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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-09-15 · 18 (15.9.1932) · p. Seite 279

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
18 (15.9.1932)
Date
1932-09-15
Page
Seite 279 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 279 Bei Geschwistern zahlt das zweite Kind: RM. 16.— pro Jahr RM. 8— pro Semester RM. 1.50 pro Monat Bei Geschwistern zahlt das dritte Kind: RM. 12.— pro Jahr RM. 6.— pro Semester RM. 1.— pro Monat Gesuche uin Ermäßigung sind an das Komitee der hebräischen Sprachkurse (für je 1 Semester) zu richten an Herrn Paul Grünbaum, Rothmundstraße 6. Gesuche, die nach dem 15. Oktober ei n gereicht werden, können keine Berücksichtigung mehr finden. Am Anfang dieses Wintersemesters beginnen 3 neue Kurse: 1. ein Anfängerkurs, 2. ein Bibelkurs für Fortgeschrittene (in Verbindung mit Bibelkommentaren und Agada), 3. eine Arbeitsgemeinschaft über die neuhebräische Literatur für Fortgeschrittene. In diesen sowie allen bestehenden Kursen werden neue Schüler aufgenommen. Anfragen sind zu richten an das Büro der hebräischen Sprachkurse, Herzog-Rudolf-Straßel, Rgb., Telephon: 2 97 4 49. Jetzt, da die Erlernung der hebräischen Sprache nicht nur dem Zwecke der Verbindung jünger jüdischer Menschen der hebräischen Kultur und jüdischer Vergangenheit dient, sondern auch eine rein praktische Bedeutung hat, ist zahlreicher Besuch unserer Kurse besonders zu empfehlen. Der Stundenplan des Wintersemesters wird demnächst bekannt gegeben. Aus bayerischen Gemeinden Ehrung für Rabbiner Dr. Freudenthal Nürnberg. Das Nürnberg-Fürther Israelitische Gemeindeblatt widmet Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal zu seinem 25jährigen Amtsjubiläum eine Festnummer. Darin gedenken jüdische Führer, Kollegen und Freunde des Jubilars in treuer Gesinnung und Dankbarkeit der segensreichen Wirksamkeit des aufrechten klugen Mannes. Aus der Festnummer haben wir im vorigen Heft der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung die Glückwünsche des Präsidenten ' des Landesverbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden abgedruckt. Herr Rabbiner Dr. Freudenthal hatte dringend gebeten von jeder anderen Ehrung abzusehen. Professor Friedrich Stummer Würzburg. Zum Nachfolger des jüngst verstorbenen Universitätsprofessors für Altes Testament in der Theologischen Fakultät der Universität Würzburg, Geheimrat Johannes Hehn, wurde für das gleiche Fach der Freisinger Hochschulprofessor Friedrich Stummer berufen und vom Kultusministerium ernannt. Wie erinnerlich hat Geheimrat Hehn dem Verband bayerischer israelitischer Gemeinden und der Würzburger Lehrerbildungsanstalt vor wenigen Jahren ein ausgezeichnetes Gutachten über den Bildungs- und Kulturwert der hebräischen Sprache erstattet, das auch in diesen Blättern (Gem.-Ztg., Jg. 1931, vom 1. Juli, S. 203 ff.) abgedruckt war. Professor Stummer ist auch jüdischen Kreisen durch sein letztes größeres Werk „Einführung in die lateinische Bibel“ (Paderborn, Schöningh 1928) bekannt. Er hat sich erst jüngst anläßlich des nicht einwandfreien Buches von Eugen Müller über Judentum und Zionismus sehr weitblickend und überlegen zu diesem Thema (in der Kölnischen Volkszeitung vom 25. März 1932) geäußert. Wer jenes Grundwerk und Stummers Arbeiten über die lateinische Bibel vor Hieronymus, über die Bemühungen dieses Kirchenvaters um den lateinischen Bibeltext und die Entstehung des jetzt üblichen Vulgata-Textes bis zur jüngsten Phase der neuen römischen Ausgabe der Vulgata zur Genesis, studiert hat, findet bestätigt, daß die katholische Forschung auf dem Gebiet der alttestamentlichen Exegese die protestantische Wissenschaft vom Alten Testament überflügelt hat und noch viel größere Beachtung auch bei uns verdient als bis jetzt. Abwanderung von der jüdischen Dorfgemeinde Niederwerrn (Ufr.). Im Alter von fast 76 Jahren starb hier der hochgeachtete jüdische Bürger Markus Heß lein, tiefbetrauert von der Bevölkerung des unterfränkischen Dorfes Niederwerrn und seiner Umgebung. Die Beteiligung ganzer Dorfabordnungen von Bauern bei seiner Beerdigung gibt einer Verwandten, Frau Meta Sander in Suhl, die Veranlassung zu folgendem Brief an die „Deutsche Israelitische Zeitung“: „Zweimal fuhr ich in diesem Jahre zur Beerdigung lieber Verwandter in die fränkische Landschaft. Das erstemal war es mein Vetter, der in jungen Jahren vorbildlich mitten unter den Bauern des Frankenstädtchens lebte. Er selbst verwaltete den großen Grundbesitz mit eisernem Fleiß. Er leistete wie jeder andere Bauer die schwere körperliche Arbeit, und sein guter Einfluß wirkte im weitesten Umkreis. Zu seiner Beerdigung erschienen Hunderte von christlichen Bauern und standen tiefergriffen an seiner Bahre. Ein Großstädter sagte zu mir: „Er starb wie ein König in seiner Landschaft.“ Dies war Ernst Mandelbaum in Aub. — Zum zweiten Male machte ich in dieser Woche den Weg nach dem fränkischen Dorf Niederwerrn. Wieder standen ganze Dorfabordnungen von Bauern an der Bahre eines edlen Mannes, Markus Heßlein. Tief erschütterte mich wieder dieses Zeichen treuer Anhänglichkeit in dieser so schweren Zeit. Juden werden an so vielen Plätzen gehaßt und verfolgt, und hier diese Zeichen treuester Liebe und Freundschaft. Nach einer Rede des Rabbiners hielt ein Freund des Verstorbenen, der Vorstand des Kriegervereins, einen tief empfundenen Nachruf. Er bedauerte es, daß es heute so weit gekommen ist, daß die Menschen sich in Haß gegenüberstehen und sich nicht mehr verstehen, und rühmte dem Verstorbenen nach, wie er es verstanden habe, Liebe zu säen und zu ernten. Nun kommt für uns Juden aus diesen Erlebnissen die bitter traurige Lehre: Auch wir sind mitschuldig an unserer heutigen Lage. Sehen wir uns in diesen Dörfern um, die schönsten Gehöfte von Juden gehen in andere Hände über. Wir sind doch sehr in die Irre gegangen, als wir alle in die Städte zogen, und wir müssen den Weg „Zurück“ finden. Viele von uns haben sich von falschem Schein blenden lassen und die Jugend dem Lande entfremdet. Wir versäumen auch jetzt noch die Zeit, die Dörfer veröden immer mehr, da zu wenig Nachwuchs da ist, der zurück bleibt. Ich frage meinen Vetter, der selbst noch seinen Pflug führt, wie das komme, und er gab mir die treffende Antwort, daß wir Frauen daran schuld sind. Denn die Frauen drängten in die Stadt und wollen nicht aufs Land zurück. Die Söhne sind in die Stadt gegangen, um kleinste abhängige Stellungen anzunehmen, und die Töchter wollen nach der Stadt heiraten. Wir müssen nun den Hebel bei der Landjugend ansetzen, müssen sie wieder durch Vorträge und Belehrungen stolz auf ihr Vaterhaus, auf ihr Dorf, auf ihren Grund und Boden machen. Dies ist der einzige Weg, den ich sehe, um das deutsche Judentum zu retten.“ Israelitische Kultusverwaltung Bad Kissingen Am 15. September beging Herr Ludwig Steinberger sein 40jähriges Amtsjubiläum als Lehrer und Kantor. Der Vorstand der Kultusverwaltung ehrte den treuen Beamten, der die lugend unserer Generationen im Sinne des überlieferten Judentums erzogen und den Gottesdienst verschönert hat, durch eine besondere Feier, an der sich vor allem die Schüler des Jubilars und andere Vereine beteiligten. Aus dem Reiche Jubiläum der Synagoge am Börneplatz Frankfurt a. M. Anläßlich des fünfzigjährigen Jubiläums der Frankfurter Synagoge am Börneplatz bringt das Frankfurter Israelitische Gemeindeblatt eine Reihe vorzüglicher Beiträge, die über die lokale Bedeutung hinaus einen tiefen Einblick in den Wandel des deutschen jüdischen Gemeindelebens geben. Das preußische Austrittsgesetz vom Juli 1876 ließ die Frage, wie die Gemeinde für die Bedürfnisse ihrer konservativen Mitglieder zu sorgen hat, neu aufleben. Der Bau der Synagoge am Börneplatz bedeutete nach vielen Auseinandersetzungen

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