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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-01-15 · 2 (15.1.1933) · p. Seite 21

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
2 (15.1.1933)
Date
1933-01-15
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 21 insbesondere Mütter instand setzen, die Arbeit des Religionsunterrichtes auf dem Gebiete des Hebräischen durch häusliche Mitarbeit zu unterstützen. Daher wenden auch die Lehrbücher, die im Religionsunterricht verwendet werden, diesem Kurs zugrunde gelegt. Wer an einem derartigen Kursus teilzunehmen beabsichtigt, wird gebeten, sich schriftlich odet telephonisch (Rufnummer 510 71) an den Unterzeichneten zu wenlden. Rabbiner Dr. Baerwald, Haydnstr. 10/2 Ernst Wilmersdoerffer Mit dem Tod von Rechtsanwalt Dr. Ernst Wilmersdoerffer, der am 5. Januar mit 43 Jahren nach einer kurzen schweren Krankheit jäh aus der Lebensbahn gerissen wurde, verliert die Gemeinde München eines ihrer regsten Mitglieder, das an allen Seiten des jüdischen Gemeindelebens mit lebendigstem Geist teilgenommen hat. Weit über seine jahrelange ehrenamtliche Tätigkeit in der Gemeindevertretung und in den gemeindlichen Ausschüssen hinaus war er mit seinem hellen kritischen Verstand, seinem aufgeschlossenen temperamentvollen Wesen, seinem Wissen um jüdische Dinge der Vergangenheit und Gegenwart ein Weltkind und ein Idealäst zugleich. Von den angesehenen und weltmännischen Vorfahren her, die das beste wirklich liberale und konservative Judentum zugleich in der vergangenen lichten Ära des 19. Jahrhunderts seigneural als beste Typen vertraten, war in ihm jüdisches und deutsches Wesen zusammengeschmolzen. Wo der gute Europäer bei ihm aufhörte und der patriotische durch und durch gebildete aktive Deutsche der besten Art anfing, wo jüdisches Solidaritätsgefühl, Stolz auf das alte jüdische Erbgut und ein ganz starkes Heimatsbewußtsein, getragen von einem wirklichen Wissen um das große heimatlicheKulturgut, sich gegenseitig abgrenzten, war in der selbstbewußten aktiven Persönlichkeit Ernst Wilmersdoerffers, die aus einem Guß war, nicht abzuzirkeln. In ihm verband sich ein großes anerkanntes fachliches Wissen, das ihn zu einem der angesehensten Männer seines Standes machte, mit einer ungewöhnlichen allgemeinen Bildung, von der seine Vorträge, seine bekannten wissenschaftlichen Arbeiten über italienisches Geistesgut und seine wertvollen Zeitungsaufsätze Zeugnis geben. Noch zuletzt in diesem Winter hielt er einen temperamentvollen Vortrag über Carlebachs „Exotische Juden" und verglich damit seine persönlichen Eindrücke auf seinen Reisen nach Italien, Griechenland und Nordafrdka, wo den jüdischen Zentren seine besondere Aufmerksamkeit galt. Ein ausgezeichneter Gatte und Vater, ein guter, ewig junger Freund mit allen gesellschaftlichen Tugenden ist seiner Familie und seinem weiteren Kreis von Freunden und Bekannten verloren gegangen. Israelitische Religionsgesellschaft Adaß-Jeschurun Aus Anlaß des sechzigjährigen Bestehens der Israelitischen Religiiönsgesellschaft Adaß-Jeschurun hat am 31. Dezember 1932 ein Festgottesdienst im Betsaal der Münchener Kultusgemeinde stattgefunden, bei dem Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu die Festprediigt hielt. Bei dem Festakt am Abend desselben Tages hielt der Vorsitzende der Gesellschaft, Dipl.-Ing. Stern, die Festrede, Rabbiner Dr. Baerwald, Justizrat Dr. Fränkel und Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer hielten Ansprachen. Der Vorsitzende der Münchener Kultusgemeinde führte bei dieser Gelegenheit u. a. aus: Zu den einander widerstreitenden Ideen dieser Zeit, die um ihre Geltung ringen, gehören die Begriffe der Einzelpersönlichkeit und Gemeinschaft, der Gruppe und' Gesamtheit. Wenn 'wir für unsere jüdische Gemeinschaft hier nach dem leitenden Gedanken suchen, so ist er nicht außen..zu suchen; die Verhältnisse der politischen Richtungen und Parteien sind nicht auf unsere Einrichtungen zu übertragen. Wir müssen diesen leitenden Gedanken vielmehr dem Wesen unserer jüdischen Gemeinschaft entnehmen. Und da zeigt sich, . daß diese bei lihrer itsivk beweglichen geistigen Art . immer eine Fülle von Einzelgebilden mit eigenem geistigen Leben aufweist. Fast jede Gemeinde hat ihren eigenen Ritus und!.ihre eigenen Gebräuche. Es ist eine große Zahl religiöser Republiken, die sich da auftut. Allein nicht nur die Gemeinden weichen in ihren Gebräuchen und Einrichtungen voneinander ab. Auch innerhalb einer einzelnen größeren Gemeinde zeigen sich religiöse Richtungen und Schattierungen. Und es ist gut so. Denn der Geist will sich in der Richtung zu seinem Schöpfer frei entfalten. Eine Grenze aber ist diesen Differenzierungsen gesetzt. Sie müssen alle dem einen großen jüdischen Gedanken dienen, sie müssen alle in die große jüdische Gemeinschaft münden. Aus dem harmonischen Zusammenklang der Geister erst ergibt sich unsere Huldigung vor dem Allmächtigen. In diesem Sinne bringt die Münchener Gemeinde die herzlichsten Wünsche der Gesellschaft dar. Möge sie blühen und gedeihen zur Ehre ihrer Begründer, zur Freude ihrer Mitglieder, zum Stolze unserer jüdischen Gemeinschaft. Chanukkafeier der jüdischen Volksschule Die Chanukkafeier der jüdischen Volksschule München am sechsten Abend des Festes war in jeder Beziehung eine gelungene Veranstaltung. Man weiß nicht, worüber man sich mehr freuen soll, über das frisch-fröhliche und ungezwungene Sprechen, Singen, Turnen und Tanzen der Schuljugend, über die Opferwilligkeit der Lehrerschaft oder über das künstlerische Arrangement der Freunde der Schule. Die Feier zerfiel in zwei Teile, in einen jüdisch-religiösen und in 'einen allgemeinen, die Leistungen der Schuljugend auf den verschiedensten Gebieten zeigend. Im ersten Teile wurde nach einem schön gesprochenen Prolog von einem Knaben entzündet und vom gesamten Chor die Festhymne Moaus-Zur gesungen. Dann wurden in einem künstlerisch sehr fein" abgestimmten Rahmen die Lichter des jüdischen Jahres von den Kindern dargestellt und durch Verse erklärt. Daran schloß sich eine stramm ausgeführte turnerische Leistung der kleineren Knaben, den Makkabäerkampf darstellend. Darauf folgte eine hervorragend in hebräischer Sprache dargebotene Szene „Abraham und die Götzen", bei welcher sich insbesondere der Darsteller des Abraham durch edle und verständnisvolle Wiedergabe des" hebräischen Textes und natürliche Geste auszeichnete. Den Schluß dieses Teiles bildete das von zwei Solisten und dem ganzen Chor gesungene Hagada-Lied „Echod mi jodea". Im zweiten Teil führten die größeren Knaben eine humo-! Gegr. 1869 Bayerische Vereinsbank Kredit- und Hypothekenbank Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns r. d. Rh. Sorgfältige und entgegenkommende Erledigung von Bankgeschäften aller Art Sparverkehr Verkauf von Gold-Pfandbriefen

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