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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-03-01 · 5 (1.3.1933) · p. Seite 68

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
5 (1.3.1933)
Date
1933-03-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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68 Bayerische Israelitische -Gemeinclezeitimg Nr: 5 tenwäre. Dieser Tempel soll ein Bethaus .für alle jüdischen Stämme und Bekenntnisformen sein. Er soll sieben große Säle enthalten, die durch hölzerne Schiebewände voneinander getrennt sind. In jedem dieser Säle -soll nach einem anderen Ritus gebetet werden, nach den Riten der Sepharden, Asohkenasim, Chassidim, Jemeniten und sogar nach dem Ritus der Reform. Nur bei bestimmten Gelegenheiten, z. B. beim Schofarblasen, am Simchas Thora, in der Seder-Nacht sollen die Schiebewände fortgerollt werden, so daß ein einziges Bethaus entsteht, und das ganze Volk sich gleichsam im Gebet vereint. — Das Bethaus würde eine große und ständige Anziehungskraft auf alle Juden der Welt ausüben. Die Umgebung des Bethauses würde bald gehäuft sein, denn viele nationale Instituionen und auch private Unternehmungen wie Hotels usw. würden das Terrain in der Umgebung des Bethauses bevorzugen. Die alte Institution des „Wanderns" nach Jerusalem zur Zeit der Feste würde neu belebt werden. Jeder Jude in den fernen Ländern der Diaspora würde einmal in seinem Leben den Seder in dem neuen Heiligtum mit Tausenden seiner Brüder und Schwestern aus fernen Ländern begehen wollen. Der Verfasser hält die Verwirklichung seiner Idee, gerade aus nationalen Gründen, für eine der dringendsten AuSgiaben der Gegenwart. Er fordert Männer des öffentlichen jüdischen Lebens auf, die Sache in die Hand zu nehmen. Jakob Wassermanns Heimaffreue Zu seinem 60. Geburtstag am 1 0. M ä r z 19 3 3 Am 10. März 1933 werden es 60 Jahre, - daß Jakob Wassermann, einer unserer größten lebenden deutschen Schriftsteller, in Fürth in Bayern das Licht der Welt erblickte. Alexanders'traße 13, inmitten schmaler Häuserzeile, im altertümlichen Haus kam er als erstes Kind des Kaufmanns Adolf Wassermann und seiner Ehefrau Henriette zur Welt. Wenig glückhafte Erinnerungen sind es, die den Dichter an seine Geburtsstadt knüpfen. Traurige Kinder jähre waren ihm beschieden. Als er neun Jahre zählte, starb die geliebte Mutter, eine aus dem Unterfränkischen stammende, blonde traumhafte Schönheit. Auf dem historischen uralten Fürther Friedhof liegt ihre Grabstätte. Der Vater, zeitlebens vertrauensseliger Optimist, zerrieb sich im harten Wirtschaftskampf. Wirtschaftliche Bedrängnis und Enge lasteten schwer auf der Familie und umdüsterten Jakob Wassermanns Jugend. Alber die Heimat läßt keinen frei. So kommt es, daß drei Hauptromane von Wassermann, und zwar seine persönlichsten, auf fränkischem Boden, unter fränkischen Menschen spielen. Gleich das erste, das seinen Ruhm begründete, „Die Julden von Zirndorf" hat seinen Schauplatz in Fürths nahem Umkreis. In Zirndorf lebte der Großvater, der von Beruf Seiler war. Auch seinen Urgroßvater hat der Dichternoch gekannt. Beide, Großvater und Urgroßvater, erreichten das.biblische Alter von nahezu hundert Jahren. Weber war der Großvater mütterlicherseits gewesen. Weber und Seiler waren die Großväter Jakob Wassermanns, dessen Amt Schicksalsverknotumg wurde, der der Parzen Seil schwingen sollte. Frühzeitig kam das nahe Nürnberg ins Gesichtsfeld des Dichters. Es zog den jugendlichen Träumer mächtig an; oft wanderte er versonnen und nach innen gekehrt durch die winkeligen Gassen der burggekrönten alten Reichsstadt. Hier liegen die Wurzeln seines „Gänsemännchen", seines „Caspar Hauser", hier liegt die Quelle späteren Schaffens. Lichte Jugendlandschaft atmete ihm das mittelfränkische Landstädtchen Günzenhausen, das ihm Verwandte zu beglückender Ferienheimat machten. Auch hier wurzeln Keime zu manchem Werk. „Der niegeküßte Mund", Erzählungen aus dem „Wendekreis" entwachsen diesem Boden. Jakob Wassermann ist einer der Treuen. Wie er dem Judentum die Treue wahrt, das bekennt er in seiner Schrift „Mein Weg als Deutscher und Jude", in der er zu dem Schluß kommt: „Ich bin Deutscher, und ich bin Jude, eines so sehr und so völlig wie das andere, -keines ist vom anderen zu lösen." Wassermann ist Deutscher und Jude von ganzem Herzen und aus ganzer Seele, Deutscher durch die Erde, durch alles Sein und Werden bedingt, Jude aus ahnenhafter, blutmäßiger Herkunft. Und ebenso bleibt der Dichter mit Franken verhaftet, der Stätte, von der sein Weg aus ging. H. Das freie Worf Am 18. und 19. Februar trat auf Einladung eines Komitees von Journalisten und Schriftstellern sowie anderen Personen des öffentlichen Lebens ein „Kongreß für das freie Wort" zu sammen. Der bekannte Schriftsteller C. Z. Klötzel hat den Initiatoren dieser an sich zeitgemäßen Veranstaltung eine Absage erteilt. Wir veröffentlichen den .an Herrn Dr. Rudolf O 1 - den gerichteten Brief, da er von einem ausgeprägten jüdischen Verantwortungsbewußtsein zeugt. Klötzel vertritt zum jüdischen Gemeingut gewordene Erkenntnisse, die unter Schmerzen gewonnen wunden. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: B e r 1 i n . den 8. Februar 1933. Lieber Kollege 01 d e n! Sie hatten namens des „Initiativkomitee« des Kongresses für das freie Wort" die Liebenswürdigkeit, mich aufzufordern, an diesem Kongreß teilzunehmen und auf ihm zu sprechen.

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