Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 1 (1.1.1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Pickl's Karlsbadermischung für RM. 2.80 mit 5°/0fn Rabattmarken ist von unerei&ter Güte und Ergiebigkeit, von einem großen Kundenkreis bevorzugt und empfohlen. ROBERT PICKL, KAFFEE-, TEE-IMPORT, GROSSRÖSTEREI Hauptgeschäft: Reicfaenbacfastrafe 5 ■ Orlandosira£e 3 Rosenial 1 RM. 2.2 Vortrag von Kastein — Randjuden. Bei diesem jüngsten Vortrag „Jüdisches Schicksal — Jüdische Gegenwart" des bekannten jüdischen Schriftstellers vor einem großen Kreis zeigte es sich wieder an der Behandlung eines aktuellen Themas, wie sehr unter einer zugespitzten Formulierung, unter einer blitzenden und herausfordernden Antithese die eigentliche geschichtliche Wahrheit leidet, außerdem aber auch, daß durch den Mangel überlegener und gerechter Betrachtung jüdisches Schicksal mißdeutet und jüdische Gegenwart verzerrt wird. Indem der Redner die nicht-orthodoxen und nicht-zionistischen Juden als „Randjuden" bezeichnet, erspart er sich ein Eindringen in den wirklichen Ablauf und in die echte Problematik der jüdischen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Vom Randjuden geht nach Kastein die geistige Auflösung des Judentums aus. Daß die Beurteilung, wer ein Randjude und wer ein Zentraljude ist, bei Kastein nicht in der Hand eines gerechten Richters von innerer Ausgeglichenheit und sicherer Klarheit liegt, bewies seine jüdische Geschichte, die, ähnlich wie Emil Ludwig über Goethe, Napoleon, Jesus und viele andere Heroen der Weltgeschichte schrieb, das Schicksal der Juden feuilletonisiert. Auch seine prozionistisch en Freunde, die geschult und verantwortungsbewußt an diese neue „Geschichte der Juden" herangingen, sind zu dem unbedingten Schluß gekommen: „Die Kräfte, die die Erhaltung des Judentums bewirkt haben, sind vonKasteinnichterfaßtworde n". Als Geschichtswerk ist das Buch Kasteins ohne Wert. Dieses Urteil hat der gewiß nicht des Liberalismus verdächtige Gelehrte Martin Plessner von der Frankfurter Universität im einzelnen sehr genau begründet (vgl. Frankfurter Israelitisches Gemeindeblatt, Okt 1932) und zum Schluß seines vernichtenden Urteils bemerkt: „Ich wünsche nicht, daß das Buch von Kastein für die jüdische Generation der Gegenwart der Geschiehtsersatz wird, aus dem sie die Berechtigung herleitet, an der Erkenntnis der jüdischen Geschichte, wie sie gewesen ist. vorbeizugehen." Und zu dem gleichen Schluß kommt Hugo Bergmann-Jerusalem (Die Literatur, Sept. 1932; S. 709), dem niemand den Rang hoher Kennerschaft absprechen oder antizionistischer Voreingenommenheit zeihen wird. „Mit Unrecht" — sagt Bergmann — „hat der Verfasser die gewöhnlichen Kategorien der Geschichtschreibung vernachlässigt." Der Emil Ludwig der jüdischen Geschichte ist auch als Deuter der Gegenwart in seinem Münchener Vortrag ein Literat geblieben, dem die glänzende Formulierung über die schlichtere Wahrheit ging. F. Konzert Reiter-Huberman Das zweite Konzert, idas Max Reiter, der neue Dirigent der Konzertgesiellschaft zu Mailand, bekanntlich ein Kind unserer Gemeinde, in diesem Winter gab, wurde zu einem außerordentlichen Erfolge. Der Abend wurde durch die Sinfonia breve Paul Graeners eröffnet Reiter erntete mit dem Komponisten reichen Beifall. Zu einem in seiner Tiefe und Vollkommenheit nicht nur in München seltenem Erlebnis steigerte sich der künstlerische Eindruck bei dem D-Dur-Violinkonzert von Brahms, zu dessen Wiedergabe Bronislaw Huberman gewonnen worden war. In •der V. Symphonie Peter Tschaikowskys, die den Abschluß des Abends bildete, führte der Stab Max Reiters das Orchester zu •einer ganz großen Leistung, die im letzten Säte des Werkes ihren Höhepunkt fand. Es ist bemerkenswert, mit welcher Leichtigkeit Max Reiter das Orchester zu einem gefügen Instrument seiner Begabung gemacht hat. Wie nach jedem Stück dankte das zahlreiche Publikum besonders herzlich. Auch die Presse bestätigt den großen Erfolg. Es ist zu hoffen, daß auch die nächsten zwei Abende in der Weise besucht werden, die ihrer Bedeutung entspricht. H. L. Zum Tod von Salomon Mihikes Kurz vor Vollendung seines 58. Lebensjahres ist nach langem, schwerem Leiden der in weiten Kreisen angesehene und geschätzte Zigarettenfabrikant Salomon Minikes gestorben. Er brachte als erster 1895 die Zigarettenindustrie nach München und errichtete 1897 die erste Zigarettenfabrik, die bald 150 Arbeiter beschäftigte. Als Mitbegründer und später Ehrenmitglied des Vereins zur Erbauung eines Monumentes für König Ludwig II. hat er sich, um die Errichtung des Münchener König- Ludwig-IL-Denkmals große Verdienste erworben. Während des Weltkrieges hat er über 100 000 Zigaretten als Liebesgaben ins Feld geschickt. Auch sonst hatte er eine offene Hand. Das Rote Kreuz wurde von ihm besonders unterstützt. Hier ist vor allem auch der Mitwirkung des Entschlafenen an jüdischen Aufgaben zu gedenken. Minikes war u. a. Mitgründer der Talmud-Thoraschule in München und viele Jahre Vorstand des Beth-Jakob, das ihm verschiedene Stiftungen zu verdanken hat. Minikes war sein ganzes Leben lang ein frommer Mann, an dessen Tür kein jüdischer Armer vergeblich klopfte. Winterhilfe Weitere Spenden für die Winterhilfe der Israelitischen Kultusgemeinde (Herzog-Max-Straße 3/1): Abt Leopold, Kommerzienrat, Wid.enmayerstraße 42; Adler Max, Hauptlehrer, Bürkleinstraße; Ascher Ludwig, Äuß. Prinzregentenstfaße 25; Adler Albert, Hohenzollernplatz 1; Adler Dr Paul, Elisbethstraße 35. Ballin Fritz, Konsul, Schackstraße 4; Buchmann Frl. Emilie, Geiselgasteig; Böhm-Guarino Frau, Mauerkiroherstraße 36; Bacharach Dr., Rechtsanwalt, Mauerkircherstraße 13; Bacharach Herr, Pensionat, Kaulbaohstraße; Banasch Clara u. Olga, Herzog-Max-Straße 3; Bach Louis. Karlsplatz 24; Berolzheimer Dr. Rieh., Karlstr.; BöhmOskar,Glaserrn.,Thierschstr.;Fa.Bach Isidor, Sendlinger Straße; Baldauf Gustav, Dipl.-Ing., Seestraße 5; B.ehr Frau Lina, Äuß. Prinzregentenstraße 11; Bernheim Adolf, Lamontstraße 3; Böhm Wilhelm, Elisabethstraße; Bamberger & Herz, Kaufingerstraße; Bäsch Julius, Wddenmayerstraße 16; Berlinger Abraham, Hauptlehrer, Wurzerstr. 15; Brader Max, St.-Pauls-Platz 3; Blumenstein Dr. Carl, Justizrat, Harlaching; Buff Dr. Berthold, Herzog-Rudolf-Straße 47; Beer Frau Edith de, Herzog-Wilhelm-Straße; Bauer Dr. Max, Ohmstraße 13; Blumgart Fr. Thekla, Elisabethstraße 11. Cohen Sally, Schubertstr. 7; Calhnann Dr., Brienner Straße; Cohn Siegfried i Fa. Schulz, Färtbergraben; Cahn Emil, Grimmstraße 4. 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