Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 19 (1.10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 296 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2727950-2727969--08756-2741980- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
296 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 19 Menschen herrschende Wille zu solcher Jugendarbeit fand seinen Ausdruck in der Gründung einer „Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Jugend der Pfalz“, die eine ungebundene lose Organisation darstellte zum Zwecke der Aktivierung aller jüdischen, insbesondere aber der Jugendarbeit in der Pfalz. Ihr traten sofort die Pfadfinderbünde von Kaiserslautern, Landau und Frankenthal und der jüdische Jugendverein Speyer bei. Die übrigen jungen Menschen der Jugendarbeit zuzuführen sollte die Aufgabe einer Zentralstelle in Speyer sein, die die anfänglich von Reinhold Herz, später von Erika Elkan, in letzter Zeit von Hirst Brumlick geleitet wurde. In kurzer Zeit gelang es Jugendbünde in Ludwigshafen, Frankenthal, Grünstadt, Rockenhausen und Rülzheim zu den bestehenden Vereinen in Speyer und Landstuhl und Pfadfindergruppen in Pirmasens, Speyer und Zweibrücken zu den bestehenden Bünden in Kaiserslautern, Frankenthal und Landau zu gründen, sodaß heute etwa insgesammt über 400 junge Menschen in der Pfalz durch die Jugendarbeit erfaßt sind. Der Zusammenschluß der jungen Menschen war leichter, als sie zusammenzuhalten und ihrer Arbeit eine Richtung zu geben; denn fast nirgens standen uns erfahrene Jugendführer zur Verfügung. Häufige Besuche der Leiter der Zentralstelle, meist mit Vorträgen in den Gruppen verbunden, sollten Ratschläge, Kenntnisse und die notwendige sachliche und menschliche Verbindung mit der Zentralstelle hersteilen. Ein Führer Schulungskurs, der zu Pfingsten 2 Tage lang in Kaiserlautern unter dem Leitgedanken „Die jüdische Jugend im Kampf um die Fragen unserer Zeit“ stattfand, sollte eine systematische Führerschulung einleiten. — Ein Treffen aller Pfalzbünde im Sommer an der Isenach gab 100 jungen Menschen der Arbeitsgemeinschaft die Gelegenheit zu menschlichem Kennenlernen. — Auf einem nordpfälzischen Werbetag wurde ein teilweise gelungener Versuch zur Erfassung der Landjugend gemacht. Es gelang weiter eine planvolle Erziehungsarbeit wie sie im JPD durchgeführt wird, zu fördern und den Anfang damit zu machen, eine wirklich jüdische Gemeinschaft in der Gemeinde zu schaffen. Der Aufgabe, unsre Pfälzer Gemeinden um- und neuzugestalten, galt ein Teil unserer Bemühungen. Sie haben insoweit bereits Erfolg gehabt als heute in verschiedenen Pfälzer Gemeinden auf Anregung unsrer Gruppen hin, regelmäßige Gemeindeabende staatfinden, die auch den in dem Kampf der Zeit stehenden älteren Menschen einige Feierstunden jüdisch betonter Besinnlichkeit schenken sollen. — All unsere Arbeit wäre nicht so weit gelungen, ohne die materielle und moralische Unterstützung des Verbandes jüdischer Kultusgemeinden der Pfalz durch ihren hochverehrten Herrn Kommerzienrat Joseph, ohne die materielle, ideelle und moralische Unterstützung des Landesverbandes Pfalz des C. V. durch Herrn Dr. Kehr, denen auch an dieser Stelle warmer Dank gesagt sei. Überall beginnt bei uns in der Pfalz die Jugend ihre Pflicht der Gemeinschaft gegenüber zu erfüllen, gewiß, es ist erst ein Anfang, nicht ohne alle Fehler und Enttäuschungen, aber — immerhin und endlich ein Anfang! Aus der Gemeinde München Jüdische Bevölkerungsbewegung in München in den letzten 5 Jahren Herbert Philippsthal äußert sich in einer der letzten Nummern des „Jüd. Echo“ zu diesem Thema: Die jüdische Geburtenzahl in München, ebenso wie in den übrigen deutschen Städten bewegt sich ständig, nach wie vor, abwärts. Jahr Geborene (Lebend- und Totgeborene) Gestorbene Vater und Mutter jüdisch Vater jüdischen Mutter nicbtjüd. Glaubens Vater nicbtjüd. Mutter jüdischen Glaubens jüdischen Glaubens 1926 82 10 10 146 1927 82 9 5 149 1928 79 12 13 129 1929 76 13 7 145 1930 62 14 7 160 1931 57 9 6 145 Insgesamt 438 67 48 874 Ob diese Abwärtsbewegung mit einer Abwanderung, oder was wir annehmen, mit einem natürlichen Geburtenschwund unmittelbar zusammenhängt, können wir für München nicht feststellen, weil uns die Unterlagen, die von der Polizei über Zu- und Abwanderung laufend geführt werden, nicht zur Verfügung stehen. Dies könnte von dem Gemeindebüro unschwer nachgeholt werden und würde der jüdischen Gesamtheit zum Vorteil gereichen. Sogar' gewisse Aufwendungen für derartige Listenführungen sind berechtigt, auch wenn sie keinen pekuniären Vorteil ergeben, weil der jüdische Mensch den treibenden Faktor aller Geschehnisse im Gemeindeleben darstellt. Absichtlich ist oben eine zusammenhängende Jahrestabelle seit dem Jahre 1926 aufgeführt, um den Lesern die für ganz Deutschland in bezug auf die Juden charakteristische Entwicklung plastisch vor Augen zu führen. Aber immer weniger Kinder und, da die Sterblichkeit im allgemeinen nach oben zeigt, eine von Jahr zu Jahr sich ungünstiger gestaltende Bevölkerungsbilanz. Wir sehen in keiner Hinsicht eine Änderung der Situation, wie sie in kurzen Umrissen von uns gezeichnet worden ist. Eheschließungen Gemischte Ehen zwischen Ungemischte Ehen zwischen jüdisch.Männern und nicht jüdisch. Frauen nicbtjüd. Mann, und jüdischen Frauen 1926/1931 210 Die Geburten aus Mischehen betragen im Vergleich mit denen aus rein jüdischen Ehen mehr als ein Viertel. In Hinsicht auf die überaus hohe Mischehenzahl müßten sie aber viel größer sein. Die verhältnismäßig geringen Ziffern sind auf die sehr unfruchtbaren Mischehen — auf deren große Kinderlosigkeit — zurückzuführen Die Mischehen haben in München eine Höhe erreicht, die sogar Großberlin weit in den Schatten stellen. Das Jahr 1931 stellt eine Rekordhöhe der Mischehe dar. Überaus betrüblich ist eine solche Entwicklung, die gerade im krassen