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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1932-11-15 · 10 (15.11.1932) · p. Seite 27

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1932
Issue
10 (15.11.1932)
Date
1932-11-15
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10 27 gewesen wäre, so ist es doch durch die meistens furchtbar schlechte und noch dazu angewöhnte Aussprache zu Unbrauchbarem geworden, so daß man also ruhig annehmen kann, von dem, was die Kinder zur Schule mitbringen, ist kaum etwas Brauchbares zum erfolgreichen Aufbau vorauszusetzen. Wenn man bedenkt, daß der allgemeine Gesamtunterricht bereits am zweiten Schultage beginnen kann, weil ja die Muttersprache von den Kindern beherrscht wird, so ist leicht zu ermessen, was der Unterricht im Hebräischen zunächst als seine Aufgabe anzusehen hat, nämlich die oben erwähnten Versteh- und Sprechübungen, welche das erste Schuljahr-Drittel ausfüllen dürfen. Diese haben zum Ziel die Bildung eines Wortschatzes und eines damit verbundenen Sprachgefühls. Sie stellen in ihren Dienst, nicht nur den der Individuallage des Kindes angemessenen Arbeitsunterricht, sondern alle körperlichen und geistigen Eigenheiten der Schulneulinge, wie den Bewegungs-, Arbeits-, Nachahmungs- und Spieltrieb, die fortschreitende Kraft der Sprachbilduug und Sprachentwicklung, die Freude graphischer Darstellung und die Freude über das schrittweise Fortschreiten und den Erfolg in den neuen, bisher unbekannten Wissensgebieten. Weil die Ichwelt des Kindes und seine Umwelt noch eins sind, wenden wir uns Dingen der sinnlichen Wahrnehmung zu und verlangen Beziehungen mit diesen Dingen. Teile des Körpers und dessen Tätigkeiten, Dinge in der Schule und aus dem Erfahrungskreis der Kinder, Dinge aus der biblischen Geschichte, sinnlich wahrnehmbare Eigenschaften, häufig vorkommende Redensarten ’jX p X? das sind die ersten Objekte der Sprechübungen. Man nimmt schon gleich von vornherein zur übungsmäßigen Erlernung solche Begriffe und Wörter, die dem fernen Ziel des Chumesch und der Tefilloh Vorarbeiten, denn wir wollen und können nicht neuhebräischen Sprachunterricht treiben. Dazu fehlt uns auch die Zeit. Selbstverständlich schließen wir neuhebräische Wörter nicht grundsätzlich aus, wenn sie im Anschauungskreise des Kindes liegen, z. B. Heft rmno Es folgen dann bei der praktischen Gestaltung zunächst Bildung von Wortvorstellungen, die, wenn die Zeit da ist, die Sprachschwelle überschreiten, und zur lautlichen Darstellung drängen. Es werden Befehle erteilt, welche die Kinder mit großer Freude ausführen und schon vom zweiten Schultage an Klassenunterricht gestatten. Diese Übungen, im heimatkundlichen Anschauungsunterricht begründet, bringen so die Erarbeitung einer stattlichen Anzahl Wörter und kleiner Sätze, tragen dem Freudebedürfnis der Kinder besonders Rechnung und wahren den Spielcharakter des vorschulpflichtigen Alters. Sprachlich Begabte ziehen die Minderbegabten heran, bringen diese zum Sprechen, indem sie sie selbst auffordern dürfen, die Befehle auszuführen und.die Namen der Dinge auszusprechen. So sind bereits aus den Verstehübungen Sprechübungen geworden. Die einfachen, sogen. Aktionsverba nns uni) “Vn 2L"» kommen in Anwendung, zunächst in "iay und ’Zn^In gemischten Klassen ist es sehr leicht, gleich männlich und weiblich, Einzahl und Mehrzahl, einzuführen. Es bildet sich ein Einstellungszentrum für die hebräische Sprache, ein sicheres Sprachgefühl, eine vermehrte sich immer erweiternde Sprachkraft für das Hebräische und ein fester konkreter Wortschatz, der nunmehr als Apperzeptions-Hintergrund dient zur Bewirkung neuer Sachverhalts-Beziehungen und zur Aufnahme neuer Wörter. Das Kind bekommt an häuslichen selbständigen Übungen Freude, indem seine Spielsachen, die Gegenstände seiner Umgebung, die Personen seines Umgangs in den Bereich der neuen Sprache gezogen werden. Ihnen erteilt es seine Befehle. Das Kind hat eine richtige Lautschulung, sowohl durch den erlernten Wortschatz als auch durch den lautrichtigen Vortrag der Anfangsgebete. Der heimatkundliche Religionsunterricht, der Ablauf des jüdischen Jahres und auch die Biblische Geschichte, geben einen gesamten Religionsunterricht, der als erste Voraussetzung für inhaltsvolles Lesenlernen sicher angesehen werden kann. Nun können wir eigentlich mit dem hebräischen Unterricht erst da anfangen, wo der Gesamtunterricht bei den Schulneulingen gleich in den ersten Tagen beginnen konnte, da wir das ganze erste Schuljahrdrittel zur Schaffung der notwendigen Voraussetzung benützen mußten. Aber trotzdem haben wir die Zeit nicht nur zu Sprechübungen allein verwendet, sondern das, was die Kinder vom Gesamtunterricht erlernten: Zahlauffassung, Schreibschulung, Gebrauch des Lesekastens, Technik des Zusammenlesens, Lautschulung, der Wortschatz und seine Erweiterung in der mündlichen Ausdrucksfähigkeit, Zeichnen, Malen, Kneten, Formen, Ausschneiden und Basteln, alles das kommt auch dem hebräischen Unterricht zugute. Es hat sich nun für den Weiterbau eine Grundlage gebildet, auf welcher man mit Leichtigkeit das Lesenlernen und das Lehren des Buchstabenmaterials zu einem inhaltvollen Lesen fast garantieren kann. Die geistigen Dispositionen: Wortschatz, Sp-rachvermögen, Sprachgefühl, Gehörschulung für das Hebräische, das Lautbewußtsein, die Handfertigkeiten und die Technik des Zusammenlesens, sind im Zusammenwirken des Religionsunterrichtes, der Sprechübungen und des Gesamtunterrichtes zu einer sicheren Grundlage für den Weiterbau geworden. Wo diese Grundlage fehlt und sogleich, wie es bisher üblich war, der Unterricht sofort mit dem Einlesen der trockenen Schriftformen beginnt, hängt das ganze Gebäude, das man aufrichten will, psychologisch in der Luft. Es ist wie ein Baum, dem die Wurzeln fehlen, der Saft und Kraft nicht aus dem Boden des Sprachgefühls einer wenigstens nur annähernd gesprochen Sprache ziehen kann. Darum sind die Sprechübungen — man kann es nicht oft und eindringlich genug sagen — für das künftige Lesen unbedingte Voraussetzung und nicht zu übergehendes Erfordernis. Einer der Gründe, warum die Sprechübungen immer noch so stiefmütterlich behandelt werden, mag vielleicht in der Angst liegen, etwas zu versäumen oder zu spät zum Lesen zu kommen. Das ist aber ganz sicher nicht der Fall, im Gegenteil, mit ganz anderer Freude und richtigem Interesse und einer Gier, so schnell wie möglich „einen Neuen“ zu lernen, oft so rasch, daß der Lehrer Einhalt tun muß, geht das Kind an das Lesenlernen heran. Die einzige Tätigkeit, die nun für den hebräischen Unterricht geleistet werden muß, ist die mechanische Assoziation von Laut- und Schriftelement, was selbst von den Schwachbegabten leicht bewältigt werden kann. Es spielt keine große Rolle, in welcher Reihenfolge den Kindern das Buchstabenmaterial vermittelt wird. Die lauttreuen Buchstaben verdienen den Vorzug. Wie es der Gesamtunterricht ergibt, stellt man sich eine Reihe solcher Wörter zusammen, die den neuen Buchstaben enthalten. Als Hilfsmittel kommen in Frage, die roten Buchstabenformen (Vorzeigen), dann die schwarzen zur Vorbereitung des Lesens analog dem Lesekasten der Kinder, dann die Vokabeltäfelchen mit den gesetzten Wörtern. Diese Täfelchen bleiben im Schulzimmer so lange aufgehängt, bis die Worte richtig eingeprägt sind und auch längere Zeit als Leseübung gedient haben. Da ‘die Worte aus dem Gesamtunterricht und den der Umgebung des Kindes entnommenen Sprechübungen hergeleitet sind, so kann dieser Gang des Unterrichtes weder viel Rücksicht auf die Schreibschwierigkeit der Buchstaben, noch auf den in einer Fibel eingeschlagenen Weg nehmen. Der Herausgeber der Fibel hat diese auf seinen Unterricht eingestellt und nicht auf den meinigen, daß ich mit demselben Erfolg diese Fibel benützen könnte. Jede Fibel ist nach dem Unterricht und den schulischen Verhältnissen des Verfassers eingestellt. Statt dessen habe ich vorerst zwei nach Stoffgebieten geordnete Wortkästen hersteilen lassen, damit aus dem wichtigsten im Anfang vorkommenden Begriffsmaterial genügend Vokabeln vorhanden seien. Die Vokabeltafeln selbst habe ich zu diesem Zwecke mit eigens dazu hergestellten Schablonen in kurzer Zeit aufschabloniert. Dazu gehört nun ein klein wenig Übung und Geduld. Die Anschaffung der Schablonen ist bei Mehrabr t , , % i * , pfarfcen *» T, rchillerstr-

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