Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 24 (15.12.1932)
- Date
- 1932-12-15
- Page
- Seite 373 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dagevlche Nachrichtenblatt üer IsraeMschen KultuSgemeinöen in München/ Augsburg/ Hamberg unö öeü Verbanöes Vatzerischer Israellttscher Gemeinöen Erscheint am l.u. 15. jeden Monats.—Verlag: B.Heller, München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für das Plinganserstr.64, Tel. 73 6 64 u. 73665, Postscheck München 3987, Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Ta- Schriftleitung: Dr. L. Feuchtwanger, München, Grillparzerstr. 38 rif. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. VIII. Jahrgang München, 15. Dezember 1932 Nummer 24 Inhalt: Der welthistorische Hintergrund der. Makkabäer-Erhe- Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über bung — Chanukkah — Aus der Gemeinde München — Aus der Verlängerung des Rechnungsjahres 1932 und Ergänzung des Gemeinde Augsburg —.Aus bayerischen Gemeinden — Vereine Haushaltsplans — Bekanntmachung, über Änderung der Vor- — Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern — läufigen Verfassung — Personalia. Bücherschau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen der Der welthistorische Hintergrund der Malckabäer-Erhebung Die Befreiung des jüdischen Landes durch Juda Makkabi ist von den Juden der beiden seitdem vergangenen Jahrtausende verschieden bewertet worden. Nicht die Tat des nationalen Helden, sondern die wunderbare göttliche Hilfe in höchster Gefahr, in der das Religionsgesetz schwebte, war dem alten talmudischen Judentum das Denkwürdige. In unseren Tagen rückt dagegen wieder die heroisch-weltliche und national-politische Seite in den Vordergrund. Der unbefangene Historiker muß die Ereignisse, wie sie wirklich gewesen sind, nach ihren inneren Eigengesetzen, aus der Epoche selbst, die er betrachtet, zu verstehen suchen; zedtfremde Tendenzen hat er von seiner streng sachlichen Einschätzung der Dinge völlig fernzuhalten. Eine solche objektive historische Betrachtung liegt der neuesten Darstellung von Hans Lietzm a n n zugrunde, dessen bedeutendes Werk „Geschichte der alten Kirche“ wir in der vorigen Nummer der Gemeindezeitung anzeigen konnten. Der berühmte Berliner Historiker gibt gibt darin aus ersten Quellen ein Bild von dem weltgeschichtlichen Hintergrund der Entstehung des Christentums. Seine Darstellung gilt zunächst den ersten beiden vorchristlichen Jahrhunderten in Judaea, der geistigen und politischen Situation dieses bewegten Landstrichs. Daraus entnehmen wir den ersten Abschnitt über die welthistorische Atmosphäre der Makkabaer-B’ewegung. Das römische'Imperium schickte sich an, seinen Ring um das Mittelmeer im Osten zu schließen: nicht nach dem umfassenden Plan eines überlegenen Geistes, sondern durch den inneren Zwang der politischen und militärischen Tatsachen. Griechenland war in der Mitte, das westliche Kleinasien am Ende des zweiten Jahrhunderts gewonnen. Da stellte die Künheit und Zähigkeit des Königs Mithradates von Pontus den ganzen östlichen Erwerb noch einmal in Frage und nötigte den Römern einen fünfundzwanzigjährigen Krieg auf (88—63), der zuletzt den Charakter eines asiatischen Befreiungskampfes gegen die abendländischen Eroberer annahm und von Rom den Einsatz seiner vollen Kraft und seiner besten Männer forderte. Gleichzeitig brach des Mithradates Schwiegersohn Tigranes von Armenien nicht nur in Medien und das nordwestliche Mesopotamien ein, sondern unterwarf sich auch Kappadokien und Kilikien und griff nach der nördlichen Hälfte des längst zersplitterten Seleukidenreichs in Syrien: Antiochia wurde eine seiner Residenzstädte. Der römischen Gegenwirkung waren dadurch ihre Ziele gesteckt, und römische Truppen betraten syrisches Gebiet.. Wie ein übermächtiger Magnet zog der siegreiche Feldherr Pompejus die Gesandtschaften der miteinander hadernden Parteien aus allen Gegenden Syriens an sich, und die römische Hand wurde spürbar. Erst nur tastend und mit leichtem Druck. Aber gegen Ende 64 erschien Pompejus selbst in Syrien und griff durch. Wenige Monate später gab es an Stelle des vom seleukidischen Erbe noch gebliebenen Trümmerhaufens eine römische Provinz Syria. Ihre Verwaltungseinheiten waren von zweierlei Art. Wo die hellenistischen Städte der Seleukidenzeit die erforderliche Bedeutung hatten, wurden sie unter einer aristokratischen Verfassung für autonom erklärt, und ihre Stadtgebiete bildeten kleine Regierungsbezirke. Wo dagegen orientalisches Wesen dominierte, ließ man einheimische Dynastien am Regiment und machte sie für Ruhe, Ordnung und pünktliches Steuerzahlen verantwortlich. Als ein mit besonderer Vorsicht zu behandelndes Staatswesen dieser zweiten Kategorie erwies sich Judäa, sowohl wegen des Geistes als auch wegen der po'irischen Erlebnisse seiner Bewohner. Schon in frühen Jahrhunderten hatte das Volk Israel die Ungunst seiner geographischen Lage schmerzlich zu spüren bekommen. Palästina war nun einmal die Brücke zwischen den Weltreichen des Orients und dem Reich der Pharaonen und somit bestimmt, ein ständiger Zankapfel zwischen den großen Rivalen zu sein. Auf seinem Boden wurden Entscheidungsschlachten geschlagen, und durch seine Grenzen gingen die Heereszüge, und das ist das Schicksal des Landes geblieben bis auf den heutigen Tag; die Chronik des Welt-