Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 16 (15.8.1932)
- Date
- 1932-08-15
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2727810-2727950-2727966--08711-2741930- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
252 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 16 Frau Cornelie Frankel 60 Jahre Wir entnehmen dem „Jüdischen Echo“: Ihren 60. Geburtstag beging ebenfalls in der letzten Woche Frau Cornelie Frankel, München. Frau Frankel gehört dem leitenden Ausschuß des jüdischen Wohlfahrtsamtes, außerdem dem jüdischen Frauenverein an. Seit Jahren tritt sie mit größer Hingebung für die Armen ein und kümmert sich mit Liebe und Verständnis um ihre Schützlinge. Es ist besonders hervorzuheben, daß die Schaffung des Postens der Gemeindeschwester, die nun schon einige Jahre viel Gutes unter den Armen und Kranken der Gemeinde wirkt, auf Anregung von Frau Frankel zustande kam. Wir wünschen der Jubilarin noch recht viele Jahre froher Schaffenskraft zur Mithilfe, die Not der heutigen schweren Zeit zu lindern. Bericht über die Austragung der Deutschen Jiu-Jitsu-Meisterschaften 1932 in München unter Teilnahme des Reichsbundes iüd. Frontsoldaten, Berlin Seitdem der Jiu-Jitsu-Sport von den Japanern zu uns nach Deutschland kam, finden alljährlich Meisterschaftskämpfe statt, die bisher in folgenden Städten ausgetragen wurden: 1926 in Köln, 1927 in Swinemünde, 1929 in Leipzig, 1930 in Breslau, 1931 in Hamburg. 1932 wurden zum ersten Male die Deutschen Jiu-Jitsu-Meisterschaften in München ausgetragen. Es wurde in sieben Gewichtsklassen gekämpft, dabei konnte der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Berlin, zwei erste und eine zweite Meisterschaft erringen, was bei der großen Beteiligung der Kämpfer aus allen Teilen Deutschlands als ganz besonderer Erfolg des R.B.j.Fr. zu gelten hat. Die Meisterschaftskämpfe wurden vom 30. Juni bis 2. Juli 1932 in der M.T.V.-Halle in München, Häberlstraße, ausgetragen. 55 Teilnehmer waren gemeldet, die an den zwei ersten Tagen die Ausscheidungskämpfe bestritten. Am dritten Tage, also am 2. Juli 1932 fanden in der gutbesetzten M.T.V.-Halle die Hauptkämpfe statt. Von unseren drei R.B.j.Fr.-Kämpfern stritt im Federgewicht (100—110 Pfd.) Nathan Awerbuch, der bei der Endrunde knapp nach Punkten verlor und daher Zweiter wurde. Im Leichtgewicht (über 110—122 Pfd.) kämpfte Louis Unger unentschieden; nachdem er 1931 in der gleichen Gewichtsklasse Deutscher Meister war, wurde er heuer wieder zum Sieger ernannt. Im schweren Mittelgewicht (über 135—150 Pf.) siegte einwandfrei nach Punkten Henry W o 1 f f. Mitglieder der Ortsgruppe München des Reichsbundes jüdischer Frontsodaten leisteten den Berliner Freunden noch Gesellschaft zum Abschluß der Deutschen Jiu-Jitsu-Meisterschaften in München. Eugen W e i 11, München, Museum-Garage, Zeppelinstr. 59/61. Aus bayerischen Gemeinden Miltenberg a. Main. Vom Tode des Ertrinkens gerettet wurde gestern vormittag in der städtischen Badeanstalt ein fünfjähriges Mädchen. Das Kind fiel in einem unbeaufsichtigten Augenblick in das große Bassin. Der Vorfall wurde zuerst von niemand bemerkt, jedoch kam später die neunjährige Lotte Steinberger, die hier bei ihrer Großmutter, Frau Grünstein, zu Besuch weilt, dazu. Kurz entschlossen sprang die gute Schwimmerin ins Wasser und zog das mit dem Tode ringende Kind aus dem Wasser heraus. Der mutigen Lebensretterin auch an dieser Stelle volle Anerkennung. Lotte Steinberger ist die Tochter des Kultusvorstandes Adolf Steinberger im Alsfeld. Eschau. Am nx") "3 rot? den 27. August vollendet Herr Lehrer Leopold Lehmann, hier in körperlicher und geistiger Frische das 70. Lebensjahr. In seltener Pflichttreue und Liebe zu seinem Berufe übte derselbe sein Amt aus. Obwohl Herr Lehmann seit einigen Jahren im Ruhestand lebt, ist er bis heute noch in der hiesigen Gemeinde, in der er seit 48 Jahren vorbildlich wirkt, als Religionslehrer und Kantor tätig. Durch seine hohe Berufsauffassung, seinen vornehmen Charakter und durch sein freundliches, liebenswürdiges Wesen hat er sich die Wertschätzung und Achtung seiner Gemeinde und weiter Kreise ohne Unterschied der Konfession erworben. Möge ihm noch ein langes segensreiches Wirken und ein froher Lebensabend im Kreise seiner Familie beschieden sein. Zeckendorf bei Bamberg. Das älteste Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Zeckendorf, Herr Max Welt, ist im 85. Lebensjahre am 18. Juli 1932 verschieden. Ausgerüstet mit einer tiefen Religiosität, versah er jahrzehntelang in ehrenamtlicher Weise den Vorbeterdienst an den hohen Feiertagen und sorgte, daß die althergebrachte Tradition in der Gemeinde erhalten bleibe. Im Trauerhause sprachen Herr Rabbiner Dr. Kalten (Bamberg), ferner ein Verwandter, Herr Julius Hermann (Bamberg), am Grabe Herr Lehrer Banda (Hemmelsdorf). Allen Worten war zu entnehmen, daß ein Mann das Zeitliche gesegnet hat, der durch seinen gerechten Sinn und die Lauterkeit seines Charakters, verbunden mit echter Religiosität sich die Achtung und Wertschätzung des ganzen Dorfes und weit darüber hinaus erworben hat. . H. B. Aus dem Reiche Professor Sobernheim 60 Jahre alt Am 13. August beging Professor Moritz Sobernheim-, Legationsrat im Auswärtigen Amt, seinen 60. Geburtstag. Anläßlich dieses Tages hat ihm die Gesellschaft zur Förderung . der Wissenschaft des Judentums eine wertvolle Festschrift überreicht, an welcher sich führende Gelehrte des In- und Auslandes beteiligt haben. Die Zeit seiner Amtsführung an der Spitze der Gesellschaft war eine außerordentlich schwierige. Zuerst die Inflation, dann in gesteigertem Maße die Wirtschaftskrise stellten und stellen der Pflege der Wissenschaft ungeheure Hindernisse in den Weg; und diese Hindernisse steigern sich bei der Wissenschaft des Judentums, die leider auf staatliche Förderung nie hat rechnen können. Die genannte stark erweiterte Festschrift stellt ein Heft der Monatsschrift dar. Wie alle Hefte, enthält sie neben ' gelehrten Beiträgen auch solche, die für einen weiteren Leserkreis bestimmt sind: den freundschaftlichen Briefwechsel zwischen David Kaufmann und P. G. von Moellendorff wird gerade in unserer Zeit der religiösen Spannung jeder mit Anteil lesen; auch MichaeLGuttmanns Aufsatz über den Unterschied zwischen Gebotsfrömmigkeit und Mysterienreligiosität ist bei aller Weite der Gesichtspunkte gemeinverständlich geschrieben. Reichsführertagung des Jüdischen Pfadfinderbundes Deutschlands (J. P. D.) Der jüdische Pfadfinderbund veranstaltete am 23. und 24. Juli in Frankfurt am Main seine erste Reichsführertagung. Die stattliche Zahl von 150 Führern und Führerinnen des größten jüdischen Jugendbundes in Deutschland, befaßte sich mit allen aktuellen Fragen des deutschen Judentums, vor allem die Stellung der Jugend zu den Gemeinden,' wirtschaftliche und politische Situation, Berufsumschichtung und Arbeitsbeschaffung bildeten die Hauptpunkte des 1. Arbeitstages. Den 2. Tag füllten interne Bundesangelegenheiten aus. Einstimmig wurde Kurt London -Berlin wieder zum Bundesleiter gewählt. Das kommende Jahr stellt uns vor große Aufgaben, vor allem ist.der J.P.D., neben einem reinen Erziehungsbund, auch der Vertreter einer neuen Richtung im Judentum, der jungjüdischen Bewegung.— Die Frankfurter Tagung hat den Bund, der zum erstenmale zusammengetreten war ein großes Stück vorwärts gebracht. Chasak! Rabe. Die Frankfurter „Jeschiwa“ im Winterprogramm 1932 Das Kuratorium der Rabbinischen Lehranstalt Frankfurt a. M. gibt bekannt: Das Wintersemester an der unter Leitung des Herrn Gemeinderabbiners Dr. Jakob Hoffmann stehenden Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa“ beginnt am Sonntag, dem 30. Oktober (1. Marcheschwan). Anmeldungen für alle vier Abteilungen (Vorbereitungsklasse, Unter-, Mittel und Oberstufe)