Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 7 (1.4.1933)
- Date
- 1933-04-01
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 Ministerpräsidenten General v. Epp empfangen. Die beiden Herren hatten Gelegenheit, in nahezu einstündiger Unterredung sich über die gegenwärtige Lage zu verbreiten und das Schreiben des Verbandes an den Ministerpräsidenten vom 31. März auch persönlich zu übergeben; dieses Schreiben hat folgenden Wortlaut: München, den 31. März 1933. An Seine Exzellenz Herrn Ministerpräsident General von Epp . München Wir legen schärfste Verwahrung ein gegen die ungeheuerlichen Anschuldigungen, 'die gegen uns deutsche Juden erhoben werden. Wir haben nicht das geringste zu tun mit den Machensehaften, die gewisse Elemente im Ausland gegen •Deutsohk'nd zu unternehmen suchen. Wir legen aber auch nachdrücklich Verwahrung ein gegen den Kampf, der jetzt gegen uns geführt wird. Wir deutschen Juden haben stets für Deutschland gearbeitet, viele Tausende von uns haben im Krieg, ihr Leben für Deutschland geopfert, das Wohl des Vaterlandes war uns stets die höchste Aufgabe. Wir können und wollen den Maßnahrhen, die sich gegen .uns wenden, nicht mit äußeren Mitteln entgegentreten. Aber wir werden sie .standhaft ertragen 4<m Bewußtsein, daß uns schweres Unrecht geschieht. Der göttliche Herrscher der Welt wind uns die Kraft dazu geben. Wir beten zu ihm, daß er unserem deutschen Volksgenossen bald die Einsicht 'schenken möge, daß der Weg zum großen Ziel des nationalen Wiederaufbaus Deutschlands nicht über die Unterdrückung der Juden geht. In tiefer Ergebenheit Der Präsident des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden gez. Dr. Neumeyer. Jecheslcels Vision von der Auferstehung Zum Propheten-Abschnitt am Sabbat der Pesach-Halbfeiertage Die gewaltige Vision von der Wiederbelebung der Toten im 37. Kapitel des Prophetembuches Jecheskel gehört zu den alttestamentlichen Stücken, die einfür allemal unser Weltbild, die Begriffs- und Vorstellungswelt des abendländischen Kulturkreises mitgebildet haben, ohne daß das* prophetische Urbild noch bewußt im Gedächtnis haftet. Die Wiederbelebung der Toten wurde zum jüdischen und christlichen Glaubenssatz. „Die Vision von der Auferstehung," sagt der bedeutende Altonaer Rabbiner Joseph Carlebach, in seiner neuesten, eben erschienenen Studie „Die drei großen Propheten Jesaias, Jirmia und Jecheskel" (Frankfurt. a. M., Hermon-Verlag, 1932), „gehört zu dem Gewaltigsten und Großartigsten, was jemals Menschenzunge verkündet hat. Von ihr, die wir an dem Sabbat der Pesach-Halbfeiertage in den Synagogen verlesen, ging das beseligende Wort aus, das noch heute . unzählige Herzen in Hoffnung und Zuversicht aufatmen läßt. Der Prophet sieht ein Tal voll toter Gebeine vor sich. „Könnten sie wohl aufleben, diese toten Gebeine?'1 Und wie das Wort Gottes brausend unter sie fährt und die Gebeine sich erheben und Sehnen über sie wachsen und Fleisch sich zwischen sie zieht und eine Haut darüber sich; spannt und in diese Totenieiber der Hauch Gottes beseelend hineinfährt und alle wieder bis auf den Letzten lebendig werden, das, sagt der Prophet, ist das Bild des jüdischen Volkes. Diese toten Gebeine, das Haus Israels, zeigen das e i n z i g a r t ige Wunder, wie ein Volk von Seinem;Boden deportiert, losgerissen von seiner Schölle, nocfc einmal auf seinem alten Boden in alter- Kraft zu neuem Löben ersteht. Daß jeder Verstandesbegriff, alle historische Erfahrung von diesem Erlebnis Israels übertrumpft werden, das ist der geheime Sinn dieser Vision. „Ihr werdet erkennen, daß. Ich Gott bin, wenn Ich euch eure Gräber öffne: und euch aus euren Gräbern herausführe, Mein Volk!" Sie. sagt aber zugleich: nicht die Toten, die Lebendigen müssen auferstehen. In der Spannung zur höheren Bestimmung, zur heiligenden Volksgemeinschaft kommt für einen Jeden erst der echte Elan vital zur Wirkung!" Soweit Carlebach! In Gottes Hand, in der Vorsehung liegt alles, das ist die einfache Tendenz dieses Abschnittes. Dort,, wo menschliches Hoffen und Denken zu Ende ist, da steht er, der in absoluter Transzendenz ein Herr über alles ist, über Leben und Tod. Diese Vision packt uns noch heute im Innersten. Wir geben im Nachstehenden die Buber'sche Übersetzung der berühmten Auferstehungsvision wieder. In der von Martin "Büber und Franz Rosenzweig gemeinsam unternommenen Verdeutschung, der Schrift erschien soeben im Schocken-Verlag als \2. Band das Buch „Jecheskel", verdeutscht von Martin Buber. Mit diesem Band ist nunmehr auch die Übertragung der drei großen Propheten-Bücher abgeschlossen. Auch dieser Band ist ein Zeugnis der ungeheuren Arbeit, die der Übersetzer an Forschung; und Gestaltung vollbracht hat. Die Bibelübersetzung Bulbers,, die hier-bereits mehrfach besprochen wurde, ist ein. erstaunliches Werk umfassender minutiöser philologischer Treue und dabei dichterischer kongenialer Wiedergabe in Rhythmus und Sprachgewalt. Davon zeugt, am besten der Auferstehungsabschnitt als Probe: -". ■ '■ . . •.• •.