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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-04-15 · 8 (15.4.1933) · p. Seite 121

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
8 (15.4.1933)
Date
1933-04-15
Page
Seite 121 (sequence 9)
Language
German
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^^^^^^^7!^^*W1^x^^^^T^^S"?*."•• cV*^^-, " fllitteilungen De* JflüiMien ieliremeretna für Oapern 1933 Schriftleitung: Max Adler, München München, 15. April Nr. 4 Samuel Steinield n»j? Am 13. März verschied unser lieber Freund und Kollege, der wegen seiner hohen geistigen Qualitäten und seiner Friedensliebe allgemein geschätzte Oberkantor und Lehrer i. R. Samuel Steinfeld. Samuel Steinfeld sei. A, war am 6. Juli 1863 in Josbach in Hessen geboren. Seine Ausbildung empfing er im Lehrerseminar in Köln und genoß dann die Freuden und Leiden des jungen Lehrers in den Gemeinden Meckenheim, Gailingen und Sinsheim (Baden). Hier schloß er den Bund der Ehe mit einer gleichhochstrebenden Frau. Aus der überaus glücklichen Ehe entsprossen sieben Kinder. Im Jahre 1890 wurde der Verblichene als zweiter Kantor nadh Karlsruhe berufen. Hier war ihm die Möglichkeit gegeben auf dem Konservatorium seinen sonoren Bariton schulen zu lassen, und es ist sicherlich dieser ausgezeichneten Stimmbildung mit zuzuschreiben, daß der Sänger bis zum Lebensenide bewundernswert durchhalten konnte. 1895 wunde ihm von der Kultusgemeinde Augsburg unter 60 Bewerbern die Stelle eines 1. Kantors und Lehrers übertragen. Er waltete ihäer bis zur Erreichung der Altersgrenze in segensreichster Weise, im Nebenamt auch als Sohofanbläser, gewissenhafter Mohel und zuverlässiger Verwalter der Armenkasse. ' Dem gab am Tage der Beerdigung, die unter großer Anteilnahme der Gesamtgemeinde in ehrenvollster Weise sich vollzog, Herr Bezirksrabbiner Dr. Jakob, in tiefgefühlten Worten Ausdruck. Unter ehrenden Worten sprach sodann der erste Vorsitzende des Vorstandes, Herr Justizrat Dr. Strauß, dem pflichttreuen Beamten den Dank und die Anerkennung der Verwaltung und der Gesamtgemeinde aus und schloß mit der Versicherung, daß man hier seiner stets in Ehren gedenken werde. Feierlich umrahmt waren die beiden Nachrufe durch ein Quartett „Enoch" von Lewandovsky und durch das „El mole Rachamim", tief empfunden und künstlerisch vollendet gesungen vom Ortskollegen, Herrn Oberkantor H e i m a n n. Nach , der Beerdigung gab im Trauerhause der langjährige Amtsgenosse Dr. E. F r ä n k 1 in einem ..Lernen" der großen Trauer des engeren Freundeskreises Ausdruck und versprach im Namen und im Auftrage der Standesorganisationen (Jüdischer Lehrerverein für Bayern, Bezirkskonferenz Schwaben und Allgemeiner deutscher Kantorenverband) dem treuen Kollegen Treue um Treue. Möge von jedermann Gottes- ' Verehrung und Menschenliebe in gleicher Vorbildlichkeit geübt werden! V V^ 'nnns V.m „Möge unser Ende dem seinen gleichen!" Dr. E. F. Die jüdische Schule, ein Bollwerk des Judentums Anmerkung der Schriftleitung: Ober dieses Thema hat Kollege Jul. Lamm, Pirmasens, auf der Mitgliederversammlung der „Freien Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz" vor Jahresfrist ein sehr eingehendes und tiefschürfendes Referat erstattet. Aus Raummangel mußten wir bisher von einer Veröffentlichung Abstand nehmen. Auch heute ist es uns nur möglich den Vortrag auszugsweise wiederzugeben. Daß das behandelte Problem durch die Verzögerung der Veröffentlichung nicht an Aktualität verloren hat, — vielleicht ist das Gegenteil wahr! — wenden die verehrten Leser zugeben. Das Thema „jüdische Volksschule" ist bei uns schon in allen Variationen behandelt worden. Trotz alledem besteht für uns jüdische Lehrer heute mehr als je, angesichts der gegenwärtigen schwierigen Zeitverhältnisse, die heilige Aufgabe, die jüdische Allgemeinheit auf die Notwendigkeit der Erhaltung und Neuerrichtung jüdischer Schulen neuerdings aufmerksam zu machen! Der Rettung und dem Ausbau der jüdischen Volksschule gilt unser Streben, einer altehrwürdigen Einrichtung, auf die leider das Dichterwort aus „Sängers Fluch" Anwendung finden kann: „Nur eine hohe Säule zeugt von entschwundener Pracht" usw. Tiefe Wehmut beschleicht mein Herz und das Herz eines jeden von uns, wenn wir an die Zeit vor 20 Jahren zurückdenken! — Eine bewährte Schuleinrichtung, die bei meinem Eintritt in den pfälz. Schuldienst im Jahre 1909 noch 27 Stellen allein in diesem Kreise aufzuweisen hatte, ist samt den jüdischen Schulgemeinden auf ein Nichts — auf gegenwärtig noch drei Volksschulen — zusammengeschmolzen. Vor einiger Zeit erschien die insbesondere für jüdische Lehrer fast unentbehrliche Schrift: „Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen im Volksschulrecht" von Dr. Max Stiefelzieher; Verlag B. Heller, München. — In diesem wertvollen Schriftchen wird das Aussterben der jüdischen Volksschulen als eine natürliche Folge . der Landflucht und der hierdurch fehlenden Voraussetzungen für die Errichtung und Erhaltung der jüdischen Volksschulen — insbesondere wegen mangelnder Schülerzahl — begründet. In Bayern gab es 18 5 0 180 israelitische Elementarschulen. 19 11 noch 85. — Durch Personalabbaugesetz v. 31. Dezember 1923 und 12. Februar 1924 wurden bis Juli 1924 allein etwa 25 jüdische Volksschulen aufgehoben. — Juli 1924 bestanden etwa 26 Schulen! — Von der Zahl 3 der jüdischen Volksschulen der Pfalz können wir auf den Stand der bayerischen jüdischen Schulen der Gegenwart schließen! (Im rechtsrheinischen Bayern bestehen-zurzeit noch 15 jüdische Volksschulen! (Die Schriftleitung.) Schon vor dem Krieg fielen fast jedes Jahr mehrere Stellen der Auflösung anheim, aber erst die Jahre nach dem Kriege mit ihren besonders auf kulturellem Gebiete einsetzenden Sparmaßnahmen haben die schwersten Einbußen an jüdischen Schulstellen gebracht. — Aber nicht nur staatliche Sparmaßnahmen sind es leider, die der jüdischen Schule ein trauriges Ende bereiten, auch die jüdischen Staatsbürger selbst sind nicht frei von Schuld, indem sie infolge einseitig jüdischpolitisoher Einstellung und infolge des leider vorherrschenden religiösen Indifferentismus der jüdischen Massen, welche sich gegenüber einer Neuerrichtung von jüdischen Volksschulen in zukunftssicheren Mittel- und Gro&gemeinden ablehnend verhalten und so der jüdischen Schule, der Bildungsstätte eines von jüdischem Geiste durchdrungenen Nachwuchses, das Grab zu schaufeln sich bemühten! Diese tief bedauernswerte Interesselosigkeit der jüdischen Bevölkerung, speziell gegenüber ihrer eigentlichen Schulen, widerspricht geradezu der traditionellen Einstellung des Judentums in Schul- und Erziehungsfragen. Das Judentum hat seinen, den Kämpfen der Jahrhunderte Trotz bietenden Bestand einzig und allein seinen Schulen und dem in ihnen gepflegten Glaubens- und Thorageiste zu verdanken! „Dieses ist die Lehre, ein Baum des Lebens ist sie — für die — usw." „und ihr sollt sie einschärfen euren Kindern usw." — sind die Geheimnisse der Erhaltung der jüdischen Glaubensgemeinschaft. — Ein jüdischer Lehrer — Rabbi Jochanan ben Sakkai — wagte die Rettung seines Volkes angesichts des die heilige Stadt und den Tempel stürmenden Feindes. In einem Sarge läßt er sich durch die Reihen der Feinde aus der gefährdeten Stadt heraustragen und trägt dem überraschten Feldherrn als einzige Bitte vor, jüdische Schulen einrichten zu dürfen! Nicht der Verlust von Hab und Gut, nicht die Zerstörung des Nationalheiligtums, des Tempels bedeutet den Untergang des jüdischen Volkes — die Erziehung und Ertüchtigung der Jugend, die Fortpflanzung des heiligen Thorageistes erscheint ihm, dem weisen Lehrer, die sicherste Gewähr für die Rettung aus größter Gefahr. — Aber nicht nur das Judentum, das Volk der Schrift, wie es einst die Araber nannten, erkannte und schätzte die Bedeutung der Jugenderziehung — die Erkenntnis von der Bedeutung einer guten Schule zeigte sich auch vor allem beim deutschen Volk. Der Kulturtortschritt ließen Kirche und Staat die große Bedeutung der Schulbildung in immer größerem

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