten wurden eifrig und mit großem Interesse besprochen. Bumenthal, Konf.-Leiter. Einzahlungen im März 1933 Von: Oppenheimer, Fürth 10.—; Lichtenstädter, Hamburg 10.—; Samuel, Homburg 15.—; Lautmann,'Ems 15.—; Wahler, Neustadt 27.—; Lautmann, Ems 15.—; Brückheimer, Marktbreit 12.50; Fuchs, Oberaltertheim 7.50; Fränkl Dr., Augsburg 25.—; Heimann, Augsburg 10.—; Steinfeld, Augsburg 7.50; Köstrich, Ühlfeld 12.50; Lehmann, Eschau 15.—; Abraham, Berlin 4—; Neumann, Westheim 6.25; Weinstock, Theilheim 12.50; Blatt, Würzburg 7.50; Edelstein, Sugenheim 12.50; Schmid, Ansbach .15.—;. Blumenthal, Unsleben 15.—. Durch: Rosenfeld, München 40.—. Würzburg, 2. 4. 33. M. Hellmann. Für den Inhalt der ..Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München