Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 20 (15.10.1932)
- Date
- 1932-10-15
- Page
- Seite 311 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 311 Vorziiliche Betten ..h,,*,.. y Hotel Bayerischer Hof Dienst sm Bast Augsburg Frömmigkeit und primitivstem Wunderglauben. Judenwucher oder Konkurrenzneid spielen keineswegs die entscheidende Rolle. Das formale Recht war nach den Feststellungen des Verfassers zum guten Teil auf Seiten der christlichen Bürger, die über Verletzung des Kundenschutzes und der Zunftordnungen klagten. Die Juden gaben diese Verletzungen in den Hauptpunkten zu, erklärten aber, ohne solche ihr Dasein nicht fristen zu können. Andererseits mußte die Stadt selbst anerkennen, daß den Juden in ihren Schuldklagen kein Recht gesprochen wurde. Vernichtung des Darlehensgeschäftes aber bei gleichzeitiger Verhinderung des Warenhandels mußte die Existenz der Juden vernichten. Die Abdrängung der Juden in eine sonderbare Zwitterstellung zwischen Trödel- und Geldhandel bleibt für die Lage der Juden vom 16. bis ins 19. Jahrhundert bezeichnend. Es ist hier nicht der Ort, den Einzelheiten der sehr verwickelten Vorgänge und Motive, wie sie von Straus dargelegt werden, nachzugehen. Unmittelbar vor der Reformation, im späten Mittelalter, kündigt sich ein neuer Abschnitt auch der jüdischen Frage an. Zufällig erscheint gleichzeitig mit der Arbeit von Raphael Straus das große Werk des Heidelberger Historikers Willy Andreas, des Mitherausgebers der Heidelberger Abhandlungen: „Deutschland vor der Reformation — Eine Zeitenwende“ (Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt 1932). Darin erfährt auch die Wendung des jüdischen Schicksals in dieser Zeit eine ausführliche und lichtvolle Darstellung (S. 375 ff.) neben der Sonderbehandlung des Judenbücherstreites um Reuchlin (S. 497 ff.) in der gleichen Epoche. Das neue Buch von Straus, der vor mehr als zwanzig Jahren — in der gleichen Sammlung (Heidelberger Abhandlungen, 30. Heft, 1910) — die Juden im Königreich Sizilien unter Normannen und Staufer n in einer noch heute nicht überholten und erst wieder kürzlich von Ernst Kantorowicz in seinem berühmten Weifk über Kaiser Friedrich II. zustimmend zitierten Darstellung behandelt hat, bildet den einleitenden Text zu einem größeren im Erscheinen begriffenen, fachwissenschaftlich besonders bedeutsamen Urkundenwerk: „Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte der Juden in Regensburg im ausgehenden Mittelalter“ (innerhalb der Sammlung „Beiträge zur bayerischen Geschichte“, im Verlag für Kultur und Geschichte, München 1932). Der „Historischen Kommission des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden“ unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Freudenthal in Nürnberg, verdankt der bis jetzt vorliegende, hier besprochene Textband seine Entstehung und Drucklegung. Die Staats¬ und Stadtarchive, besonders in München, Innsbruck, Landshut, Fassau und Wien, haben das Zustandekommen der Arbeit mit ermöglicht. F. Der schwarze Schwan Israels Ne ueDicht u ngenvonElseLasker-Schüler Else Lasker-Schiiler, der der Rang einer Dichterin von allen Seiten und aus allen Lagern des literarischen und künstlerischen Geschmacks zuerkannt wird, veröffentlicht im Rowohlt-Verlag eine neue überraschend reiche Sammlung Gedichte und kleinere Prosa unter dem Titel „Konzert“. Wir lassen darüber mit Absicht zwei der bedeutendsten deutschen Kritiker zu Worte kommen: Peter Harnecher aus der rechts, stramm national-völkisch gerichteten „Berliner Börsenzeitung“ und Max Rychner, der seit neuerer Zeit das Feuilleton der Kölnischen Zeitung hervorragend leitet. I. Peter Hamecher über die Lasker-Schüler In Alfred Momberts heroischem Buche „Der Heit der Erde“ heißt es: „Denn bei den fernen Lerchen an Ufern des Rheins im Efeu nistet der Orion-Sänger, dem rauschen in den Adern, beglückt von sechs Jahrtausenden, Urasiens Melodienströme.“ Zwei Geistesorte sind hier genannt, zwei Ursprungsorte. Der Dichter Mombert ist ein durchaus anderer als der intellektualistische, internationalistische Schriftsteller. Heinrich Heine, der Imitator der romantischen Poesie und Verschleuderer der Sprachwerte, gehörte zu den letzteren. Er war der Auflösungsmensch. Bei Mombert ist die Gottschau des alten Blutes haltende Substanz, und selbst wenn auch seine positive Stellung zu Deutschland nicht wäre, müßte man ihn ganz anders beurteilen als diejenigen, die im unerhörten Volksschicksal der Verstreuung Schaden gelitten. In derselben Weise darf man die Dichterin Else Lasker- Schüler ansehen. Sie, die Peter Hille „der schwarze Schwan Israels“ nannte, stammt aus dem Rheinland und zugleich aus dem Orient. Sie weiß um ihr Volk: „Der Fels ist morsch, dem ich entspringe und meine Gotteslieder singe.“ Aber ihre Seele ist Substanz: Volkssubstanz, Gottsubstanz. Ihr Volk: das Volk der Verstreuung kehrt in ihr gewissermaßen heim in seinen Gottesursprung. In ihr raunt des alten Gottes Stimme. Wie die Dichtung Momberts ist auch die der Lasker-Schüler ein durchaus Fremdartiges in unserer Gefühls- und Sprachzone. Beide haben im Verlauf der Jahrhunderte viel von der Wahlheimat, der Notheimat in sich aufgenommen. Aber ihre Horizonte leuchten in anderer Bläue als der deutsche Himmel, und die Dichterin erzählt: „Einmal hatte Jesus Christus in der Nacht im Mond gesessen, ich schlief zwar, aber er kam im Traum an mein Bett und sagte: Jerusalem ist nicht verloren, da es in deinem Herzen wohnt.“ Das deutsche Idiom gewinnt in der Dichtung der Lasker- Schüler eine östliche Glut und Süße; ein seltsam Betörendes. Eine wunderbar besternte Welt erscheint in den fremdartigen Märchenträumen der Dichterin, und die Erde wird zur'Spifrh-