Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 21 (1.11.1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 331 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 21 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 331 schaft“.— Buchkundliche Nachschau“: In diesen fünf Kapiteln breitet Dunin fürs erste die Ergebnisse seiner neu erarbeiteten Einsichten aus. Die Übereinstimmung zwischen Erkenntnis und Leben ist das Faszinierende an der großen Judengestalt Spinozas. Mit einer rein beschaulichen, theoretischen Wahrheit und einer ganz beziehungslosen wissenschaftlichen Selbstlosigkeit hat er sich nie begnügt. In Fragen der Religion, der Wahrheit, des richtigen Denkens und des danach Handelns gab es für ihn kein Kompromiß und für diesen taktvollsten der Taktvollen keinen Takt, der in allen Lebensverhältnissen, nur nicht in den Fragen des Religiösen am Platz ist (worüber man den klassischen Aufsatz des kürzlich verstorbenen großen Berliner Theologen Karl Holl „Über den Takt in der Religion“, Gesammelte Aufsätze Bd. III, S. 520 ff. nicht gründlich genug nachlesen kann). Affektentwölkte Gelassenheit more geometrico scheint die Haltung dieses abtrünnigen spaniolischen Juden. Nietzsche ist später hinter diese Gelassenheit gekommen, in dem Epigramm „An Spinoza“: Dem „Eins in Allem“ liebend zugewandt, Amore dei, selig aus Verstand — Die Schuhe aus! welch dreimal heilig Land! — — Doch unter dieser Liebe fraß Ein heimlich glimmender Rachebrand, Am Judengott fraß Judenhaß ... Einsiedler! Hab’ ich dich erkannt? Die wertvollste zweite Hälfte von Dunins Spinoza-Büchlein gilt der Beschreibung der Urteile über Spinoza in 300 Jahren. Die Würdigung der Stellung der christlichen Kirchen zu Spinoza (S. 107 f.) ist ein Meisterstück überlegener, keineswegs leidenschaftsloser Unparteilichkeit. Die größten Teile dieses Abschnittes beziehen sich auf das ausgedehnte Schrifttum über Spinoza. Wir überschlagen das „Altertum“ der Spinozaforschung; ebenso die Geschichte der Umkehr im Urteil seit Herder, Lessing und dem Jacobi-Mendelssohnschen Schriftwechsel (1783—1785), den Leo Strauß in der großen Mendelsohnausgabe behandeln wird. Das aufsteigende Interesse am Menschen Spinoza förderte die Erkenntnis seines Systems nur in geringem Maße. Das wurde anders in der neueren Zeit. 1854 erschien Kuno Fischers klassische Darstellung unseres Philosophen. Aber man stand erst am Anfang der richtigen Deutung des spinozistischen Systems. Interessant bei Dunin das Urteil über Ismar Eibogens Jugendwerk „Tractatus de inteil, einend, und seine Stellung in der Philosophie Spinozas“ (1898). lrn übrigen ist hier ein Super-Referat zu der Übersicht Dunins über die kaum zu bewältigende Flut auch guter Spinoza-Literatur nicht möglich. Das Akademie-Werk von Leo Strauß „Die Religionskritik Spinozas als Grundlage seiner Bibelwissenschaft“ findet mit vollem Recht hohe Anerkennung (S. 199). — Die neueste Erforschung Spinozas ist vor allem auf die Frage gerichtet: Worin besteht das nichtrationale Element in seinem scheinbar so kühlen, mathematisch-objektiven Gedankenbau? Darauf wird uns das große Grundwerk des Verfassers, wozu das hier angezeigte Buch nur eine erste Übersicht und Einführung ist, eine entscheidende Antwort geben. F. Zerbrecht die Krücken. Krüppelprobleme der Menschheit von Hans Würtz. Dies merkwürdige Buch „Zerbrecht die Krücken“ von Hans Würtz, dem Erziehungs- und Verwaltungsdirektor des Oscar- Helene-Heims in Dahlem, geht alle Nachdenklichen etwas an. In Wort und Bild führt der Verfasser uns Schicksalsstiefkinder aller Zeiten vor Augen und geht auf ihre Problematik liebevoll und wissend ein. Selten wohl ist das Krüppelproblem so eingehend und sachlich beleuchtet worden. Der Verfasser hütet sich zu schematisieren. Immer nimmt er den Krüppel als „persönlich beseelten Menschen“ und läßt vielmehr ihn selbst sprechen als überlegen selbst zu dozieren. Er zeigt an unumstößlichen Beispielen wie gerade aus den vom Schicksal benachteiligten Menschen durch Willenserziehung und Vertiefung Sieger und Neuerer werden können. Auf fast allen Gebieten haben Krüppel schaffend und umstürzend gewirkt — Kant und Lenin, Napoleon und der kleine, häßliche Attila, Michel Angelo und Byron — das sind nur wenige herausgegriffen. Das Aufrollen des Krüppelproblems durch Würtz zielt auf den Nachweis, daß „den höchststehenden schöpferischen Gestalten der Menschheit das Krüppeltum ohne Beeinträchtigung ihrer kulturellen und religiösen Bedeutung anhaften kann.“ Aber das Buch will auch tröstend für den weniger begabten Gehemmten sein. Sogar aus dem Armlosen will Würtz durch geschickte Erziehung einen freudigen Gemeinschaftsmenschen machen. Nicht mehr Mitleid und blödes Staunen soll der Krüppel erwecken, nicht mehr zum Schauobjekt der Jahrmärkte herabsinken, sondern arbeitender Mensch werden, wie der Gesunde. Jeder Krüppel soll unbedingt aus dem Ghetto seiner Krüppelhaftigkeit befreit werden. „Lebensfreude durchglühe den Gebrechlichen!“ Immer wieder kämpft Würtz gegen Kleinmut und Denkohnmacht und tritt für die lebendige Flamme der Lebensbejahung ein. Hedwig Hirschfeld-Hassel. Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. Der Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs hat aus Anlaß seiner Hundertjahrfeier im Dezember v. J. beschlossen, ein Werk: „Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg“ mit historischen Nachweisungen zu veröffentlichen. Dieses Werk ist nunmehr in ausgezeichneter Ausstattung im Verlag von Dr. Benno Filser G. m. b. H., Augsburg, erschienen und im Buchhandel zum Preise von 10 RM. für das Stück erhältlich. Die Einführung gibt über die verschiedenen Perioden jüdischer Siedlungen in Württemberg und den Charakter ihrer baulichen Zeugnisse Auskunft. Hierauf folgt eine von dem theologischen Mitglied des Oberrats, Stadtrabbiner Dr. Rieger (Stuttgart), bearbeitete vollständige Zusammenstellung sowohl der mittelalterlichen Siedlungen, als der nicht mehr bestehenden jüdischen Gemeinden und Siedlungen in Württemberg vom 16. Jahrhundert an. endlich der derzeitigen israelitischen Religionsgemeinden Württembergs je mit Angabe des frühesten nachweisbaren Auftretens von Juden und weiteren historischen Nachweisungen. Außerdem ist eine sorgfältige Karte der Siedlungen beigegebenen. Der Bilderteil, der weit über 150 zum allergrößten Teil erstmalig veröffentlichte hervorragende Aufnahmen alter und neuer Synagogen, Friedhöfe .Grabsteine usw. enthält, zeigt zunächst „Jüdische Kulturreste aus dem Württemberg im Mittelalter“, beginnend mit einem bedeutsamen Fund aus der allerletzten Zeit, nämlich einer Katakombe in Heilbronn und sodann bestehende Gotteshäuser und Friedhöfe, wobei sämtliche israelitischen Religionsgemeinden Württembergs berücksichtigt sind. Ein Ortsregister und ein Verzeichnis der benützten Quellen bilden den Schluß. Sei anspruchsvoll beim kauf von Nieder kinmal bei mir, Vu kehrest wieder; Wrk Vir, verwöhnte Kunden sagen: Ich mag nur „Kluge" Weder tragen. CläP6 Kluge Mnchen, Hhierschstr. 39/J fernrus 20454 Die maßgebendefirma für garant.erstkl. Zitz, beste Verarbeitung, reichsteZtoffausmahl Neuhauserstr.2? Münchens größte Pelz-Werkstatte .