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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-10-15 · 20 (15.10.1932) · p. Seite 310

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
20 (15.10.1932)
Date
1932-10-15
Page
Seite 310 (sequence 6)
Language
German
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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 20 3 0 Dieser Wunsch hat sich nur in bescheidenem Maße erfüllt. Aber das schlimmste wenigstens ist unserer Sammlnug erspart geblieben: sie ist nie zu einer toten, nicht mehr wachsenden Sammlung geworden. Denn eingeschlafen ist das Interesse der Bibliotheksverwaltung an ihren Hebraica und Judaica nie. Wenn der Zuwachs der letzten Jahrzehnte nicht umfangreicher, nicht wertvoller sein konnte, so ist das eine Folge des oft und laut beklagten Mangels an reicheren Mitteln. Mögen bald bessere Zeiten helfen Versäumtes nachzuholen, neues zu leisten. Dann werden vielleicht, so möchte ich hoffen, dieser alten und vornehmen Sammlung, wie in der Vergangenheit auch in Zukunft private Gönner und Förderer nicht fehlen. E. G r a t z 1. Anmerkung. Ein paar knappe Literaturangaben seien gestattet: Unsere Handschriften sind, infolge allzugroßer Sparsamkeit der damaligen Verwaltung leider in spartanischer Knappheit, beschrieben von M. Steinschneider im Catalogus Codicum Manuscriptorum Bibliothecae Regiae Monacensis, Tom. I, pars 1. (München 1875, 2. erweiterte Aufl. 1895.) Eine Gesamtwürdigung der Sammlung hat der selbe große Kenner in den Sitzungsberichten der Münchener Akademie 1875 gegeben. — Für alles, was mit der Gründungsgeschichte der Bibliothek zusammenhängt, ist unentbehrlich: Otto Hartig, die Gründung der Münchener Hofbibliothek durch Albrecht V. und Johann Jakob Fugger. München 1917. — In diesen Blättern, Bd. 3 (1927), hat J. Prys die Bibliotheken Widmanstetters und Fuggers unter Beigabe gut ausgewählter Handschriftenwiedergaben geschildert. Der gleiche Gelehrte hat ebenda Bd 1 (1925) die nordbayerischen jüdischen Druckstätten behandelt. — M. J. Husungs Arbeiten über den „jüdischen Lederschnitt“ finden sich in den Soncinoblättern Bd. 1, Berlin 1925 und in der Festschrift für Georg Leidinger, München 1931, Ein neues Gesdiichfswerk über die Juden in Bayern im ausgebenden Mittelalfer. Die Judengemeinde Regensburg im ausgehenden Mittelalter. Auf Grund der Quellen kritisch untersucht und neu dargestellt von Raphael Straus. Heidelberger Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte, begründet von Erich Mareks und Dietrich Schäfer, herausgegeben von Karl Hampe und Willy Andreas. Heft 61. VIII, 147 Seiten. Heidelberg, Carl Winters Universitätsbuchhandlung, 1932. Preis RM. 7.50. Die Geschichtswissenschaft ist nicht reich an methodisch einwandfreien, aus ersten Quellen geschöpften Darstellungen aus der Geschichte der deutschen Juden bis zum Beginn der Neuzeit. Die Arbeiten von Stobbe, Scherer, Moses Hoffmann, Herbert Fischer zur Rechts- und Wirtschaftsgeschichte der Juden im deutschen Mittelalter sind in den letzten Jahrzehnten die einzigen größeren Leistungen von wissenschaftlichem Rang auf diesem Gebiet. Vor dem 15. Jahrhundert, das die große Wendung im jüdischen Schicksal bringt, machen alle Bemühungen Halt. Nicht mehr als die Umrisse des äußeren Geschichtsverlaufs in dieser Epoche zeichnen auch die großen Geschichtswerke von Graetz und Dubnow. Die Verknüpfungen und tieferen Zusammenhänge mit den Allgemeinverhältnissen in Recht, Wirtschaft und in der geistigen Gesamtvorstellungswelt der Epoche sind nicht erforscht. Diese Lücke wird in der vorliegenden Arbeit von Raphael Straus in der methodisch einzig möglichen Weise (wenn man wissenschaftliche Forderungen stellt) auszufüllen begonnen. Kritisch quellenmäßig unternimmt es der Verfasser die Austreibung der Juden aus Regensburg im Jahr 1519 im Zusammenhang mit den allgemeinen deutschen Verhältnissen und Notständen der Zeit zu untersuchen. Hier wird viel mehr geboten als eine lokalgeschichtliche Spezialarbeit oder die Edition eines historischen Textes über die Regensburger Gesera. Wir erhalten mit der Straus’sehen Arbeit nicht weniger als eine zuverlässige Neuordnung unserer Gesamtansicht über das jüdische Schicksal im Heiligen Römischen Reich von der Reformation bis zur Emanzipation, eine grundlegende Revision über die Ursachen der grenzenlosen, heute noch nicht überwundenen Verkümmerung der deutschen Judenschaft von 1500—1800. Der Verfasser geht zur Gewinnung des neuen Bildes von den tieferen Zusammenhängen dieses Verfalles höchst umsichtig vor, kühn und absolut sicher in der Untersuchung der Quellen und schwierigen Originalurkunden, zurückhaltend und vorsichtig in der Deutung und Auswertung; er erliegt in keinem Augenblick der heute so naheliegenden Gefahr historischer Belletristik und blendender Konstruktionen. Klar und in der historischen Beweisführung schlüssig, von den quellenmäßig verbürgten Nachrichten nicht abweichend, legt der Verfasser zuerst die grundlegenden politischen Verhältnisse auseinander, vor allem die eigentlichen Gründe für die Bemühungen um die Aufrechterhaltung der kaiserlichen Rechts- und Gerichtshoheit über die Juden, das Kernstück der Kammerknechtschaft im ausgehenden Mittelalter. Nicht Fiskalismus oder irgendwelche Vorliebe des einen oder anderen Kaisers für die Juden garantierte den Bestand des kaiserlichen Judenregals, sondern das Entscheidende war, daß dieses Regal im Kern einen Teil der konstitutiven Rechtshoheit des Reichsoberhauptes darstellte, daß es also grundsätzlich die kaiserlichen Rechte aus der Kammerknechtschaft zu wahren galt. Die Darstellung des Spezialfalles der Regensburger Judenvertreibung als typischen Vorganges ergibt sich zwangslos und in voller Deutlichkeit, indem in fünf Kapitel das Verhalten des Klerus, des Herzogs, des Kaisers, der Stadt und der Juden nach den Quellen untersucht wird. Die Regensburger Verhältnisse haben eine prinzipielle historische Bedeutung; dem Verfasser gelingt es jedenfalls, aus den Regensburger Vorgängen ein Leitmotiv für die Gesamtentwicklung der jüdischen Verhältnisse in dieser Epoche einwandfrei festzustellen. Feinere und gröbere materielle Interessen verbinden sich bei den Motiven zur Judenvertreibung mit reiner christlicher

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