Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 5 (1.3.1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Bayerische Israeütische Gemeindezeitung 71 Vorzügliche Betten «^freudigen Hotel Bayerischer Hof Dienst am Gast ^ir^rkomme"heit 1 Augsburg Aus der Gemeinde München Vorträge im Rahmen der Lehrkurse der Kultusgemeinde München im März Für die Lehrkurse im März sind folgende Vorträge vorgesehen: 1. Dr. Ludwig Feuchtwanger: Judas, der Verräterapostel in der jüdischen und christlichen Legende. Die Mythisierung des Juden von den Evangelien bis zur Gegenwart. Mittwoch, den 8. März 20.15 Uhr. 2. Dr. Josef Marschütz: Auf den Spuren altiiidischer Medizin. Mittwoch, 15. und 22. März 20.15 Uhr. Die Vorträge finden im Saal der Concordia, Prannerstraße 4, statt. Eintritt frei. Der Dichter Michael Beer, gestorben 22. März 1833 in München Am 22. März dieses Jahres sind 100 Jahre vergangen-, seitdem der Dichter Michael Beer, der jüngere Bruider des Komponisten Giacomo Meyerbeer, seinem Leben in München wegen Zurücksetzung durch die Münchener Hofgesellschaft, trotz der Gönnerschaft von König Ludwig I., im Alter vom 32 Jahren ein Ende setzte. Michael Beer war 19 Jahre alt, als sein erstes Trauerspiel „Klytemnästra" auf der Berliner Hofbühne aufgeführt wurde. Auch seine vor 100 Jahren berühmten Dramen „Der Paria" und „Struensee" sind heute verschollen; die Ausgabe seiner sämtlichen Werke, die Ed. v. Schenk 1835 veranstaltete und die Briefsammlung des gleichen Herausgebers von 1837 verdienen eine 'neue Durchmusterung. „Der Paria" hat bekanntlich auch Goethes warme Teilnahme gefunden; in dem Stück wird der Kampf dargestellt, den eine edle Natur gegen erniedrigende Satzungen des Staatsgesetzes kämpft. Bs ist (im Sprachgeist des vorigen Jahrhunderts ausgedrückt) „der Schmerzensschrei über die Paraastellung des Judentums". Lebendig ist heute nur noch das mächtige Grabdenkmal Michael Beers 'auf dem Münohener jüdischen Friedhof in Thalkirchen, das seit 100 Jahren über alle Grabsteine hinausragt. In diesen Blättern (Jahrg. VIII, Nr. 9) hat Harburger in dem Aufsatz „Ein Gang durch Münchens jüdische Friedhöfe" das Beersche Grab wie folgt beschrieben: Das im klassischen Stil der ludovizianischen Zeit errichtete Kenotaph ruht auf vier starken Pfeilern; Plaketten nennen die Hauptwerke des jung Verstorbenen, von dem ein Vierzeiler kündet: ..Heilige Liebe zum Schönen verklärte Das Leben des Dichters Welcher das Gute vollzog. Das er im Liede besang." Zu den Freunden des Poeten gehörte auch sein Gönner König Ludwig L. der diese Form des Nachrufs beeinflußt haben mag. Das stattliche Grabmal bezeugt sichtbar die Wertschätzung, die der heute fast Vergessene unter seinen Zeitgenossen fand. Gleichzeitig 'bekundet der allzu pomphafte Aufbau das Eindringen einer Auffassung in die Gestaltung jüdischer Grabstätten, die dem ursprünglichen einfachen Sinn und den tiefen Grundgedanken des Judentums nicht entsprach. Zurückweisung einer gehässigen Hetze Herr Justizrat WilheJm Levinger (München) schreibt uns: Ich teile die Auffassung der Schriftfleitumg der Bayerischem Israelitischen Gerneindezeitung. daß sie besseres zu tun habe, als von allen Gehässigkeiten judenfeindlicher Blätter Notiz zu nehmen und daß der politische Kampf gegen die Judenfeinde nicht zu den Aufgaben der Gemeindezeitung gehört. Gleichwohl möchte ich Sie 'bitten, Ihren Lesern von folgendem Angriff Kenntnis zu geben, der sich in einem Münchener nationalsozialistischen Wochenblatt findet, vor dessen allen anständigen Pressegepflogenheiten zuwiderlaufenden Bestrebungen vor kurzem die Berufsvertretung der bayerischen Presse öffentlich gewarnt hat. Dieses Blatt behauptet, daß die Münchener Juden infolge der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler sinnlose Angst und haßerfülltes Vergeltungsbedürfnis ergriffen hätte und daß deshalb langjährige Dienstboten und Angestellte jüdischer Familien plötzlich entlassen worden seien, wobei als- Grund die Kanzlerschaft Hitlers angegeben werde. In durchsichtiger Absicht fordert das Blatt seine Leser auf, ihm ähnliche Beobachtungen mitzuteilen, damit es „im Interesse der Entlassenen" sich damit befassen könne. Jeder Einsichtige weiß, daß Entlassungen, wenn sie in jüdischen Familien oder Betrieben vorkommen, in geschäftlichem Rückgang und notwendiger Einschränkung ihren Grund haben. Angesichts des von dem Blatt erlassenen Aufrufs zur Bespitzelung und Denunziation jüdischer Arbeitgeber scheint es mir angebracht, diejenigen Glaubensgenossen, die zu Kündigungen schreiten müssen, aufzufordern, nicht aus falscher Rücksicht die wahren Kündigungsgründe zu verschleiern und nicht durch irgendwelche der Mißdeutung ausgesetzte Angaben dem Blatt sein Handwerk erleichtern. Im übrigen zeigt dieser Fall wieder einmal, daß es die Juden ihren Gegnern niemals recht machen können. Seit Jahren wenden Isich die Nationalsozialisten dagegen, daß idie „arbeitsoheuen Judenfrauen" sich von christlichen Dienstmädchen die Arbeit tun lassen und fordern Wiederbelebung " mittelalterlicher Vorschriften, die den Juden die Beschäftigung von christlichen Hausangestellten verbieten. Wenn nun ^- freilich aus anderen Beweggründen wirklich jüdische Familien auf die Beschäftigung christlicher Hausangestellten verzichten, macht man ihnen auch daraus einen Vorwurf. Hebräische Sprachkurse, München Der Stundenplan für das 2. Halbjahr 'März bis August 1933): Montag: 5.45 bis 7 Uhr Kinderkurs III — 7.15 bis 8.15 Uhr Bibelarbeitsgemeinschaft — 8.15 bis 9.15 Uhr Kurs IV — 9.15 bis 10.15 Uhr Kurs III. Dienstag: 5 bis 6 Uhr Kinderkurs I — 6 bis 7 Uhr Kinderkurs II — 7.30 bis 9.30 Uhr Kurs VI. Mittwoch: 6 bis 7 Uhr Antängerkurs — 7 bis 8 Uhr Kurs I — 8 bis 9 Uhr Kurs II. Donnerstag: 7 bis 8 Uhr Kurs V. Samstag: 6.30 bis 8 Uhr Lehrlingsheim. Es ist geplant, neben der bereits bestehenden Bibelarbeitsgemeinschaft noch eine zweite zu gründen, in der schwerere biblische Texte gelesen werden sollen (Propheten. Psalmen oder Mdschle). Interessenten werden ersucht, sich möglichst bald zu melden, und zwar entweder im Büro. Herzog^Ruidolf- Straße 1 (Telephon: 29 74 49), oder bei Herrn Dr. Percikowitsch, Gewürzmühlstraße 12 (Telephon: 28 2 53). Werkshalbiähr 1933 für Abiturienten Ailen Ostern 1933 zur Entlassung kommenden Abiturienten wird Gelegenheit gegeben, vor Eintritt in die Hochschule oder in den Beruf für die Dauer eines halben Jahres am Arbeitsdienst und Geländesport teilzunehmen, und zwar in der Zeit vom 19. April bis 30. September 1933. Die arbeitsdienstwilligen Abiturienten werden in Arbeitslagern aufgenommen: die Kosten hierfür werden vom Reich getragen. . Das Landwerk Neuendorf bei Berlin ist zur Aufnahme von jüdischen dienstfreiwilligen Abiturienten bereit. Das Landwerk