Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 17 (1.9.1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 266 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2727810-2727950-2727967--08726-2741946- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
266 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 17 in Neuendorf in Gärtnerei, Landwirtschaft, Tischlerei, Schlosserei, Schuhmacherei, Stellmacherei usw. beschäfitgt werden. Die Anzahl der Aufgenommenen soll nach Möglichkeit bald erhöht werden. Unter den Aufgenommenen befindet sich auch eine Gruppe des Freiwilligen Arbeitsdienstes aus Berlin, die vom Jüdischen Arbeitsnachweis zusammengestellt wurde und für die auf Grund der Bestimmungen über den Freiwilligen Arbeitsdienst das Reich die Kosten trägt. Sobald mit dieser Gruppe einige Erfahrungen vorliegen, ist beabsichtigt, auch aus anderen Landesteilen Gruppen des Freiwilligen Arbeitsdienstes aufzunehmen. Dies wird um so eher möglich sein, als die neuesten Bestimmungen über den Freiwilligen Arbeitsdienst fast allen Erwerbslosen, insbesondere Jugendlichen bis zu 25 Jahren, die Förderung des Reiches zubilligen. Aufnahme in die Kolonie ist nur nach vorheriger schriftlicher Zusage durch den Verein „Jüdische Arbeitshilfe“, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158, möglich. Dieser Hinweis ist um so dringlicher, als viele Erwerbslose aus verschiedenen Gemeinden Deutschlands sich sofort nach Bekanntgabe der Eröffnung des Landwerks einzeln und in Gruppen auf den Weg gemacht haben, um direkt im Landwerk Neuendorf Aufnahme zu finden. Jüdische Forschung in Not Berlin. Professor Dr. Ismar Elbogen befaßt sich im Augustheft des Gemeindeblattes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin unter der Überschrift „Jüdische Forschung in Not“ mit der Lage der jüdischen wissenschaftlichen Institutionen in Deutschland auf Grund von Mitteilungen des Berliner Rabbiner-Seminars, des Kuratoriums der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und des Jüdisch-Theologischen Seminars in Breslau, die zum Teil von der JTA. verbreitet wurden, und führt dann ungefähr aus: Ringsum drohende Zusammenbrüche, von denen jeder über Nacht zur Katastrophe führen kann. Wir Juden befinden uns in einer besonders schwierigen Lage, wir müssen für die Kosten unserer geistigen Arbeit selbst eintreten, weil niemand sonst für uns sorgt. Den christlichen Konfessionen stellt der Staat theologische Fakultäten und Forschungsinstitute, uns gewährt er nichts dergleichen, wir sind lediglich auf die eigene Kraft angewiesen. Seltsam genug, wir Juden haben uns in allen Epochen um unser geistiges Erbe bemüht und auch unter den ungünstigsten Daseinsbedingungen es nicht verkümmern lassen; in der Zeit der Freiheit und des wirtschaftlichen Aufschwungs aber haben wir für alle anderen Erfordernisse unseres Seins weit intensiver und ernster gesorgt als für unser geistiges Fortleben. Weshalb wurden die Institute, welche der jüdischen Forschung dienten, errichtet? Weil das Judentum, wenn es eine Kulturreligion bleiben will, über sich selbst Bescheid wissen und den Zusammenhang mit der allgemeinen Wissenschaft behalten muß. Es braucht Lehrer, es braucht Führer, die zu nichts nutzen, wenn sie nicht auf der Höhe der Bildung stehen. Es muß sich fortwährend mit der Umwelt auseinandersetzen, bedarf daher der Forscher, die mit dem Geistesleben der Zeit Schritt halten, deren Stimme gehört und beachtet wird. Es muß seine Lehre und seine Schriften gegen Angriffe-und Entstellungen schützen und bedarf der Männer, die sie studieren und kennen, die zur Auslegung und Abwehr berufen sind. Wir leben in einer Zeit gewaltiger geistiger Umwälzungen, in der grundlegend Neues sich vorbereitet und auf das Judentum einstürmt — sollen wir da unser gelehrtes Rüstzeug abstreifen und uns wehrlos allen Stürmen aussetzen, die verheerend an unsere Gemeinschaft heranbrausen und uns alle Denkenden und geistig Schaffenden abtrünnig zu machen drohen? Auch der friedlichste Mensch wird den Grundsatz der widerstandslosen Unterwerfung auf geistigem Gebiete nicht gutheißen. Wohin es führt, wenn die Forschung vernachlässigt und das jüdische Bewußtsein dem Ansturm des Zeitgeistes wehrlos ausgesetzt wird, das haben wir Juden vor einem Jahrhundert zur Genüge erfahren. Die alten Lehrhäuser waren damals eingegangen, neue noch nicht erstanden, und die Folge davon waren Abfall und Gleichgültigkeit in einem bis dahin unerhörten Ausmaße. Es ist ein Ruhmestitel der deutschen Judenheit, daß sie ih jenen bösen Tagen die Führung ergriffen und durch die Pflege der wissenschaftlichen Erforschung des Judentums dieses gerettet hat. Besonders Berlin ist durch das Verdienst der großen jüdischen Gelehrten des vorigen Jahrhunderts ein Mittelpunkt geworden, von dem Wissen und Leben ausging für die gesamte Judenheit in allen Ländern. Ein Jahrhundert lang hatten wir daran zu arbeiten, die Schäden gut zu machen, welche die Sorglosigkeit weniger Jahre und Jahrzehnte dem Judentum beigebracht hat. Wollen und dürfen wir uns einer solchen Gefahr noch einmal aussetzen, oder müssen wir nicht bestrebt sein, die aufbauende Kraft, welche die Forschung stets für das Judentum bedeutet hat, zu erhalten und zu stärken? „Ein Baum des Lebens ist sie denen, die an ihr festhalten, und wer sie erfaßt, ist beglückt!“ Vereine Jüdisches Kammerorchester München Auch in der kommenden Spielzeit finden die Proben regelmäßig jeden Mittwoch, abend, pünktlich 8.30 Uhr, im Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Straße 1, Rückgb., statt. Erste Probe am Mittwoch, dem 7. September. Das umfangreiche Arbeitsprogramm macht regelmäßiges Erscheinen aller. Mitglieder erforderlich. Fortgeschrittene Streicher und Bläser werden gerne aufgenommen; Anmeldung beim Schriftführer Hermann Renka, Hans-Sachs-Straße 11/1, Telephon 2 97 5 05, oder an den Probeabenden. Jüdischer Gesangverein München Die Proben beginnen Dienstag, den 6. September, abends 8.15 Uhr; im Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Straße 1. Um die Durchführung des großen Winterprogrammes zu ermöglichen, ist die Beteiligung aller Mitglieder unbedingt erwünscht. Der Schriftführer. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe München Kameradschaftlicher Abend am Mittwoch, dem 14. September 1932, in der Gaststätte Schwarz, Schlosserstraße 2. Union der Zionisten-Revisionisten, Ortsgruppe München Rechtzeitig zum 23. August, dem Jom Hagedud, dem 15. Jahrestag der Jüdischen Legion erschien in der Reihe der Tel- Chaj-Fonds-Bücherei eine Broschüre „Die Jüdische Legion“ mit Beiträgen von Vladimir Jabotinsky, M. Großmann, Col. J. H. Patterson u. a. Diese lesenswerte Publikation ist durch den Buchhandel oder von Fritz Rosenthal, München 2 NO, Öttingenstraße 23/1, zum Preise von 20 Pfg. zu beziehen. München. Der jüdische Kindergarten, Herzog-Rudolf-Straße I, beginnt Montag, den 5. September, 9 Uhr. Alle näheren Auskünfte dort oder vorher unter Telephon 43 5 60. Monatlicher Beitrag 5 RM. Die Leiterin Henny Reich, Schumannstraße 2. Bücnerschau A. Causse „Los disperses d’Israel, les origines de la diaspora et son role dans sa formation du judaisme.“ Paris, Felix Alcan 1929. 164 S. 20 frs. Der Verfasser, Professor der protestantischen Theologie an der Universität Straßburg, untersucht in der vorliegenden Schrift die Frage nach dem Vorkommen israelitischer und jüdischer Siedlungen außerhalb Palästinas in der Vorexilzeit und die Frage nach dem Einfluß des Auslandsjudentums auf die Bildung des Judaismus. Daß der letztere seine universalistisch- Kaffee-Konditorei Feldherrnhalle Inhaber: ADOLF ZIMMER, früherer langjähriger Direkter Hotel Excelsior Fernsprecher Nr.91 447 Wiener Kaffee und nur erstklassige Getränke O Feinste eigene Konditorei-Erzeugnisse mit garantiert reiner Butter! Lieferung frei Haus