Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 21 (1.11.1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 21 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 325 Aber hat Spinoza denn ein Testament hinterlassen, aus dem dieser sein Wille unzweideutig hervorgeht? Ist denn in seinem Testament überhaupt von der jüdischen Nation die Rede? Man braucht dieses Testament nicht in schwer zugänglichen Archiven zu suchen; man findet es gegen Ende des 3. Kapitels des theologisch-politischen Traktats. Spinoza sagt: „Wenn die Grundlagen der jüdischen Religion die Gemüter der Juden nicht weibisch machten, so würde ich unbedingt glauben, daß sie (die Juden) irgendwann einmal bei gegebener Gelegenheit, da die menschlichen Angelegenheiten ja wandelbar sind, ihr Reich wiederum errichten werden, und daß Gott sie von neuem erwählen wird.“ Wenn wir absehen von der Bemerkung über die erneute göttliche Erwählung der Juden, die im Munde Spinozas nicht mehr als eine leere Redensart ist, so bleibt als seine Meinung, als sein „politisches Testament“ die neutrale Erwägung der Möglichkeitsbedingung für die Wiederherstellung des jüdischen Staates übrig. Diese Möglichkeitsbedingung ist, daß die jüdische Religion ihre Macht über die Gemüter der Juden verliert; denn nach Spinoza führt diese Religion zur Verweichlichung der Gesinnung. Daß sich in weichlicher Gesinnung kein Staat errichten läßt, bedarf keines Beweises. Aber äußerst fragwürdig, ja eigentlich unverständlich ist Spinozas Behauptung: die jüdische Religion verweichliche die Gemüter. Hat Spinoza denn ganz vergessen, daß diese Religion den Opfern der Inquisition die Kraft zum Ertragen der äußersten Leiden gegeben hat? Nein — Spinoza hat diese Tatsache nicht vergessen, wir wissen das aus seinen Briefen ganz genau; er war nur der Meinung, daß die Stärke im Ertragen von Leiden nicht diejenige Stärke ist, deren man zur Errichtung und Erhaltung eines Staates bedarf, nämlich nicht die Stärke des Befehlen^ ohne welche keine Gesellschaft bestehen, kann. Und wie sein Lehrer Macchiavelli das Christentum für den Verfall der Römertugend verantwortlich macht, so macht Spinoza das Judentum für die Unmöglichkeit einer Wiederherstellung des jüdischen Staates verantwortlich. Es wäre bedenklich, aus der angeführten Äußerung Spinozas zu folgern: Spinoza sei also der Vater des politischen Zionismus. Es wäre nicht so sehr darum bedenklich, weil es, wie jedermann weiß, auch einen orthodoxen :bzw. konservativen politischen Zionismus gibt, als darum, weil Spinoza die Wiederherstellung des jüdischen Staates gar nicht — wie auf Grund verwandter Voraussetzungen sein Zeitgenosse Isaac de la Peyrere — wünscht oder fordert, sondern nur diskutiert: er stellt es gleichsam von der Höhe seiner philosophischen Neutralität herab den Juden anheim, sich von ihrer Religion frei zu machen und sich so die Möglichkeit zu verschaffen, ihren Staat wieder aufzurichten. Die Bedenklichkeit dieses Rates — hier ist die Stelle, an der man daran erinnern muß, daß Spinoza sich die Ehrenrettung Bileams angelegen sein läßt! — wird klar, wenn man den Zusammenhang berücksichtigt, in dem Spinoza ihn vorbringt. Dieser Zusammenhang ist die Be- FAMILIENSCHUTZ Gemeinnütziger Verein für Hinterbliebenenfürsorge der Mitglieder jüdischer Gemeinden Vertragsgesellschaft des Verbandes Bayer. Israel. Gemeinden des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden usw., zahlreicher jüdischen Groß- und Kleingemeinden und Organisationen O Feste Beiträge RM. 1 bis 4 monatlich O G Aufnahme bis 70 Jahre D Keine Wartezeit: Versicherungsschutz nach Aufnahme G O Doppel-Auszahlung bei Unfalltod O # Kein Gegenseitigkeits-Verein, sondern Zweigorganisation der Lebensversicherungsgesellschaft »Phoenix«, also 100 Prozent Garantie und Teilnahme an der vollen Gewinnbeteiligung der »Phoenix« G Generalvertretung für München und Augsburg Frau Tilly Landauer, München, Königinsfr. 85/1. Fernsprecher 31 3 30 Tüchtige Vertreter (innen) gesucht