Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 19 (1.10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 295 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 295 Virziiglicl» Bette» »Hotel Bayerischer Hof DM »nt Gast Augsburg destens 14 000 Stück Großvieh, 14 000 Stück Kälber und 1500 Stück. Schafe geschachtet; dazu kommen noch jährlich 8000 bis 10 000 Stück Wurstkühe und Stiere, die vor dem Schächtverbot zum Export nach Norddeutschland in Bayern geschlachtet wurden, jetzt aber in außerbayerischen Staaten gekauft und geschachtet werden. Das Schächtverbot hat außerdem in Bayern die Zahl der beschäftigungslosen Metzgergesellen um 200 vermehrt, vor allem sind der Viehhandel und die Landwirtschaft geschädigt worden. Auch die Häute- und Fellverwertungen haben einen bedeutenden Ausfall. Und nicht zuletzt ist eine Mindereinnahme von Schlachthof- und Versicherungsgebühren zu verzeichnen. Einstimmig wurde der Beschluß gefaßt, zur gegebenen Zeit und im Einvernehmen mit dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden beim Bayerischen Landtag den Antrag auf Aufhebung des Schächtverbotes zu stellen. Metzgermeister Levi-München wurde in den Vorstand des Verbandes wiedergewählt. In Bayern gibt es bei 49 000 Einwohnern 270 jüdische Kultusgemeinden und etwa 250 jüdische Metzger, die fast ausnahmlos im Metzgerverband organisiert sind. Soweit die Ausführungen des Fachorgans. Die bayerischen Juden haben in ihrer Gesamtheit ohne Unterschied der religiösen Richtung das Schächtverbot nie vom Interessenstandpunkt sondern als schwere Verletzung der Gewissensfreiheit betrachtet. Immerhin ist es interessant, die Auswirkungen des Schächtverbotes von der wirtschaftlichen Seite her behandelt zu sehen. Jüdische Jugendarbeit in der Pfalz vonReinholdHerz, Speyer. Die Tätigkeit der jüdischen Jugendverbände in Deutschland hat in der letzten Hälfte unseres Jahrzehnts eine grundlegende Änderung erfahren: vorbereitet durch die einer starken Stützung in seelischer und wirtschaftlicher Hinsicht bedürftige Lage der jungen Generation, im besonderen Maße unserer jüdischen, haben die Jugendverbände versucht zu einer praktischen Einwirkung auf die Lebensgestaltung ihrer Menschen zu gelangen. Jahrzehnte hindurch haben die meistens auf reine Erziehungsarbeit eingestellten jüdischen Jugendbünde wenig oder nur geringe Teilnahme in der Pfalz gefunden. Man kannte bei uns kaum den organisierten Zusammenschluß junger jüdischer Menschen in einer Gruppe. Jedenfalls herrschte dieser Zustand längere Zeit hindurch und es ging nicht ohne einen Schaden ab, der darin bestand, daß unsere jungen Juden aus der Pfalz mit nur ganz wenigen Ausnahmen die Verbindung mit der außerpfälzischen jüdischen Jugend Deutschlands, soweit sie in großen Gemeinschaften zusammengeschlossen war, verloren, und daß auch allmählich deren Interesse an ihnen erlosch, sodaß auch von außen her kaum noch Bemühungen um eine Gruppenbildung dieser jungen Menschen erfolgte. Nur zwei Gruppen jüdischer Pfadfinder, in Kaiserslautern und in Frankenthal, von denen die erste um Leonhard Felsenthal Erziehungsarbeit leistete (und noch leistet), waren Stätten jüdischer Jugendarbeit in der Pfalz. Erst die durch Rudi Wertheimer, ehemals Kaiserslautern, angeregte Gründung eines jüdischen Jugendvereins in Speyer im März vorigen Jahres offenbarte die neue durch äußere, vor allem antisemitische Einflüsse, erstarkte Bereitschaft auch junger Pfälzer Juden zur Gemeinschaftsbildung. Seitdem bemüht sich in Speyer ein Kreis junger Menschen mit erfreulicher Beharrlichkeit um die Erkenntnis der jüdischen Fragen. Aus dem gemeinschaftlichen Kennenlernen der eigenen Situation heraus, sah man die Gemeinsamkeit dieser Situation innerhalb des engen Kreises und auch seiner ganzen Generation. Bald ergriff der Speyerer Kreis unterstützt von dem ihm nahestehenden Reichsjugendausschuß des C. V. unter Alfred Hirschberg die Initiative zur Erfassung der jungen Menschen im Sinne jüdischer Jugendarbeit. Nach einer grundsätzlichen Aussprache zwischen Leonhard Felsenthal, Kaiserslautern, Heinz Gochsheimer, Mannheim, und Reinhold Herz, Speyer, wurden in einem Rundschreiben alle größeren jüdischen Gemeinden der Pfalz aufgefordert eine Vertretertagung der jüdischen Jugend der Pfalz zu besuchen, die Anfang April dieses Jahres stattfand. Auf dieser Tagung, der Jugendvertreter aus zwölf Pfalzgemeiriden beiwohnten, wurde die Lage der jüdischen Jugend mit ihrer inneren und äußeren Unsicherheit aufgezeigt und erörtert, wie stark insbesondere bei uns in der Pfalz das Bedürfnis nach einer jüdischen Jugendarbeit sei, die die jungen Menschen durch planvolle gemeinschaftliche jüdische Erziehungs¬ und Bildungsarbeit innerlich und durch eine soziale Jugendhilfe wirtschaftlich stütze. Der bei den jungen