Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 17 (1.9.1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 265 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2727950-2727967--08725-2741945- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 17 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 265 Lieblich für voreilig und verfehlt, und zwar von , der Wurzel her. Die kritische Seite und der Mut zur Wahrheit bleiben die Stärke dieser Kampfschrift. Die Kritik an den Einzeleinrichtungen der europäischen und deutschen Judenheit, an ihrem gemeindlichen und religiösen Leben, am Zentralverein und am Zionismus trifft, das muß eingeräumt werden, in schmerzlicher Weise ins Schwarze. Das Rezept, das hier mit soviel Emphase und mit so wenig Herzenshöflichkeit und Takt einem schwer kranken Korpus wie dem jüdischen verordnet wird, könnte leicht tödlich wirken, wenn es der Arzt, den der Verfasser hier kühner Weise ruft, anwendet. Gott schütze das Judentum vor seinen falschen Freunden und ungerufenen Erneuerern: was wir in allerletzter Zeit von solchen Reformatoren aus dem Schoße des Judentums an zweifellos wohlgemeinten und'laut vorgetragenen Ratschlägen, Um- und Neuordnungen, Selbstbesinnungen und Statuten gehört haben (Schoeps, Hugo Marx, Lieblich) ist deshalb so bedenklich und schädlich, weil es in keinem Fall aus den eigenen Gesetzen des jüdischen Schicksals und aus dem nur im bangen Miterleben von der Geburt an zu gewinnenden Sach- und Sinnverständnis stammt. F. Aus der Gemeinde München An alle unsere Gemeindemitglieder richten wir die dringende und herzliche Bitte, wieder Umschau in ihren Schränken nach nicht benötigten, aber brauchbaren Sachen zu hallen. Um Männer- und Frauenkleidung, Wäsche und Schuhe wird ständig in unserer Abgabestelle gebeten, aber da unsere Bestände wieder so gut wie geräumt sind, müssen wir die meisten Bittsteller abweisen. Ohne Kosten, nur mit ein wenig Mühe, könnte so vielen, besonders jetzt, zu den bevorstehenden Feiertagen, geholfen werden. Wenn möglich bitten wir um Übersendung der uns zugedachten Sachen (Herzog-Max-Straße 7/1, Rückgebäude), da uns dann Kosten erspart werden, sonst um Anruf zwecks Abholung unter Nr. 93 7 71 (Fr. Hirschinger) oder Nr. 93 4 01 (Kultusgemeinde). Für den Bekleidungsverein: Emma Selinger, Jenny Baerwald, Kassierin. Vorsitzende. Gottesdienst an den hohen Feiertagen in der Synagoge i Reichenbachstraße 27 Wie uns die vereinigten Vereine Linath-Hazedek und Agudas-Achim mitteilen, sind alle Vorbereitungen getroffen, um den Gottesdienst in der neuen Synagoge an den hohen Feiertagen ganz besonders weihevoll zu gestalten. Dem Kantor ist ein großer, klangvoller Herren- und Knabenchor beigegeben. Einlaßkarten sind erhältlich bei Herrn Rosenwasser, Sendling er Straße 10, Telephon 91 3 50, außerdem an den letzten drei Sonntagen vor Rosch Haschono in der Reichenbachstraße 27, vormittags von 9—12 Uhr. Rituelle Verpflegung an Bord der Norddeutscheh-Lloyd-Dampfer Die Direktion München schreibt unterm 9. August an das Rabbinat München: Es dürfte für Sie von Interesse sein, in bezug auf die Ritualverpflegung an Bord unserer Dampfer das Nachfolgende zu hören: Die Dampfer „Bremen“, „Europa“ und „Columbus“ sind mit Ritualköchen besetzt. Auf den übrigen Passagierschiffen nach Nord- und Südamerika muß die Ritualverpflegung auf Verabreichung von koscheren Fleisch- und Gemüsekonserven, koscherer Wurst und Aufstrichmitteln beschränkt bleiben. Bei genügender Beteiligung, in der Regel bei 20 Passagieren, kann die Israelitenküche auf den übrigen Schiffen wieder in Betrieb genommen werden. Aus bayerischen Gemeinden Unsieben, im Juli 1932. In der im Juli d. J. zu Bad Kissingen tagenden Bezirkslehrerkonferenz benützten die anwesenden Lehrer und Kultusbeamten die Gelegenheit, dem ab 1. Juli in den Ruhestand getretenen ehrw. Bezirksrabbiner Herrn Dr. Bamberger durch ihren Obmann Herrn Oberlehrer Israel Wähler, Neutsadt a. d. Saale, Worte des Dankes und der Ehrung zu widmen. Vor allem sprach Herr Oberlehrer Wähler im Namen der Lehrer und Kultusbeamten sein tiefstes Bedauern aus, daß der hochgeschätzte Thoragelehrte auf Grund seiner erreichten Dienstaltersgrenze in den Ruhestand treten mußte. Er pries in erster Linie in unserem ehrw. Herrn Rabbiner den hochverehrten Rav als Godol bejisroel im vollsten Sinne des Wortes und betonte besonders das stets erfreuliche und harmonische Verhältnis inniger Verbundenheit zwischen Rabbiner und Lehrer. Homburg a. d. Saar. Infolge Erreichung der Altersgrenze trat der Lehrer und Kantor der Israelitischen Kultusgemeinde Homburg/Saar, Herr Oberlehrer Ludwig Samuel, in den Ruhestand. 46 Jahre war er in verschiedenen pfälzischen Gemeinden tätig, davon 19 Jahre in Homburg/Saar. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich das Bankett, das die Gemeinde ihm zu Ehren veranstaltete. Der Vorsitzende der Gemeindeverwaltung, Herr Leo Hirsch, gedachte in überaus ehrenden Worten seines Wirkens als Pädagoge und Kantor, wobei er besonders seine vorbildlichen menschlichen Qualitäten hervorhob. Dank seines grundgütigen Wesens, seiner Bescheidenheit, Pflichttreue und wahren Frömmigkeit habe er sich die Liebe und Verehrung der Gemeindemitglieder und darüber hinaus die Sympathien der Gesamtbürgerschaft in hohem Maße erworben. Als äußeres Zeichen der Anerkennung überreichte er dem Scheidenden einen prächtigen Ruhesessel. Sichtlich bewegt für diese Ehrung dankend, entwarf Herr Samuel rückschauend noch einmal ein Bild seiner Tätigkeit als Jugendbildner und Kantor und ließ seine Ausführungen in ein Lob für das gute Einvernehmen zwischen ihm und der hiesigen Gemeindeverwaltung ausklingen. Aus dem Reiche Von der jüdischen Arbeiterkolonie Landwerk Neuendorf Berlin. Anfang Juli wurde Landwerk Neuendorf bei Fürstenwalde a. d. Spree als erste jüdische Arbeiterkolonie von der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge eröffnet. Beim Verein „Jüdische Arbeitshilfe“, der die Anmeldungen entgegennimmt, hat sich eine sehr große Anzahl langfristig Erwerbsloser aller Kategorien (Handwerker, Gärtner, Kaufleute, Akademiker, gelernte und ungelernte Arbeiter usw.) aus dem ganzen Reich gemeldet, von denen vorläufig nur etwa 40 aufgenommen werden konnten. Es handelt sich insbesondere um Jugendliche, die D CAFE KONDITOREI DER VORNEHME AUFENTHALT IM tägl. geöffnet ■ I I ■ STADTZENTRUM . WEINSTRASSE 4 b^uhrnaots |