Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 1 (1.1.1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung aber es ist eine Hybris, die einen faustischen (also deutschen) Zug hat... und in tragische Konflikte mit der Gemeinschaft kommen muß, der sie -dienen will. KaysersBuch rührt an so entscheidende Dinge wie Religion oder Rasse. Das Beispiel Spinoza lehrt, daß die Religion nicht •das allein-wesentliche für den jüdischen Menschen sein kann. Es ist eine, Geisteshaltung, die im geschichtlichen Werden eines Volks wurzelt. Ein Rasseproblem aber ist die judische Frage noch weniger als eine religiöse. Der Humus von Spinozas Leben und Lehre ist sein marannischer Ursprung. Ein spanischer Hinister hat in unseren Tagen erklärt, daß sein Land sich im Zeitalter der Inquisition des Vorteils begeben habe, Wiege einer wundervollen jüdischen Kultur z>u sein. Und Spinoza ist so sehr Niederländer geworden, daß er das typische Schicksal zweier großer Zeitgenossen der neuen Heimat teilen konnte: des Staatsmanns Jan de Witt und des großen Rembrandt. Lutz Weltmann. Das wirtschaftliche Schicksal des deutschen Judentums Die letzten Jahre brachten eine Reihe namhafter sozialwissenschaftlicher Arbeiten über die Bevölkerungs-, Berufs- und Wirtschaftsverhältnisse der deutschen Juden der Gegenwart. Die grundlegenden neueren Bücher von Silbergleit, Alfred Marcus und Zielenziger sind in diesen Blättern nach allen Seiten behandelt und in ihren Ergebnissen mitgeteilt worden. Eine eben erschienene Monographie von Jak o b Le s tschinsky „Das wirtschaftliche Schicksal •des deutschen Judentums" (Schriften der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden Nr. VII; 175 Seiten; Preis RM. 3.50) gibt zunächst eine selbständige historische Darstellung des wirtschaftlichen Schicksals der deutschen Juden in den letzten hundert Jahren und wendet sich dann in einer umsichtigen materialreichen, hauptsächlich statistischen Behandlung den Fragen der Verstädterung der deutschen Juden zu, ferner dem Geschlechts- und Altersaufbau, der Berufsumschichtung in den letzten zehn Jahren, der Rolle der Juden in den einzelnen Wirtschaftszweigen, der sozialen Gliederung, endlich der neuesten Entwicklung durch den Wandel des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Wir erinnern zur Einführung in das neue wertvolle Buch Lestschinskys an die bekannten Grundtatsachen, die durch das Silbergleitsche Zahlenwerk mit unabweisbarer Evidenz erschlossen sind: Von insgesamt bei Silbergleit erfaßten 403 969 Juden in; Preußen (etwas mehr als 1 % der Gesamtbevölkerung), junter denen 76387 Reichsausländer waren, gehörten an: i der Landwirtschaft 4224, der Industrie einschließlich I Bergbau und Baugewerbe 92 477, dem Handel und Ver- ( kehr 216615, der Verwaltung etc. sowie den freien Be- / rufen 21028, dem Gesundheitswesen und der Wohlfahrts- | pflege 15 188, den häuslichen Diensten und dem Erwerb I ohne Angabe des Betriebes 7371; ohne Beruf waren | 47966. Der jüdische Prozentsatz in Handel und! Verkehr ist mit 53,6 auffällig hoch; er beträgt für die j gesamte Wohnbevölkerung des Reiches im Jahre 1925 j nur 16,9. Nach der sozialen Stellung weicht die jüdische Bevölkerung von der üblichen Gliederung ebenfalls stark ab. Denn es sind von 100 Berufszugehörigen der der Juden Wohnbevölkerung in Preußen des Reiches Selbständige 20,9 54,4 Angestellte und Beamte 16,3 23,4 Arbeiter 42,6 5,9 Mithelfende Familienangehörige 8,9 3,7 Hausangestellte 2,2 1,0- Ohne Beruf 9,1 11,7 Bei den Juden sind also mehr als die Hälfte Selbständige, bei der Gesamtbevölkerung nur etwa ein Fünftel. Selbständige, Angestellte und Beamte sind hei den Juden mehr als drei Viertel, bei der Gesamtbevölkerung nur ein starkes Drittel. Bezüglich der Wohnweise der Juden in Preußen ergibt sich die gleiche Einseitigkeit: in 20 Großstädten lebten 294230 =. 72,8% der Ermittelten. Die Geburtenhäufigkeitder Juden Preußens lag bis 1860 bei der allgemeinen, kurz vor dem Weltkriege war sie nur halb so groß wie die der Gesamtbevölkerung. Andererseits hat die jüdische Sterblichkeit stets weit unter der allgemeinen gelegen. Von 1867 bis 1910 hat die allgemeine Bevölkerung um zwei Drittel, die jüdische nur um ein Drittel zugenommen. Für die Zukunft der jüdischen Bevölkerungsentwicklung stellt Silbergleit keine günstige Prognose, indem er die gegenwärtige Altersverteilung als „ins Groteske ausartend" bezeichnet. Die in den Silbergleitschen Zahlen nach dem Stand von 1925 (wir sind heute bereits im Jahr 1933) deutlich gemachten Tendenzen des jüdischen ßevölkerungsschwundes, der Vergreisung und Verengerung der Wirtschaftsbasis haben sich in den letzten acht Jahren verstärkt und herrschen in der gleichen Stärke auch in den nicht-preußischen Ländern. Speziell in Bayern, das vor hundert Jahren noch mehr als 20% aller deutschen Juden umfaßte, während heute knapp 8 % der deutschen Juden in Bayern wohnen, wich man in früheren Jahrzehnten, besonders in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts dem wirtschaftlichen und politischen Druck durch eine starke Auswanderung, namentlich nach Nordamerika, aus. Dieses Ventil ist Eig. Konditorei ITITV w«»» HB ■ STRASSE NR. Vornehmer Aufenthalt im Stadtzentrum Nachmittag im roten Salon 5 Uhr Tee-Konzert und Tanz Abends ab 8 Uhr Tanz Stimmung und Humor Es spielt die Salon-Kapelle van Bergh Ab Syivester stimmungsvolle Dekoration des roten Salons: Italienischer Marktplatz