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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1932-09-15 · 18 (15.9.1932) · p. Seite 277

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
8 (1932)
Issue
18 (15.9.1932)
Date
1932-09-15
Page
Seite 277 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 277 Abraham Adler, Simon Bamberger und Raphael Breuer, berühmte und glänzende Vertreter ihres Standes. An Sie, sehr verehrter Herr Doktor, ist der Ruf ergangen, sich dieser Reihe anzuschließen. Als Vorsteher der Gemeinde Ihrer Vaterstadt habe ich Ihre Entwicklung von frühen Jahren an verfolgt. Während die Jugend nach dem Kriege vielfach die geistige Sammlung vermissen ließ, haben Sie in jungen Jahren einen tief religiösen Sinn gezeigt. Sie haben sich mit der Bitte an die Gemeinde gewendet, für ihre Altersgenossen an den hohen Feiertagen einen Gottesdienst abhalten zu dürfen und gerne haben wir Ihren Wunsch erfüllt. Mit innerem Bangen und Zagen werden Sie erkannt haben, daß auch an Sie der Ruf ergangen ist, wie ihn der Prophet Jeremias uns kündet: „Al col ascher eschlachocho telech, wohin ich Dich senden werde, sollst Du gehen, w’ees col ascher azafcho tedaber, und alles, was ich Dir gebieten werde, sollst Du verkünden.“ Als Jüngling haben Sie Ihre religiöse wissenschaftliche Ausbildung weit über die üblichen Grenzen hinaus erstreckt und die Stätten der Weisheit im Osten besucht. In jungen Jahren und doch als gereifter Mann ist Ihnen nunmehr dieses Amt übertragen worden. Wir feiern in diesem Jahre den größten deutschen Dichter und wir verzeichnen heute seinen Geburtstag. Groß sind die Einwirkungen der Bibel auf ihn gewesen und freundliche Beziehungen verbinden diese Gemeinde auch mit der benachbarten Gemeinde seines Geburtsortes. Am Beginn seines Meisterwerkes schildert Goethe das Werden und Wirken der Natur. Die Engel singen: „Die unbegreiflich hohen Werke sind herrlich, wie am ersten Tag,“ Und am Ende seiner Dichtung, am Ende seines Lebens, verkündet er das Geheimnis jener Wunder, das innerste des Wesens, das die Welt bewegt und sie umfaßt mit seinen holden Schranken: Die göttliche Liebe, die das All durchdringt. Sie ist das Dauernde im Wechselnden, das Ewige im Endlichen, das Wahre im Schein der Zeit, die Erfüllung und das Ziel alles Schwankens und Irrens. Die köstlichste Frucht der göttlichen Liebe aber ist der Friede. Unsere alten Lehrer sagen: „Talmide chachomim marbim scholom beolom“ „Die Jünger der Gotteslehre müssen den Frieden wahren.“ So seien Sie der Mann des Friedens. Gar schwer ist die Aufgabe, die dem geistlichen Führer der Gemeinde gestellt ist, gar groß sind die Verschiedenheiten der Anschauungen und der Gemüter. Daß der Führer aber einen Geist habe, gleich dem Geiste aller ihm Anvertrauten, das dürfte sich wohl erst in der Zeit des Messias erfüllen. Der Midrasch erzählt, daß Moses Gott bat, ihm einen Nachfolger zu bestellen und hier das Gebet sprach: „Du kennst das Sinnen und Trachten jedes Menschen und weißt, daß nicht einer wie der andere denkt. So bitte ich Dich, wähle meinen Nachfolger so, daß er eines jeden Last nach dessen Denken trage. Das also ist die schwere Aufgabe, die unserer geistigen Führer harrt. Wenn wir das Wort Frieden auf den Lippen führen, so ist die erste Bitte: Gib Frieden unserem geliebten, unglücklichen Vaterland! Gar vielen von uns ist die bange Sorge im Herzen, was soll nun werden, was wird das Los unserer Gemeinschaft in der Entwicklung der Dinge sein. Mit Empörung weisen wir die Bestrebungen zurück, alles was schlecht in der Welt ist, mit uns in Verbindung zu bringen. Unser Weg aber ist uns klar vorgezeichnet: Das Kind liebt die Mutter über alles, auch wenn sie einmal streng, böse oder ungerecht ist. Das liegt im Wesen der Liebe, und die edelsten Männer aller Zeiten und nicht zuletzt die Lehren unseres Glaubens zeigen uns, daß die Liebe zum Vaterlande unbedingt und ohne Schranken ist. Noch ist es Nacht. Der Morgen aber wird kommen. Und dieser Morgen wird nicht ohne Religion sein. Nur von der geistigen, sittlich religiösen Wandlung der Menschen kann die Besserung kommen und an diesem Morgen wollen wir zu unserem bescheidenen Teil und nach unserer Eigenart mitarbeiten und mithelfen an dem Wiederaufbau unseres geliebten Vaterlandes. Gib Frieden diesen Gemeinden, daß sie treu zusammenstehen, zum Wohle unserer Gemeinschaft, Gib Frieden diesem Manne, daß er ihn wieder ausstrahle in die Herzen derer, die ihn heute so freudig empfangen. Möge der Segen des Herren Sie auf allen Ihren Wegen begleiten! Diesen Willkommgruß bringen Ihnen, verehrter Herr Doktor, die bayerischen Gemeinden heute an Ihrem Ehrentage. Nach der Rede des Präsidenten des Verbandes bayer. Israelit. Gemeinden begrüßte Bürgermeister Gräf als Vertreter der Stadt Aschaffenburg Herrn Rabbiner Dr. Bloch. Er wies darauf hin, daß die Stadt an der Trauer der Gemeinde um ihren heimgegangenen Führer teilgenommen habe und nun in der gleichen Gesinnung an ihrer Freude teilnehme. Die loyale Haltung der Stadt den jüdischen Mitbürgern gegenüber sei in Aschaffenburg gute Tradition und mit dieser Ehrung und Achtung der jüdischen Mitbürger befinde sich die Stadtverwaltung im Einklang mit dem überwiegenden Teil der Aschaffenburger Bevölkerung. Er gab der Erwartung Ausdruck, der neue Rabbiner werde gleich dem Führer in den städtischen Körperschaften in harmonischer Weise mitarbeiten. Der Vortrag des Psalms 128 beschloß die Feier. Aus der Gemeinde München Erneuerung der jüdischen Kultmusik Heinrich S c h a 1 i t hat die Komposition einer „Freitagabend-Liturgie für Kantor, Chor und O r - g e 1“ vollendet. Am 16. August wurde in Berlin im Rahmen des Gottesdienstes der Synagoge, Lützowstraße, diese neue liturgische Musik unter Chordirigent Alexander Weinbaum zur ersten Aufführung gebracht. Aus diesem Anlaß widmet das „Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde Berlin“ dem Schalitschen Werk einen Artikel aus der Feder des bekannten Musikforschers und Komponisten Dr, Hugo Leichtentritt „Uber die Erneuerung der jüdischen Kultmusik“. Das besondere Ereignis dieser Erstaufführung gibt Dr. Leichtentritt Anlaß, daran einige grundsätzliche Bemerkungen über Synagogalmusik zu knüpfen und im besonderen auf das neue Werk Schalits näher einzugehen: „Die Erneuerung der jüdischen Kultmusik gehört zu den wichtigsten Aufgaben einer mit dem Leben der Gegenwart verbundenen Liturgik. — Nach einem halben Jahrhundert Lewandowskischer Musik ist ihre Farbe verblaßt, ihr Klang matt Zu den Feiertagen empfiehlt l5FÜ(lCF .e? * JfP gegr. 1878 Ersikl. 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