Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 19 (1.10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 297 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 297 Widerspruch zu dem starken Antisemitismus steht. Was den Hitlerschen Rassengedanken, der ja auf sogenannte Rassereinheit hinzielt, anbetrifft, so scheint er hier wirklich tauben Ohren zu predigen. Die rein jüdischen Ehen nehmen ab. Ein Zusammenhang zwischen schlechter Wirtschaftslage und Eheschließung ist unverkennbar. Man beachte auch die große Zahl jüdischer Männer und die geringe Anzahl jüdischer Frauen, die eine Mischehe eingehen. Zeitgemäße Erholung Wir möchten im Interesse unserer Leser nicht versäumen, auf das beliebte Familien-Erholungsheim Wolfratshausen im Isartal, 1 Stunde von München hinzuweisen. Es ist ganzjährig geöffnet; eine schöne große Laubhütte für die Herbstfeiertage, herrlicher Park mit Liegehalle, die besondere Pracht der Herbststimmung bieten seelische und körperliche Erfrischung. Zentralheizung für kühle Tage in den wohnlichen Räumen. Behaglicher Aufenthalt durch eine umsichtige Hausdame. Preiswerte Pension bietet 4 Mahlzeiten zu 4—5.50 RM. Prospekte und Auskunft durch Frau Carola Neu, München, Hohenzollernplatz 1/1. Das Jüdische Jugendheim-Komitee hat, im Einvernehmen mit dem Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde, sich in einen Verein unter dem Namen „Heim der Jüdischen Jugend“ umgewandelt. Der Verein hat inzwischen durch Eintragung in das Vereinsregister Rechtsfähigkeit erlangt. Über die Aufgaben und Zwecke des Vereins wird in einer der nächsten Nummern dieser Zeitung eingehender Bericht erstattet. Aus der Oemeinde Bamberg Jüdischer Jugendverein — Oktoberprogramm! Donnerstag, den 6. Oktober: Bibellesen, Leitung Frau Dr. Katten — 13. Oktober: Presseabend,, Leitung Justin Isner — 20. Oktober: Sukkos-Feier, Leitung Kurt Kleestadt — 27. Oktober: Vortrag von Herrn Dr. Wachtel (Thema wird noch bekannt gegeben). Beginn der Abende pünktlich um 8.30 in der Ressource! Die Arbeitsgemeinschaften beginnen am 3. November. — Sportabteilung. Herrenturnstunde: Montag, Fischereiturnhalle, Sportlehrer Fischer; Damenturnstunde: Dienstag, Fischereiturnhalle, Sportleherer Fischer; Damengymnastikstunde: Montag, Spitzingschule, Leitung Frau Spitzing; Mädchengymnastikstunde: Spitzingschule, Leitung Frau Spitzing, Tag siehe Aushang. Die Stunden beginnen jeweils pünklich um 8,30 Uhr. Aus bayerischen Gemeinden Jubiläum der Synagoge Straubing Die Israelitische Kultusgemeinde Straubing beging am 10. September das fünfundzwanzig!ährige Jubiläum ihrer Synagoge. Die Straubinger Kultusgemeinde, die einzige des Regierungsbezirks Niederbayern, untersteht dem Bezirksrabbinat Regensburg und wurde 1897 unter Führung des frommen und opferwilligen Bankiers Salomon Lippmann s. A. begründet. Zehn Jahre später, 1907, wurde die Synagoge eingeweiht. Zur Jubiläumsfeier hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Weinberg (Regensburg) die Festpredigt, in der er der Verdienten Gründer und Erhalter von Gemeinde und Synagoge gedachte. Die abendliche Feier wurde durch die Ansprache von Hern Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer (Berlin) verschönt. Herr Kommerzienrat Loose, der erste Kultusvorstand, gab einen Rückblick auf die Geschichte der Gemeinde, er rief die Erinnerung an die Einweihungsfeier vor fast 25 Jahren unter dem verewigten Distriktsrabbiner Dr. Meyer zurück und gab den Wünschen aller Teilnehmer der Feier für die Zukunft Ausdruck. Altenstadt in Schwaben. Über die frühere jüdische Gemeinde Osterberg schreibt uns Herr Hauptlehrer Rose in-Altenstadt in Schwaben: Zu den einstigen, jetzt aber aufgelösten jüdischen schwäbischen Landgemeinden gehört auch das von hier nur 1% Wegstunden entfernt gelegene Osterberg. Das Alter dieser jüdischen Gemeinde ist nicht bedeutend. Wohl wird schon in Miedels „Geschichte der Juden von Memmingen“ im Jahre 1550 ein Jude namens Michel von Osterberg ermähnt, doch ist erst 1802 die Entstehung einer Gemeinde nachweisbar. Damals entschloß sich der Reichsfreiherr Anselm von Osterberg unterhalb des gleichnamigen Marktfleckens „eine Ortschaft anzulegen und darin Juden zu etablieren und ip Schutz zu nehmen“. Es sollten bis zu 30 Judenehen Aufnahme finden, die aber bis 1811 schon auf 39 angewachsen waren. Die aufgenommenen Familien kamen aus verschiedenen Gemeinden, darunter aus den Nachbargemeinden Altenstadt und Fellheim und dem entfernteren Deggingen, welches auch längst als Gemeinde aufgehört hat. Nach wenigen Jahrzehnten hatte sich ein blühendes jüdisches Gemeinwesen mit eigener Volksschule entwickelt, das mit der hiesigen jüdischen Gemeinde zusammen bis 1870 ein Distrikcsrabbinat bildete. Doch schon ab 1862 verzogen die ersten Juden von Osterberg nach dem nahegelegenen Memmingen und mit dem Eintritt der vollen Freizügigkeit, da der Ort vom Verkehr zu sehr abgelegen war, schmolz die Gemeinde mehr und mehr zusammen, bis 1905 der letzte israelitische Bürger zu Grabe getragen wurde, nachdem schon 1896 die Vereinigung mit Altenstadt stattgefunden hatte. Die Synagoge war verkauft und abgebrochen worden. Der am Hügelabhang nahe am Ort gelegene Friedhof wurde von der hiesigen Gemeinde in Obhut genommen. Über den Friedhof aber war bei Gründung der Osterberger Gemeinde folgender Punkt im Judenschutzbrief enthalten: „Ihre Toten dürfen sie auf einem unentgeltlich anzuweisenden, 40 Quadratschuh großen Platz begraben, den sie einzäunen müssen. — Wer an dem Friedhof einen Frevel begeht, soll bestraft werden, wie wenn er Sich an einem christlichen vergangen hätte.“ Dieser Satz sollte nun in diesem Jahre seine Aktualität erhalten. Obzwar schon fast drei Jahrzehnte in Osterberg keine Israeliten mehr wohnten, blieb der Ruheplatz der Toten unbehelligt bis zum verflossenen Frühjahre. Da hatten auch hier „rohe Kräfte sinnlos gewaltet“. Sechs größere Grabdenkmäler waren mit Gewalt umgeworfen worden und zwei waren zerbrochen. Obwohl die Polizei sofort von der hiesigen Kultusverwaltung verständigt wurde, konnte bis heute der Täter nicht ausfindig gemacht werden. Da aber auch im Laufe der Jahre die hölzerne Umfriedung recht schadhaft geworden war, sorgte die hiesige Gemeinde unter finanzieller Beihilfe des bayerischen israelitischen Gemeindeverbandes für Herstellung eines dauerhaften Drahtzaunes sowie für Wiederaufrichtung und Ausbesserung der Grabsteine. Es ist wohl nun zu hoffen, daß dieser geheiligte Ort der Toten von weiterer Verunglimpfung verschont bleibt. Aus dem Reiche Zuschüsse zur Drucklegung von Arbeiten aus dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums Der Vorsitzende der Salomon Neumann-Stiftung, Professor Dr. Eugen Mittwoch, teilt uns mit: Aus Mitteln der Salomon Neumann-Stiftung sollen im November des Jahres einige Beträge zur Drucklegung von Arbeiten aus dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums verteilt werden. Entsprechende Gesuche sind bis Ende Oktober 1932 an den Schriftführer der Stiftung, Herrn Rechtsanwalt Dr. Alexander Philipsborn, Berlin N 24, Oranienburger Straße 13/14, zu richten. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung in Deutschland Der Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wurde am 11. September unter starker Beteiligung im Volksbildungsheim zu Frankfurt a. M. eröffnet. Als erster Redner nahm nach den üblichen Begrüßungen Herr M. Ussischk i n, der Direktor des Nationalfonds, das Wort. Nach einigen Worten an die deutschen Zionisten, denen er gründliches Denken,^Disziplin und Organisationsgabe nachrühmte, sprach er von der zur Zeit herrschenden Resignation im Zionismus, an der die englische Palästinapolitik nicht unschuldig sei. Unter den Juden selbst sei man von der ethischen und idealistischen Auffassung des Zionismus auf seine bloße praktische Wertung herabgesunken, als gehe es nur um die Frage, ob und wieviel Juden in Palästina ansässig gemacht werden können. Auch das stark überschätzte Araberproblem tue der zionistischen Sache Abbruch. Ohne Millionen von Juden im Lande sei mit Sprache und Kultur