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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-02-15 · 4 (15.2.1933) · p. Seite 55

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
4 (15.2.1933)
Date
1933-02-15
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 55 Vorzügliche Betten u„.d freudigen f Hotel Bayerischer Hof Dienst am Gast : : Augsburg (Christentum, Antike, Humanismus, Klassizismus) immer wieder zugedeckt worden ist. Das „Jüdisch-Religiöse" könnte in dieser Schrift Börnes einem katholisch-mittelalterlichen Klang im Werke eines modernen Dichters entsprechen, sein „Volkstum" steht ihm in der Bewertung Fechters ebensowenig im Wege wie die französische Abkunft dem Preußentum Fontanes. Erst im letzten Teil, der die Gegenwartsliteratur behandelt, zeigt es sich gelegentlich, daß dieser beste kritische Kopf der literarischen Rechten sich von Parteipolitik nicht ganz frei zu machen vermag. Im allgemeinen waltet wohlmeinende Gerechtigkeit. Fechter nimmt einen Hölderlin nicht aus, wenn er seiner Kritik an Deutschland vorwirft, daß er gerade Deutschland für Dinge verantwortlich mache, die allgemeine Zeiterscheinungen seien, er ist gegen die „Aufnordung" der deutschen Literatur, wenn sie Ibsens aufklärerische Ideen zur Folge habe, er macht vor Goethe nicht halt, den er beschuldigt, seine volkstümlichen Anfänge zugunsten des Internationalen verlassen zu haben. (Daß Fechters Kritik nie unfruchtbar wird, offenbart sich, wie er einen — etwas hart ausgedrückt — komödiantischen Zug in Goethe entdeckt — es sei kein Zufall, daß er einen Entwicklungsroman im Theatermilieu spielen lasse.) Wilhelm Raabe endlich verteidigt er gegen den Vorwurf des Antisemitismus, als wäre er ein Makel im Charakter seines geliebten Dichters. Fechters Literaturgeschichte ist beispielhaft dafür, ein wie unwichtiger Komplex die Judenfrage in der völkischen Bewegung ist — und daß es eine völkische Literaturbetrachtung ohne Antisemitismus geben kann. Fechter wendet sich gegen alles, was er seiner Einstellung gemäß für Uberfremdungs- und Zersetzjungserscheinungen hält, ob Jude oder Christ, Skandinavier oder Romane davon betroffen wird, gilt ihm gleich. Und est ist Fechter Ernst damit. Er würdigt die Erkenntnis Döblins (der ihm weiß Gott nicht liegen kann), daß eine vom Volke isolierte Literatur nichts wert sei. Er rühmt an Ludwig Meidner, daß er als Erster mitten im Expressionismus das Zurück zur Natur gepredigt, er hebt unter den wenigen Modernen,. die er für erwähnenswert hält, Julius Levin hervor, der in seinem Roman „Zweie und der liebe Gott" auf sein jüdisches Volkstum zurückgegriffen habe. Und was wiegt, was vielleicht manch einer für böswillig halten mag, daß er bei Wassermann ein so deutsches Buch wie da* „Gänsemännchen" übersah, dagegen, daß er an zwei Vertretern beweist, wie tief Juden an der Idee der Volkwerdung beteiligt sein können: mittelalterliche Poesie zitiert er in Nachdichtungen Karl Wolfskehls und Hofmannsthal, dessen jüdische Ahnen er zu vermerken nicht vergißt, preist er wegen seiner Rede „Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation" als Überwinder des zu Nichts verpflichtenden Literatentums. Der Weg von Bartels zu Fechter ist unendlich weit, Völkisches ist hier zum erstenmal auf eine Art dem Geistigen nahegebracht worden, die eine kultivierte Auseinandersetzung ermöglicht. Gerade darum sollten wir Juden diese Literaturgeschichte, bei allem, was uns von ihr trennt, unvoreingenommen würdigen! Lutz Weltmann An unsere Leser! Infolge der Umorganisation der Zeitungszustellung ließen sich im Anfang Unregelmäßigkeiten nicht völlig vermeiden. Wir bitten jedoch unsere Leser, welche im gleichmäßigen Bezug der Gemeindezeitung gestört sind, uns dies unter Angabe der genauen Adresse raschest möglich mitzuteilen, damit wir für Abhilfe sorgen können. Verlag B. Heller, München 25, Plinganserstraße 64, Telephon 73 6 64/65 Aus der Gemeinde München Geheimer Justizrat Werner 75 Jahre Im Jahre 1930 schied Geheimrat Dr. Joseph Werner aus seinem langjährigen Bamberger Wirkungskreis, um in München in der Nähe seines Sohnes seine Tage zu verbringen. In der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung (Jahrg. VI, Nr. 22) war anläßlich der Bamberger Abschiedsfeier des verehrten Mannes ausführlich gedacht. In diesen Tagen durfte er in voller Rüstigkeit und Frische in der Mitte der Seinen seinen 75. Geburtstag feiern. Auch von dieser Stelle aus bringen wir dem Jubilar die herzlichsten Segenswünsche für einen reichen unbeschwerten Lebensabend entgegen. Arnold Zadikows „David" Nach vierjähriger intensiver Beschäftigung konnte der Münchener Bildhauer Zadikow sich seines ihm vor vier Jahren erteilten Auftrages der Münchener Kultusgemeinde entledigen. In diesen Tagen wurde die von ihm geschaffene in matter Bronze ausgeführte „David"-Figur im Vorstandszimmer der Gemeindeverwaltung aufgestellt. Die besonders günstige Wirkung des Kunstwerkes gerade in diesem Raum muß besonders hervorgehoben werden. Der Künstler hielt in seinem „David" den letzten Augenblick fest, bevor der junge David mit besonnener Kraft die Schleuder gegen den Riesen vorprellt. Ein Sinnbild unbekümmerter sieghafter Jugend im Sinne der biblischen Darstellung! — Eine Wiederholung des Kunstwerkes wurde vom Jüdischen Museum in Berlin, das Ende Januar dieses Jahres eröffnet wurde, erworben. Zum Tod von Fräulein Maria Guschansky. Am 27. Januar nachmittags wurde am Talkirchner Friedhof Frl. Maria Guschansky von vielen ihrer Freunde zu Grabe geleitet. Der nahende Sabbat verbot Worte des trauernden Gedankens. Sonst wäre vieles zu sagen gewesen an der Bahre dieser schlichten, feinen und tief religiösen Frau. Aber in ihrem Sinn lag diese Zurückhaltung vor dem Sabbat dessen Segen sie selbst in ihrem arbeitsreichen Leben immer wieder gestärkt und beglückt hatte. Sie kam als Fremde hierher und hatte nach dem Tode ihres Vaters, an dem sie in idealer Kindesliebe hing, keinen Verwandten mehr. Aber die Zahl treuer Freunde, die um sie trauern, bezeugt, daß hier ein selten wertvoller Mensch zur Ruhe gegangen. Hebräische Sprachkurse, München Die hebräischen Sprachkurse in München geben Jugendlichen und Erwachsenen Gelegenheit, die hebräische Sprache in Wort und Schrift zu erlernen, sowie die alte und neue hebräische Literatur kennen zu lernen. Es bestehen folgende Kurse: 1. Anfängerikurs, 3 Kinderkurse und 1 Bibelarbeitsgemeinschaft, sowie 6 Grundkurse. In allen bestehenden Kursen werden neue- Schüler aufgenommen. Bei Bedarf werden neue Kurse eingerichtet, wenn eine Gruppe von mindestens 4 Personen dafür Interesse hat. Programm der Kurse: A n f än g e r kn r s. Lesen, Schreiben und Sprechen nach dem Lehrkurs von Moses Rath (etwa 20 Lektionen), Nikkud (die Lehre von den Vokabeln), das Hauptwort und Binjan Kai.

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