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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-10-01 · 19 (1.10.1932) · p. Seite 294

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
19 (1.10.1932)
Date
1932-10-01
Page
Seite 294 (sequence 6)
Language
German
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294 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 19 Aus den Edelsteinen, die sein Spürsinn und Finderglück aus dem Schutt der Überlieferung hervorgrüb, liebte er und verstand es wie wenige, durch Schrift und Fassung kleine Kunstwerke zu gestalten. . . . Mindestens ebensosehr wie die darin enthaltenen Ergebnisse und Nachweisungen ist es der Adel dieser Bildung und die Kunst der Darstellung, welche Bernays Schriften Wert und Dauer verleiht.“ Neben diesen beiden Meistern der Wissenschaft wird mancher Leser überrascht sein, hier auch Carmen S y I v a (Pseudonym der Königin Elisabeth von Rumänien) erwähnt zu sehen, die in ihrem Elternhause Gelegenheit gehabt hatte, Bernays kennen zu lernen, und dann Jahrzehnte später in ihren Lebenserinnerungen „Mein Penatenwinkel“ (1908) das Gedächtnis dieses großen Mannes festhielt. Das an den drei genannten Stellen gezeichnete Bild wird nun nach den verschiedensten Seiten glücklich ergänzt durch das neue Werk von Michael Fraenkel. Der Verfasser, ein Bruder des ausgezeichneten^ 1909 als ordentlicher Professor der orientalischen Sprache in Breslau verstorbenen Semitisten Sigmund Fraenkel gehört zwar nicht selbst zur Zunft, hat aber schon eine Reihe von anziehenden Monographien zur Gelehrtengeschichte veröffentlicht und erweitert hier durch viele neue und wertvolle Zeugnisse unser bisher recht unvollkommenes Wissen über Jakob Bernays. Aus einem reichen, größtenteils unbekannten Briefwechsel, welchen Bernays bis zum Tode mit zahlreichen erlesenen Geistern geführt hatte, werden hier — leider nur in gekürzter Auswahl — ungeahnte Schätze gehoben. Unter den vielen hier zu Worte kommenden bedeutenden Persönlichkeiten seien nur genannt: Christian Karl Josiah Freiherr von Bimsen (1842 — 54 preussischer Gesandter in London, zugleich gelehrter Theologe), von dem unter anderem das „Vollständige Bibel werk für die Gemeinde“ (fortgesetzt von Holzmann und Camphausen 1858 — 1870) hervorzuheben ist, Paul Heyse, Ernst Curtius, Theodor Mommsen, Max Müller (Oxford). Es ist schwer möglich, aus der Fülle der hier gesammelten Briefe etwas herauszugreifen; darum sei hier nur auf einiges für den Lebensgang von Bernays besonders Bemerkenswertes hingewiesen, Wir erfahren da z. B„ daß der junge Gelehrte ungeachtet aller Bemühungen wohlwollender und besonders kompetenter Freunde durch die Kurzsichtigkeit (oder Engherzigkeit) maßgebender Kreise der damaligen preussischen Regierung lange von einer Professur ferngehalten wurde, wie er als Privatdozent in B o n n anfing, dann in gleicher Stellung an der Universität und als Dozent an dem jüdisch-theologischen Seminar in Breslau wirkte, während gleichzeitig 1865 die preussische Akademie der Wissenschaften ihn zu ihrem korrespondierenden Mitglied wählte, und wie er dann schließlich bis zu seinem Tode, wiederum in Bonn außerordentlicher Professor und Oberbibliothekar war. Weiter hören wir, wie Bunsen versuchte, ihn zum Übertritt zum Christentum zu bewegen und wie er diese Aufforderung würdig beantwortete. Endlich erfahren wir auch, daß er die gleiche Treue, die er für seine angestammte Religion bewies, auch seiner preussischen Heimat wahrte, indem er mehrere ihm angetragene ehrenvolle Stellungen in Frankreich und England kurzerhand ausschlug. Auch Ulrich Wilamowitz-Möllendorf erwähnt in seinen „Erinnerungen“, (zitiert von Fraenkel S. 32) Jakob Bernays: „Er war nicht nur strenger Jude und hatte mit seinem Bruder gebrochen als er sich taufen ließ, sondern trug den Stolz auf sein Judentum zur Schau. . . Für die Söhne unserer Zeit ist wohl von besonderem Interesse eine Stelle aus einem Briefe von Curtius vom 19. Juli 1863 (S. 131): „Dieser Halbgrieche! (gemeint ist Aristoteles)! Ist denn die Tatsache schon einmal ordentlich erwogen und besprochen, daß die Mischung mit fremdem Blut so manche absonderliche Tüchtigkeit und Größe bei den Griechen hervorgerufen hat? Demosthenes, Thukydides, Themistokles, Kimon und gewiß noch viele andere, die mir jetzt nicht beifallen. Es ist lächerlich, wenn neue und alte Historiker von großen Griechen „Makel“ zu entfernen suchen. Gewiß war namentlich nordischer Blutzufluß zur Stählung der Willenskraft den Kindern von Hellas sehr heilsam.“ Nicht weniger sagt unserem Geschlecht der Brief von Bernays an Max Müller vom 16. Dezember 1870 (während des Deutsch-französischen Krieges). So sei das Buch all denen empfohlen, die Geistesadel und Seelengröße noch zu würdigen wissen, ohne sich durch konfessionelle oder nationalistische Vorurteile beirren zu lassen. Hauptversammlung des Landesverbandes jüdischer Metzgermeister in Bayern Dem „Bayerischen Metzgermeister“ Nr. 37 vom 10. September 1932 entnehmen wir folgende Ausführungen über die diesjährige Hauptversammlung des Landesverbandes jüdischer Metzgermeister in Bayern. Die diesjährige Hauptversammlung des Landesverbandes jüdischer Metzgermeister, die in Würzburg am 4. September stattfand, befaßte sich eingehend mit dem Kampf um das Schächten, der, wie Obermeister Stadtrat Trost-Würzburg in seinem Bericht feststellte, zur Kernfrage für das gesamte Metzgerhandwerk geworden ist. Die Wirkungen des jetzt gerade zwei Jahre bestehenden Schächtverbotes in Bayern sind katastrophal. Die Statistik gibt folgende Aufschlüsse: Für Bayern werden gegenwärtig jährlich außerhalb des Landes min-

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