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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-01-01 · 1 (1.1.1933) · p. Seite 7

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
1 (1.1.1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr.l Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 7 Vorzügliche Betten und f,eUdigen Hotel Bayerischer Hoff Dienst am Gast ar^rkomme"h6it 1 Augsburg heute verschlossen; außerdem ist an die Stelle des Wachstums der jüdischen Bevölkerung von damals ein rapider Rückgang, der andauert und immer stärker wird, getreten. Die alten Leute stellen heute in Deutschland bei den Juden einen lV^mal so hohen Satz wie bei den Nichtjuden, während die jüngeren und jüngsten Jahresklassen bei den Juden eine viel kleinere Quote zeigen als bei der übrigen Bevölkerung, deren Altersaufbau im übrigen schon an und für sich durch eine starke Überalterung gekennzeichnet ist. Die unabwendbaren Folgen der kapitalistischen Entwicklung, die verästelten Gebilde der gebundenen und verstaatlichten Wirtschaft, die Kartelle und Syndikate mit ihren verheerenden Wirkungen auf ein freies, selbständiges, wagemutiges und ideenerfülltes Unternehmertum, das alles sind Erscheinungen, die sehr häufig gef schildert und statistisch dargestellt worden sind. An Stelle eines wirtschaftlich uneingeengten Geländes, auf dem ein Wettbewerb der Begabungen ausgetragen wird, entstanden abgesperrte bürokratische Dienststellen der Kartelle und des Staates. Die Türen dieser neuen Betriebe und Stellen bleiben den Juden meist verschlossen. In der Bayerischen Staatsbank in München gibt es beispielsweise nach einer Aufstellung des Bayerischen Kurier (1930; Seite 159 in dem Artikel „Die Personalverhältnisse bei der Staatsbank") »unter den 1061 Beamten nur einen einzigen Juden. Die Juden haben einst bekanntlich (vgl. Hümmert, Die finanziellen Beziehungen jüdischer Bankiers und Heereslieferanten zum bayerischen Staat; München 1927) der Bayerischen Staatsbank fast zwei Drittel ihres Aktienkapitals besorgt. „Von dem Aktienkapital der bayerischen Hypotheken- und Wechselbank im Gesamtbetrag von 10 Millionen Gulden im Jahr 1835 zeichneten Simon von Eichthal (der Sohn des Münchener Bankier Seligmann, der 1824 als Aron Elias Freiherr v. Eichthal starb) 3 357 300 fl., sein Bruder Arnold v. Eichthal, Bankier in Augsburg, 25 000 fl., Maier Anselm v. Rothschild in Frankfurt 1 500 000 fl., Samuel v. Hirsch in Würzburg 30 000 fl., die Brüder Aarons in Berlin 150 000 fl., der Bankier Isidor Obermayer in Augsburg 150 000 fl., Kommerzienrat Marx in München 100 000 fl. und der Bankier Karl Westheimer in München 70000 fl. Demnach zeichneten diese Geldgeber jüdischer Herkunft insgesamt 6332 500 Gulden oder 63,3% des Aktienkapitals" (siehe Hümmert a. a. O. Seite 40). Sic transit gloria mundi! Die Auflösung des wirtschaftlichen Liberalismus hat hier einen einschneidenden Wandel geschaffen. Der eine Prozentsatz Juden in Deutschland hat einstmals in der liberalen Ära der deutschen Wirtschaft ein Mehrfaches an belebender Kraft zum allgemeinen Nutzen beigesteuert. Der rückläufigen Bewegung, die als „Konjunkturkrise" oder „Strukturkrise" zu etikettieren den „Gelehrten" der Wirtschaftswissenschaft überlassen bleibe, kann nicht durch eine Art jüdischer .Autarkie" abgeholfen werden. Solche Selbstabsperrung könnte nur noch den Rest der jüdischen Wirtschaftskraft zerstören. Zusätzliche Leistung und Pflege der alten jüdischen individualistischen Tugenden, die zusehends abhanden kommen, als da sind Sparsamkeit und Selbstbescheidung, Zähigkeit und Wendigkeit bei absoluter geschäftlicher Zuverlässigkeit, wieder bessere Pflege des Gehirns statt der körperlichen Glieder, sind bessere Mittel als unzulängliche Selbsthilfeorganisationen, die sich leicht charitativ verfärben. Die besondere Fähigkeit des Einzelnen, Klugheit und Tüchtigkeit, Fernhaltung von allem, gerade der beweglichen jüdischen Art so schlecht bekommenden, bürokratischen Geiste, die höchstmögliche allgemeine und fachliche Ausbildung, ein rasch zur Verfügung stehendes reiches allgemeines und spezielles Wissen, die ruhige überlegene Selbstbehauptung in besonders schwierigen Lagen, Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit und nicht nachlassende Zähigkeit sind auch heute noch Flügel, die helfen über Tal und Hügel. Allerdings die soziale und wirtschaftliche Gesamtumschichtung und in deren Gefolge die entsetzliche endgültige Ausschaltung vieler williger Kräfte aus dem Erwerbsleben bleibt unabwendbar; das ist gemeinsames Schicksal unserer Generation. F. Aus der Gemeinde München Jüdisches Kammerorchester. In dem Konzert des Jüdischen Kammerorchesters am 11. Dezember war es erfreulich zu sehen, daß es in der Münchner Judenschaft eine ansehnliche Zahl musikalischer Kräfte gibt, die sich unter der energischen. Führung des Dirigenten Erich Erck immer mehr zu einem durchaus ernst zu nehmenden Ensemble zusammenfügen. Da es fast ausschließlich nur Streicher. sind, möchte man dem Orchester noch etwas Zuwachs an Bläsern wünschen, um eine Erweiterung der bisher gesteckten Grenzen in der Programmbildung zu ermöglichet!. Das diesmal gehörte Programm befaßte sich diesen Grenzen entsprechend auch nur mit Preziosen älterer Musik: Händel: Concerto grosso d-moll, Bach: Klavierkonzert d-moll und Vivaldi: Concerto grosso F-dur. Die Wiedergabe all dieser Werke stand auf beträchtlicher Höhe und lohnte reichlich die hingebungsvolle Arbeit des tüchtigen Dirigenten und der Mitwirkenden. Etwas mehr Freiheit und Leichtigkeit in den manuellen Bewegungen des Dirigenten käme sicher einem manchmal noch etwas bestimmteren,und manchmal etwas flüssigeren Spiel des Orchesters zugute. Die Concertanti lagen bei den Damen: Henny Kupfer, Resl Müller, Leonie Zuntz und bei den Herren: Sie gm. Schapira, Dr. Benno Flehinger, Dr. Erich Gut o w i t z und Kurt Jakob in den besten Händen. Besonders Henny Kupfer und Siegm. Schapira entledigten sich ihrer nicht anspruchslosen Aufgabe mit viel Geschick. Als Solist für das Bachsche Klavierkonzert hatte sich Paul Frankenbur ger in sehr verdienstvoller Weise zur Verfügung gestellt. Er führte seinen Part mit der ihm eigenen hohen Musikalität und feinem Stilgefühl durch und glich gelegentlich vom Orchester kommende leichte Schwankungen vom Soloinstrument her in geschickter Weise aus. Herzlicher Beifall der Zuhörer dankte dem Dirigenten, Solisten und allen Mitwirkenden. O. Sch.

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