Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 18 (15.9.1932)
- Date
- 1932-09-15
- Page
- Seite 278 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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278 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 18 geworden. — Was man in der Gegenwart. braucht, ist eine Musik, die einen starken jüdischen Eigenton hat, religiöse Weihe, dabei aber den Forderungen des durch die neuere Musik beträchtlich umgebildeten Ohrs Genüge leistet. Wir finden kein rechtes Gefallen mehr an dem konventionellen, weichen und glatten Wohlklang allein, wir verlangen stärkere harmonische Reibungen, eine freiere, weniger taktmäßig gebundene Rhythmik, eine kühnere und phantasievollere melodische Linie. In zwei Worten ausgedrückt: Die neue jüdische Musik soll sowohl jüdisch wie neu sein — traditionell und modern zugleich. Nach dieser schwierigen Verbindung hin garantieren die Bemühungen der wenigen jüdischen Künstler von Rang, die die Eigenart des Problems erkannt haben und die Berufung und das Können in sich fühlen, so schwierigen Aufgaben gerecht zu werden. — Schalits musikalische Freitagabend-Liturgie entspricht jenen oben erwähnten Forderungen — sie ist religiös weihevoll, jüdisch im Ton und neu im Klang. Der Komponist hat seiner Musik traditionell anzusprechende Weisen unterlegt, deren Ausbau, Gestaltung, Färbung jedoch sein geistiges Eigentum ist. Diese orientalischen Melodiewendungen muten unserm Ohr sehr echt und jüdisch, an, sie erscheinen uns gleichzeitig fremdartig und doch vertraut, und dies charakteristische Gemisch gibt ihnen einen eigentümlichen Reiz. — Besonders eindringlich wirken die Solostücke des Kantors durch ihre freie, aus dem Geiste der hebräischen Sprache entspringende sinnvolle Deklamation und die stimmungsvolle, mit einfachen Mitteln vielsagende Begleitung der Orgel. Hier ist wirklich ein jüdischer Ton, würdig und nobel in der Haltung, nicht verunziert durch jene geschmacklosen Tiraden, die so oft in den polnischen Synagogen die Vorbeter sich leisteten, aber auch nicht in jener konventionell geglätteten, typisierten Nüchternheit des deutschen4 Nigun. Schalits ernste und stilvolle Musik wird den meisten Hörern vielleicht ungewohnt klingen. In ihrer strengen, künstlerischen Haltung verzichtet sie auf die billigen Wirkungen eines gefälligen, populären Klanges. Sie ist hoch zu bewerten als ein bedeutsamer Versuch, die jüdische religiöse Musik aus reinem Herzen und mit großem künstlerischen Können zu erneuern.“ Bayerische Vereinsbank Kredit- und Hypothekenbank 1869 Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns r. d. Rh. Sorgfältige und entgegenkommende Erledigung von Bankgeschäften aller Art Sparverkehr Verkauf von Gold-Pfandbriefen Frau Rosa Merzbacher gestorben Am 29. August entschlief nach langem Leiden Frau Rosa Merzbacher, die Gattin des verstorbenen langjährigen Vorsitzenden von Ohel Jacob Dr. Eugen Merzbacher und Mutter von Frau Elisabeth Kitzinger. Heinrich Frankel 70 Jahre Am 10. September konnte Herr Heinrich Fränkel, Mitinhaber und Seniorchef der über 100 Jahre alten Münchener Firma A. Fränkel, Wollgeschäft, seinen 70. Geburtstag feiern. Heinrich Fränkel, Handelsrichter und Mitglied des Aufsichtsrates mehrerer Gesellschaften, zählt zu den angesehensten Münchener Geschäftsleuten. Seiner nie ermüdenden Arbeitskraft ist es zu verdanken, daß sein Bruder, Mitinhaber der Firma, der vor wenigen Jahren verstorbene Kommerzienrat Siegmund Fränkel, der sich bekanntlich um das bayerische Judentum unvergeßliche Verdienste erworben hat, unbesorgt seine Aufgaben im Dienst des öffentlichen Wohles und besonders der bayerischen Judenheit erfüllen konnte. Heinrich Fränkel, dem vorbildlichen, tief religiösen und bescheidenen Menschen und seiner Familie gelten die verehrungsvollen herzlichen Glückwünsche seiner Freunde und Glaubensbrüder. Gelöste Preisaufgabe der Universität München Der Student der Medizin Hugo Droller in München erhielt den Preis der Universität München für die beste Lösung der von der medizinischen Fakultät gestellten Preisaufgabe. Das Thema der von ihm gelösten Preisaufgabe war folgendes: „Es soll die Säurebildung in der Haut (besonders Ameisen- und Milchsäure) unter normalen, pathologischen und experimentellen Bedingungen bei besonderer Berücksichtigung des Kohlehydratstoffwechsels untersucht werden.“ Hebräische Sprachkurse, München. Das Lehrjahr der hebräischen Sprachkurse, München, beginnt, nicht wie bisher am 15. November, sondern am 1. September und teilt sich in zwei Semester. Das erste (Wintersemester) beginnt am 1. September und dauert bis zum 31. Januar (5 Monate), das zweite (Sommersemester) dauert vom 1. Februar bis zum Beginn der Sommerferien (6 Monate). Das Schulgeld wird monatlich entrichtet, und zwar zahlen die Teilnehmer der Kurse nur für 10 Monate im Jahr; für Juli (Lehrmonat) und August (Ferienmonat) ist kein Schulgeld zu entrichten. Das Honorar hat sichim Gesamtbetrag nicht geändert und setzt sich wie folgt zusammen: Grundkurse: Wöchentlich einmal 1 Unterrichtsstunde kostet: RM. 30.— pro Jahr RM. 15.— pro Semester RM. 3.— pro Monat Wöchentlich 1^ Unterrichtsstunden kosten: RM. 40.— pro Jahr RM. 20.— pro Semester RM. 4.— pro Monat Wöchentlich zweimal je 1 Unterrichtsstunde: RM. 50.— pro Jahr RM. 25.-"- pro Semester RM. 5.— pro Monat Grammatikkurs: Wöchentlich einmal 1 Unterrichtsstunde kostet: RM. 30.— pro Jahr RM. 15.— pro Semester RM. 3.— pro Monat Für Teilnehmer an Grundkursen: RM. 15.— pro Jahr RM. 7.50 pro Semester RM. 1.50 pro Monat Kinderkurse: Wöchentlich 1—1^ Unterrichtsstunden kosten: RM. 20.— pro Jahr RM. 10.— pro Semester RM. 2.— pro Monat