Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 17 (1.9.1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2727810-2727950-2727967--08718-2741938- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
258 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 17 recht zu werden, die Dr. Freudenthal sich erworben hat, alle Ämter und Ehrenstellen aufzuzählen, die er bekleidet. Es leuchtet ein, daß die verschiedensten Organisationen die wertvolle, nie ermüdende Arbeitskraft Dr. Freudenthals sich zu Nutze gemacht haben. Hier sei nur erwähnt, daß er der Vorsitzende der Bayerischen Rabbiner-Konferenz, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Rabbiner-Verbandes und der Reliktenkasse der Deutschen Rabbiner, Mitglied des Generalkomitees der Großloge U. 0. B. B. und in vielen anderen, auch interkonfessionellen Organisationen an hervorragender Stelle tätig ist. Überall gilt sein kluger Rat, überall weiß man die Zuverlässigkeit und Treue zu schätzen, mit der er, als ganzer Mensch, die einmal übernommene Arbeit ausführt. Besonders auch im charitativen Leben der Gemeinde und der Stadt Nürnberg spielt Dr. Freudenthal, hierin von seiner Gattin tatkräftig unterstützt, eine führende Rolle. Trotz der Fülle praktischer Tätigkeit, die dem Rabbiner einer Großgemeinde obliegt, hat Dr. Freudenthal Zeit gefunden, sich produktiver wissenschaftlicher Arbeit zuzuwenden; aus der Reihe von Arbeiten, die die jüdische Geschichtswissenschaft seiner Feder verdankt, seien erwähnt: „Aus der Heimat Moses Mendelssohns“, „Leipziger jüdische Meßgäste“. Von seinem pädagogischen Geschick, das er als tüchtiger Lehrer seit Jahrzehnten bewährt, legt auch das von ihm herausgegebene „Lesebuch für den Unterricht in der jüdischen Religionslehre für Oberklassen“ Zeugnis ab. All’ das spricht von einem reichen und erfolggekrönten Lebenswerk. Mögen der verehrte Jubilar und die Gemeinde, der sein Wirken vornehmlich gilt, die Genugtuung erfahren, daß sein Lebenswerk immer reichere Früchte trage. Der Jubilar aber möge all' den herzlichen Wünschen, die ihm aus seiner Gemeinde und wie von vielen anderen so auch von dieser Stelle aus dargebracht werden, entnehmen, daß seiner Arbeit auch die Anerkennung folgt, die dem Schaffenden wohltut und die, besonders in schweren Zeiten, Spannkraft und Arbeitsfreudigkeit stärken kann. Mögen ihm diese noch lange Jahre erhalten bleiben! L. B. B Glückwunsch des ayerischer Israelitischer Ge Präsidenten des Verbandes meinden für Rabbiner Dr. Freudenthal Der „Nürnberger Gemeinde-Zeitung“ vom 1. September entnehmen wir den nachstehenden Glückwunsch von Herrn Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer. Wenn ich zu der Jubiläumsfeier des Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal die Glückwünsche der Gemeinden des Landes übermittle, so möchte ich nicht so sehr ein allgemeines Bild seiner Tätigkeit geben. Der Gefeierte lebt und wirkt mit uns in seiner führenden, lebensvollen, die Dinge der Gegenwart wie der Vergangenheit meisternden Art. Wir alle freuen uns seines klugen Rates und seines geraden, klaren Urteils, das die Dinge vom Grund aus hebt und sie räumlich und zeitlich in die menschlichen Ordnungen einreiht. Was wir hier im besonderen an seinem Ehrentage umschreiben wollen, vom Standpunkt der Gemeinden des Landes, das ist eine Tatsache religiös-organisatorischer und kultureller Art unserer jüdischen Gemeinschaft, es ist die Stellung des Rabbiners, der Dr. Freudenthal für unsere Zeit in besonderem Maße die Prägung gegeben hat. Diese Tatsache, die uns, als gewohnt und selbstverständlich, vielleicht gar nicht so sehr im Bewußtsein liegt, ist erst in der letzten Zeit bei den Verhandlungen über die Bildung eines Reichsverbandes in dem Gegensatz zwischen Nord und Süd recht deutlich hervorgetreten. Die Stellung' des Rabbinats, die Freudenthal im Rahmen des Bayerischen Landesverbandes in besonderem Maße zur Anerkennung gebracht hat, deklaratorisch, nicht konstitutiv — es galt ja nur das Verhältnis des Rabbinats zu den Gemeinden klar herauszuheben, nicht es zu begründen —, diese Stellung des Rabbinats hat wesentlich dazu beigetragen, daß der religiöse Charakter unserer Gemeinschaft in Bayern gesichert, daß eine zweckentsprechende Ausscheidung der Zuständigkeit zwischen Rabbinat und Gemeinden herbeigeführt und der innere Frieden im Lande gewahrt ist, daß unsere religiöse Gemeinschaft, die in dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden ihre rechtliche Form gefunden hat, von der Staatsregierung und den Behörden geachtet und geschätzt und daß sie innerhalb der jüdischen Gemeinschaft im Reiche und über seine Grenzen hinaus als Vorbild gewürdigt wird. Das Rabbinat in Bayern steht, wie auch anderwärts, als religiöse Instanz im engeren Sinne neben der Verwaltung. Die Besonderheit seiner Stellung in Bayern aber liegt darin, daß Verwaltung und Rabbinat sich nicht nur ergänzen, sondern daß sie auch zur Vertretung der Gesamtheit enge Zusammenwirken, so daß die jüdische Gesamtheit nach innen wie nach außen ohne die Mitwirkung des Rabbiners nicht als entsprechend vertreten gilt. Dies zeigt sich ebenso in den Beratungen der Verwaltungskörperschaften, wie in dem Auftreten gegenüber öffentlichen Stellen, in gleicher Weise nach der sachlichen, wie nach der repräsentativen Seite. Diese Stellung des Rabbiners innerhalb der jüdischen Gemeinden des Landes und im Landesverbände der Gemeinden, der öffentlich-rechtlichen Vertretung der Israeliten in Bayern, klargestellt zu haben, ist wesentlich das Verdienst von Dr. Freudenthal. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden zählt dieses Ergebnis in seiner nunmehr 12jährigen Geschichte zu seinen wertvollsten Errungenschaften.