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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-12-15 · 24 (15.12.1932) · p. Seite 374

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
24 (15.12.1932)
Date
1932-12-15
Page
Seite 374 (sequence 2)
Language
German
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374 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 24 Phot. Erich Kwileeki, Berlin An der berühmten Kartause vn Pavia bei Mailand (gegründet 1396) befindet sich, dem Geschmack der Renaissance entsprechend, ein Marmorfries mit den Medaillons antiker Feldherren. Unser Bild zeigt neben Alexander dem Großen links Juda Makkabi mit typisch jüdischen Gesichtszügen. In der Mitte das Wappen der Stifter des Klosters, der Familie Sforza. krieges weiß letztlich davon zu berichten. Als Folge ergab sich, daß es dauernd zu politischer Abhängigkeit von einer der benachbarten Großmächte verurteilt war — und auch daran hatte die neuere und neueste Zeit nichts geändert. Die Zerstörung Jerusalems von 586 hatte das aus der Assyrerzeit noch übriggebliebene Südreich zur babylonischen Provinz gemacht und als Kyros die Verbannten zurückschickte, errichteten sie ein Staatswesen, das unter persischer Oberhoheit stand. Aus der Hand der Perser ging das Land in die Alexanders über und wurde von makedonischen Statthaltern regiert. Nach seinem Tode kämpften die Ptolemäer und die Seleukiden um seinen Besitz. Für ein Jahrhundert behielten die Ptolemäer die Oberhand, dann fügte es Antiochos III. 198 seinem großen syrisch-mesopotamischen Reiche ein. War die ägyptische Periode eine Zeit relativ friedlicher Entwicklung und stiller Anpassung an den griechischen Geist der Welt gewesen, so brachten die neuen Herren bald Sturm über Israel. Der politische Rückgang der Seleukidenmacht führte zu gewaltig sich steigerndem Steuerdruck und zur Beraubung des Tempelschatzes. Und die Ränke der Staatsleiter veranlaßten den Antiochos III. Epiphanes, eines Tages Jerusalem mit Brand und Mord heimzusuchen (168), seine. Mauern niederzulegen und eine syrische Besatzung in der Burg zu stationieren. Hand in Hand damit ging das Bestreben, den jüdischen Kult zu unterdrücken und die freiwillig schon ziemlich weit gediehene Hellenisierung der Stadtbevölkerung gewaltsam zu beschleunigen, im ganzen Lande zu verbreiten und auch auf das Gebiet der Religion auszudehnen. Die Antwort war der Bauernaufstand der Frommen unter der Führung des Hasmonäers Judas Makkabäus und seiner Brüder, die in einem an Wechselfällen reichen 26jährigen Krieg (167—141) dem Vaterlande nicht nur die religiöse, sondern erstaunlicherweise auch die politische Freiheit erkämpften. Seit unausdenklichen Jahrhunderten war das Volk Israel zum erstenmal wieder frei und niemandem untertan. Sein Hohepriester war Fürst und hieß auch bald König des Volkes: Der Thron Davids war wieder aufgerichtet. Israels Heer schirmte seine Grenzen und dehnte sie aus, während die eben noch so übermächtigen Reiche der Seleukiden und der Ptolemäer in sich selbst zusammensanken und kraftlos waren. Unter Janäus Alexander (105—78), der hebräisch und griechisch den Königstitel auf seine Münzen prägte, gewann das jüdische Reich seine größte Ausdehnung und gebot auch weithin in Ostjordland den griechischen Städten. Rund ein Jahrhundert hat dieser ungewöhnliche Zustand politischer Freiheit gedauert: lange genug, um sich dem Gedächtnis der Nation für zwei weitere Jahrhunderte als Ziel der Sehnsucht einzuprägen. Als sich die Söhne des Jannäus, der träge Hyrkan II. und der leidenschaftliche Aristobul II., um die Krone stritten, riefen beide die Römer zu Hilfe. Die kamen: zuerst der Legat Scaurus, der den Aristobul unterstützte, dann Pompejus selbst. Aber Aristobul verlor die römische Gunst und verschanzte sich im Tempel. Jerusalem wurde wieder Kriegsschauplatz. Nach dreimonatlicher Belagerung wurde der Tempelberg von den Römern gestürmt (63), und Pompejus betrat zum Entsetzen des Volkes das Allerheiligste. Der Traum der jüdischen Freiheit war ausgeträumt. Oianukkah Vor einigen Wochen, am 8. Oktober, starb in Stryj in Galizien der dortige Oberrabbiner Eleazar Lädier, ein direkter Nachkomme des Rabbi Israel Baal schem tow (Beseht) von Ladi, des bekannten Begründers der chasidischen Bewegung. Eleazar Lädier war nicht nur in der jüdischen Gelehrtenwelt durch seine auch für ostjüdische Verhältnisse ungewöhnlichen talmudischen Kenntnisse rühmlichst bekannt, sondern er war auch, namentlich in seinen jungen Jahren, ein gefeierter hebräischer Schriftsteller. Für die Vielseitigkeit dieses Genies zeugt es, daß er sich, obwohl niemals in deutschsprachiger Umgebung lebend, auch als deutscher Schriftsteller und Dichter betätigte. Rabbiner Dr. Prys in München, ein Schwager des Verstorbenen, hatte die Freundlichkeit uns auf unser Ersuchen aus dem weit verstreuten literarischen Nachlaß folgendes Gedicht zur Verfügung zu stellen, das seiner Form und seinem Inhalt nach zweifellos zu den Weihevollsten gehört, was in dieser Art über das bevorstehende Chanukkafest gesagt wurde: Durch die Wiederveröffentlichung des Gedichtes wollen wir gleichzeitig auf unsere Weise dem Genius des Heimgegangenen huldigen und sein Andenken ehren. Von deinem großen Strahlenmeer Das leuchtend wogte rings umher Blieb, Juda, dieses Lichtlein dir Das zage bebt an deiner Tür ... Von allen Scheunen, die dein Land Mit Schätzen füllte bis zum Rand, Von allem was dein Boden trug Blieb dir dies bischen Öl im Krug... So zünde mutig noch einmal Das alte Licht an diesem Strahl Und lass dies Krüglein sein die Saat Für neue Arbeit, neue Tat...

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