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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-04-01 · 7 (1.4.1933) · p. Seite 106

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
7 (1.4.1933)
Date
1933-04-01
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 Clara Oppenheimer war am 1.- Januar 1871 in. München geboren, in. einem hochgesinnten, echt jüdischen Elternhaus, mit vielen Geschwistern froh herangewachsen. Dann als sie den Mann fand, dessen Seele mit ihrer Seele verknüpft war, dessen Seele ihrer SeelevZwillingsseele war — wie sie selbst sagte —, verlor sie sich nicht an ihr. eigenes Leben, an ihr persönliches Glück, nein, sie war ihm von der ersten Stunde an eine treue Helferin in dem Ambulatorium für arme Kinder, das die beiden Oppenheimers 32 Jahre lang für die Ärmsten hielten. Und als nun im Jahre 1910 der jüdische Frauenbund in München tagte, da wußte man keine bessere Vorsitzende zu finden als Clara Oppenheimer, „Holt rnir nicht meinen ersten Assistenten weg," sagte Oppenheimer. Aber dann — nach langer-Überlegung — bekamen wir doch das Jawort und Frau Oppenheimer war bis zum Jahre 1927 unsere Führerin in höchster Hingabe an die einmal übernommene Pflicht, bis sie eine andere Aufgabe — die Leitung des Kinderheims Wolfratshausen — ganz in Anspruch nahm. Sie hat mit nicht zu übertreffender Pflichttreue stets gewirkt für die Ideen des jüdischen, Frauenbundes; hat uns auf großen Tagungen vertreten, große Versammlungen geleitet. Immer waren ihre Worte 'eindrucksvoll, denn sie meisterte die Rede wie wenige Frauen, und die Zuhörer vergaßen sie und ihre Worte nicht. Und wie sie uns innerhalb unserer Gemeinschaft eine Führerin war, so blickten wir mit besonderem Stolz auf sie, wenn sie uns nach außen vertrat, wenn sie in ihrer mutigen und aufrechten Art für uns das Wort ergriff; unsere Sache führte in schweren Tagen. Wir wollen versuchen, ihr Andenken zu ehren, indem wir ihr nachleben. Wir wollen versuchen, uns so zu läutern wie sie es tat alle Tage, da wir sie kannten. Wir wollen versuchen, in ihrem Geiste gütig zu sein zu aller Kreatur so wie sie, die „vor aller Wesen Leid erblaßte". Der Israelitische Verein für Krankenpflege, Bestattungswesen und religiöse Belehrung (Chewra Kadischa) möchte folgendes zur. Kenntnis der Gemeindemitglieder bringen: Die von uns - ausgestellten Beerdigungsrechnungen weisen ausschließlich Baraufwendungen. aus, die der Verein zur Entlastung der Hinterbliebenen in den ersten Tagen der Trauer verauslagt. — Das Städtische Bestatt'ungsamt und eine Reihe auswärtiger Kultusgemeinden machen von. der Vorauszahlung der Gebühren , die Vornahme der Beerdigungabhängig.. Die Sätze der Rechnungen sind, soweit es sich nicht um Gebühren handelt, die an Behörden zu entrichten waren, von,,der. .Vorstandschaft...des Vereins festgesetzt - und von der Kultusgemeindeg-ebilligt. Eine Vergütung an den Verein oder seine ehrenamtlieh tätigen Mitglieder, ist darin nicht enthalten, jede" Rechnung wird von einem Vorstandsmitglied des Vereins geprüft und durch Unterschrift anerkannt. Die sofortige Bezahlung der Rechungen muß, da die Rechnungen Barvorlagen des Vereins enthalten,, verlangt werden. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat in diesen Tagen eninige Erklärungen veröffentlicht, die aus vaterländischen Gründen und im Interesse der deutschen Juden notwendig waren. Im Interesse Deutschlands, der. deutschen Juden und der deutschen Wirtschaft bitten wir, alle persönlichen Beziehungen ins Ausland .wirtschaftlicher oder sonstiger Art dazu zu ^benutzen, um unwahre und übertreibende Berichte über die Zustände in Deutschland zu verhindern und zu widerlegen. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten tut, ebenso wie andere Verbände, alles was in seinen Kräften steht für die Erhaltung der Rechte der deutschen Juden im deutschen Vaterland, für das wir unser Leben eingesetzt haben. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten e- V. ...,Bundesleitung '.'-V,;:.-'- Verein für jüdische Museen in Bayern E. V. Die für Donnerstag, 6. April, d. J., angesetzte . ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins wird bis . auf weiteres verschob en. Die Mitglieder werden gebeten, ihre Jahresbeiträge auf das Postscheckkonto des Vereins München Nr. 5841 überweisen zu wollen. Die Mitgliederversammlungen der fünf israelitischen Wohltätigkeitsvereine in München (Chewra, Krankenfürsorge, Holzverein, Frauen- und Ferienkolonienverein), welche für 2. April 1933 einberufen waren, mußten teils ans formellen, teils aus Zweckmäßigkeitsgründen abgesagt werden. Einladung erfolgt später. Bfidiersdiau Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft. Bd. XXII. Frankfurt a. M. (J. Kauffmann) 1932. VI, 420 Seiten + XVIII Seiten hebr. Text. Auch der 22. Band dieser bekannten Reihe bietet wieder eine reiche Fülle wertvoller und interessanter Arbeiten. In einer umfangreichen Abhandlung (über 100 Seiten1) behandelt Esriel Carlebach die eigentümliche Erscheinung des „Mussar". Das 'hebräische Wort „Mussar" ist mit ..Zucht" oder „Moral" zu übersetzen. Es handelt sich um eine ethische Lehre, um die Forderung rigoroser Moral in allen Lebenslaigen, eine schmerzhaft beigebrachte Selbstzucht und Selbstpeinigung, . ähnlich der Exerzitien-Praxis. Die Notizen Carlebachs zeigen uns . die Geschichte der Mussar-Bewaeung von ihrer „Wiege" in Salant (Kurland — Litauen) bis zu Slabotka und Keim sowie zu den heutigen Jesohiwoth in Telsch, Radin und Nawardok. Die Ich- und Weltverneinune ist das Mittelstück des Mussar: „Nur der ist wirklich reich, der auf sein Ich verzichten kann." — Oder : „Wenn man nachrechnet, wird man finden, daß unter allen Millionen Menschen die Majorität entweder krank oder arm oder dumm ist. Warum also, sollten wir auf das, was „die Welt" sagt die nichts, anderes ist als ein kranker närrischer Schnorrer, Rücksicht nehmen?" Es ist die große weitabgewandte Melanoholie und Menschlich- UCHDRUCKEREI B. HELLER München 25, Plinganserstraße 64 liefert Ihnen all Ihre von einfachster. bis vornehmster Ausführung

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