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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-11-15 · 22 (15.11.1932) · p. Seite 343

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
22 (15.11.1932)
Date
1932-11-15
Page
Seite 343 (sequence 3)
Language
German
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Nr." 2 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 343 Zeifrufe - Goffesrufe Kardinal Faulhabers neue Predigtsammlung Besprochen von Bezirksrabbiner Dr. Ernst Steckelmacher (Bad Dürkheim) Nachdem erst vor kurzem Kardinal Faulhaber eine Sammlung von Predigten, Reden und Hirtenbriefen „Rufende Stimmen in der Wüste der Gegenwart“ veröffentlicht hat (vgl. meine Besprechung in der Bayer. Israel. Gemeindeztg. Nr. 4 d. J.), läßt er soeben eine neue Sammlung erscheinen: Zeitrufe — Gottesrufe (Verlag Herder &. Co., Freiburg i. B.), ein wichtiges Zeitbuch. Faulhaber redet unbeschadet seiner katholischen Haltung auch in dieser Schrift, ähnlich wie in seinem vor kurzem erschienenen Predigtbuche, immer wieder mit großer Bewunderung von der jüdischen Bibel. Schon in der ersten Ansprache, die zum Abdruck kommt, „Der Ruf der Zeit der Ruf Gottes“, gehalten im Dom zu München, am 28. August 1930, gibt der Redner seiner großen Zuneigung für das A T beredten Ausdruck, indem er darauf hinweist, daß er, als er von Straßburg nach Speyer übersiedelte, als Wappenbild den siebenarmigen Leuchter für die untere Schildhälfte gewählt „als Sinnbild meiner bisherigen Lehrtätigkeit als Professor der alttestamentlichen Theologie“. In dieser Ansprache hebt er das Sinaigesetz hervor: „ Vox temporis vox dei, der Ruf der Zeit ist der Ruf Gottes, soll nicht bedeuten: Jede Zeit könne sich nach ihrem Zeitgeschmack neue Sittengesetze, neue Sinaitafeln zurechtlegen. Im Staatsleben der Völker wechseln die Verfassungen, lösen die Gesetze und Verordnungen einander ab. Das göttliche Sittengesetz aber ist über den Wechsel der Zeiten erhaben, überzeitlich, übervölkisch, den Sternen gleich, die dem Zugriff der Menschenhände entzogen sind.“ Eine schöne homiletische Wendung dieser Ansprache nimmt auf Gen. 19,26 Bezug: „Gut, wenn der einzelne auch die Geschichte vergangener Jahrhunderte, das Gestern seines Volkes kennt, um so das Heute in die Zusammenhänge mit der Vergangenheit einzustellen und die Gegenwartswerke einer großen Tradition zu erfassen! . . . . Er darf aber nicht über dem Rückblick nach dem Gestern versteinern wie die Frau des Lot im Rückwärtsschauen versteinerte.“ Den unglückseligen Rassenhaß der Gegenwart verurteilt Faulhaber in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit 1932 „Gottwärts das Gebot der Stunde“ in Anlehnung an Ps. 33, 12: „Auch für das Volksleben hat der Gottesglaube unersetzliche Lebenswerte. Selig das Volk, dessen Gott der Herr ist. Wehe dem Volk, dessen Bürger den Gottesglauben verloren haben! Wo man dem Einen wahren Gott den Abschied gab, über kurz oder lang eine Vielheit von falschen Göttern auf den Thron erhoben und sogar die Rasse vergöttert wird.“ In seiner Ansprache „Auf dem Weg zu einer neuen Kriegsmoral“ beim Gottesdienst um Völkerfrieden in der Basilika des hl. Bonifatius in München am 7. Februar 1932 weist Faulhaber auf den 46. Psalm hin: „Der 45. (nach der Zählung der Vulgata, die von der Zählung der hebräischen Bibel abweicht) Psalm hat in einem apokalyptischen Fernblick den Weltfrieden geschaut und als Geschenk Gottes erkannt. „Kommt und seht die Werke des Herrn, die Wunderwerke, die Er vollbrachte auf Erden! Er macht den Kriegen ein Ende bis an die Grenzen der Erde. Er zerbricht die Bogen und zertrümmert die Rüstung, und die Schilde verbrennt er im Feuer“. Der Herr der Heerscharen nimmt also den Völkern die Waffen aus der Hand und schenkt uns den Frieden als seine Gnade.“ Den Dekalog würdigt der Kardinal nochmals in seiner Predigt „Was zur Seelengröße gehört“, die er für die Beamten der Polizei beim Gottesdienst in der Max II. Kaserne am 14. Februar 1926 gehalten hat. „Jede Sittlichkeit im weiteren Sinne des Wortes' muß sich auf die zehn Gebote Gottes einstellen. Die zehn Gebote stehen wie Marksteine an unserem Lebensweg. Den eigenen Willen mit dem Willen Gottes, der sich in den zehn Geboten offenbart, in Einklang bringen, heißt nicht seine Willensfreiheit preisgeben, heißt nicht seine Willenskraft entmannen. Gerade aus der restlosen und treuen Einstellung auf die Gebote Gottes erwächst der freie, willensstarke, sittliche Charakte r.“ Wie viel Einfühlungsgabe der Redner der biblischen Schilderung gegenüber besitzt, zeigt seine Bemerkung zu Chron. 28. 9 in seiner Predigt, „die Lebenswerte des Allerseelenglaubens“, die so zum Allerseelentag, 5. November 1922, im Dom von München gehalten: „Schon in alttestamentlichen Bildern wird der Abschied sterbender Eltern von den Kindern in Farben gemalt, die bereits in das Licht der Ewigkeit getaucht sind.“ Eine sinnige Deutung zu 2 Chron. 18, 34 gibt Faulhaber in seiner Gedächtnisrede „Denkmäler für die Blutopfer des Krieges“ unter freiem Himmel auf dem Königsplatz in München, am 5. Oktober 1921, für die 13 000 Gefallenen der Stadt: „Im hl. Buche steht das Wort: Achab starb, als die Sonne unterging, unsere Brüder sind gestorben, als die Sonne unseres Volkes unterging.“ Vom Schutzengel Israels spricht Faulhaber in seiner Gastpredigt in Maria Einsiedeln „Die Schutzengel der Völker“, am 21. September 1924. „Vom Schutzengel eines Volkes gilt die schöne biblische Stelle: „Siehe, ich sende meinen Engel, daß er vor dir herziehe und dich bewahre auf dem Wege und dich führe in das Land, das ich dir bereitet habe“ (Exod. 23,20). Das tröstliche Wort kann auch auf den Einzelmenschen angewendet werden. Ursprünglich aber und in erster Linie gilt es vom Schutzengel eines Volkes Eine sehr schöne Erklärung führt Faulhaber in seiner Predigt „Gottes Treue und unsere Gegentreue“ aus seiner Straßburger Zeit (16. Januar 1910) zu Jes. 54, 10 an. „Gerade die Tage des Leidens, die Feiertage der Prüfung, sollen Feiertage des Gottvertrauens werden. Die Versuchungen wollen uns einreden, es sei jede Verbindung Gottes mit uns zerschnitten, es stehe eine dicke Mauer zwischen Gott und unserer Seele. Wir haben aber das Vertrauen: „Die Berge mögen erschüttert werden, und die Hügel mögen wanken, mein Erbarmen wird nicht von dir weichen, und mein Treubund wird nicht erschüttert werden, spricht der Herr, dein Erbarmer“. Noch auf viele Äußerungen in Faulhabers neuestem Buche könnten wir hinweisen, die wie die angeführten aufs überzeugendste dartun, wie sehr dieser überragende Führer des katholischen Deutschland den hohen religiösen und ethischen Wert der jüdischen Bibel zu schätzen weiß. Aus der Gemeinde München Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München November und Dezember Für die Lehrkurse in der ersten Hälfte des Wintersemesters ist folgender Arbeitsplan vorgesehen: 1. Rabbiner Dr. Baerwald: Das Judentum an Wendepunkten der Weltgeschichte. Mittwoch, 20.15 Uhr (am 23. und 30. November erst um 21 Uhr). Beginn 23. November. Der Kurs wird versuchen, einen möglichst summarischen Überblick über den Verlauf und die inneren Kräfte der jüdischen Geschichte zu geben, mit besonderer Berücksichtigung der Zusammenhänge zwischen jüdischer und allgemeiner Geschichte. Wenn Interesse dafür vorhanden sein wird, soll aus dem Kurs eine Arbeitsgemeinschaft gebildet werden, in der das Verständnis für unsere Geschichte durch die Lektüre leicht zugänglicher Quellenschriften vertieft wird. 2. Rabbiner Dr. Geis: Geschichte und Aufbau des jüdischen Gottesdienstes. Montag, 20.15 Uhr. Beginn 21. November. "• Der Kurs soll die Entstehung, den Aufbau und Sinn unseres Gottesdienstes im wesentlichen an Hand des Gebetbuches klar machen, auch hieraus kann sich auf Wunsch eine Arbeitsgemeinschaft entwickeln.;

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